"Dass die Gegenwart ein notwendiges Arbeitsfeld für das Engagement für Demokratie und Toleranz darstellt, wird uns fast täglich im Nachrichtenprogramm mitgeteilt", sagte Oberbürgermeister Rupert Kubon in seiner Laudatio. Alle Preisträger hätten sich mit gegenwärtigen Probleme im Sinne des Namensgebers des Preises auseinandergesetzt.

Den ersten, mit 300 Euro dotierten Preis, erhielt die Theater-Arbeitsgemeinschaft des Romäusgymnasiums für ihr Stück "Die Brandstifter". Angelehnt an Max Frischs Nachspiel von Biedermann und die Brandstifter erarbeiteten die Schüler eine Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Phänomen Fremdenfeindlichkeit. Zur Aufgabe gehörte ebenfalls eine Analyse sozialkritischer Dramen von Brecht, Müller und Handke. Die von der Jury in ihrer Begründung erwähnte "enorme Bühnenpräsenz und spürbare Spielfreude" stellten die Preisträger in einem kurzen Ausschnitt des Stücks unter Beweis.

Einen dritten Preis, der mit 100 Euro dotiert ist, erhielten 16 Schüler verschiedener Gymnasien der Stadt, die sich als Peer-Guides ausbilden ließen und Besucher durch die Ausstellung über Anne Frank – "Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte" – führten. Die Guides wurden von Trainern des Anne-Frank-Zentrums auf ihre Aufgabe für die Ausstellung im Franziskanermuseum vorbereitet. "Durch die Ausstellung und die Ausbildung als Ausstellungsbegleiter haben die Schüler nicht nur gelernt, mit Geschichte bewusst umzugehen, sondern sich auf Augenhöhe mit den Zuhörern zu bewegen", so die Begründung der Jury. Es sei den Schülern gelungen, sowohl Gleichaltrigen als auch Erwachsenen eine wichtige Brücke zum Thema Anne Frank zu bauen.

Einen weiteren dritten Preis erhielt eine Seminararbeit von Johannes Boos, Leander Cramer und Benjamin Nowok vom Technischen Gymnasium Schwenningen. In einem theoretischen Teil hatten die Schüler der Flüchtlingsproblematik Bibelaussagen gegenübergestellt. Im Projektteil gemeinsam mit Schülern der Flüchtlingsklassen wurden Collagen aus jeweils zwei Gesichtshälften erstellt. Dabei wurden Parallelen der äußerlichen als auch der kulturellen Merkmale aufgezeigt."Die Arbeit Mensch ist Mensch betone die Unteilbarkeit der Menschenrechte, urteilte die Jury.


Zur Person

Joseph Haberer wurde 1929 in Villingen geboren. 1938 emigrierte er aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach England. Seine Eltern, Berthold und Georgine Haberer, wurden 1940 ins Lager nach Gurs in Frankreich deportiert. Berthold Haberer starb dort an den Folgen der katastrophalen Lagerbedingungen, Georgine Haberer wurde im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Joseph Haberer lehrte in den USA Politologie und setzte sich bei Vorträgen in Schulen und bei öffentlichen Veranstaltungen gegen Rassismus und Antisemitismus ein. Er starb 2013.