Sie war mit Spannung erwartet worden, die erste große Rede von Jürgen Roth, der seit knapp zwei Wochen neuer Oberbürgermeister der Doppelstadt ist. Kurz gesagt: Es war eine solide Rede ohne große Überraschungen, aber auch ohne Visionen und in vielen Bereichen noch im Wahlkampfmodus verharrend. Natürlich ist klar, und das muss über allem stehen, Jürgen Roth hatte bis jetzt gerade mal knappe zwei Wochen Zeit, um sich einzufinden. Er wird noch lange brauchen, bis er die Verwaltung kennt, die Abläufe, mit allem vertraut ist und dann wirklich loslegen kann. Trotzdem hätte seine Rede etwas mehr Pfiff vertragen, kühnere Ideen. Neu ist sein Ansatz, offensichtlich den Haushalt nochmals durchforsten zu wollen, was wirklich machbar ist, das könnte spannend werden.

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Klar, wir wissen alle, was wir brauchen und wollen: Bessere Straßen, mehr Kindergartenplätze und eine saubere, sichere Stadt – das alles war im Wahlkampf vielfach zu hören. Jetzt hätte Jürgen Roth schon etwas mehr ins Detail gehen können, wie er die fehlenden Kindergartenplätze schaffen will, immerhin ein Ziel, dass er gleich zu Beginn seiner Rede nennt und aber keinerlei Pläne nennt, wie er dies erreichen will.

Die Vermüllung stört alle Doppelstädter und jeder würde sich freuen, wenn Plätze, Straßen und Parks wieder sauberer wären. Dies verspricht Jürgen Roth, ohne zu sagen, ob er dazu Müllpolizisten anstellt, das Personal der Technischen Dienste aufstockt oder vielleicht eine ganz andere Idee hat. Villingen-Schwenningen als Wohlfühlstadt hört sich gut an, aber die entscheidende Frage ist ja, wie wir da hinkommen. Das alles waren schon Themen im Wahlkampf und auch wenn er erst seit 14 Tagen im Amt ist, hat sich Jürgen Roth damit ja sicher schon länger auseinander gesetzt.

Die Rede ist in weiten Teilen eine Auflistung des Ist-Zustandes, unterfüttert mit vielen Zahlen aus dem Haushalt: 13 Millionen für die Schulen, 4,8 Millionen für den Marktplatz und so weiter. Die Charakterisierung von Schwenningen als Hochschulstandort und eine Stadt mit sportlicher Prägung und Villingen mit dem historischen Stadtkern und dem einmaligen Flair ist etwas kurz gegriffen und zu plakativ, die großen Stadtbezirke haben mehr, was sie ausmacht, egal ob das Stärken oder Schwächen sind.

Positiv ist auf jeden Fall sein Appell, die gemeinsame Stadt mit all ihren Besonderheiten und Unterschieden so zu akzeptieren und zu leben, nur dann könne man sie voranbringen. Da hat er absolut recht. Und wenn er hier einen Weg findet, dieses Ziel vor allem auch mit dem Gemeinderat umzusetzen, wäre das ein gewaltiger Fortschritt für die Stadt und ihre Stadtbezirke. Jürgen Roth wirkte an seinem großen Tag recht entspannt, er hat den Zuspruch, den er erfahren hat, genossen und sich über die vielen Besucher gefreut, die er fast alle mit Handschlag begrüßt hat – auch eine schöne Geste.

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