Jetzt steht wieder Ostern vor der Tür, und die Debatte beginnt: Welches sind die besten Färbetechniken? Unsere Mitarbeiterin Anna Schröder kennt eine besondere Form, die sie hier schildert.

Der Sud zum Färben wird angesetzt.
Der Sud zum Färben wird angesetzt. | Bild: Anna Schröder
  • Die Technik: Das Kratzen von Ostereiern ist Familientradition, solange ich denken kann. Meine Großmutter brachte die Technik bei ihrer Flucht aus Oberschlesien mit. Schon als Kind habe ich gemeinsam mit ihr und meiner Mutter viele verschiedene Muster auf Eier gekratzt, die wir zuvor mit Zwiebelschalen gefärbt hatten.
Die Eier nehmen langsam Farbe an.
Die Eier nehmen langsam Farbe an. | Bild: Anna Schröder
  • Die fertigen Eier eignen sich als Dekoration, sind aber auch ein besonderes Geschenk für Ostergäste. Damit sich die Eier zum Kratzen eigenen, sollten sie eine feste Schale haben. Am besten sind daher Landeier direkt vom Bauern. Wenn möglich, sollten die Eier ohne Herkunftsstempel bestellt werden, denn nicht jede Stempelfarbe löst sich beim Färbevorgang. Zum Färben der klassischen rot-braunen Eier benötigt man Zwiebelschalen – für etwa zehn Eier rund 60 Gramm.
Nach wenigen Minuten leuchten die Ostergrüße.
Nach wenigen Minuten leuchten die Ostergrüße. | Bild: Anna Schröder
  • Der Färbevorgang: Zuerst muss ein Färbe-Sud gekocht werden. Hierfür bedecken Sie die 60 Gramm Zwiebelschalen mit etwa zwei Litern Wasser und bringen das Ganze zum Kochen. Nach etwa zehn Minuten Kochzeit hat das Zwiebelwasser eine deutliche, rote Färbung angenommen und die Eier können in das Wasser gegeben werden. Die Zwiebelschalen im Topf federn ab und verhindern, dass die Eier beim Kochen beschädigt werden.
Bild: Anna Schröder
  • Nach mindestens zehn Minuten Kochzeit können die Eier aus dem Sud genommen werden. Sie sollten nun eine kräftige rot-braune Farbe bekommen haben. Damit die Eier gut abtropfen können und keine Wasserflecken bekommen, werden sie am Besten auf ein Gitter gelegt. Auch zum Abkühlen können sie auf dem Gitter bleiben.
Die kleinen Kunstwerke warten auf ihre Verzierung.
Die kleinen Kunstwerke warten auf ihre Verzierung. | Bild: Anna Schröder
  • Vorbereitung und Kratzen: Bevor es mit dem Kratzen losgehen kann, muss zuerst das Arbeitsgerät präpariert werden. Zum Kratzen eignen sich verschiedene spitze Gegenstände, wie Messer oder Teppichmesser. Ich arbeite am liebsten mit Einmal-Skapellen, die man in der Apotheke kaufen kann. Die Klinge umwickle ich mehrfach mit Malerkrepp, sodass lediglich die Spitze herausragt. Die Eier können auch mit elektrischen Werkzeugen wie einem Dremel oder einem Maniküre-Gerät bearbeitet werden. Die Muster sind in diesem Fall jedoch nicht so fein.
Bordüren können helfen.
Bordüren können helfen. | Bild: Lea Spormann
  • Es geht los: Wenn sie gut ausgekühlt sind, kann mit den Vorbereitungen der Eier begonnen werden. Insbesondere für symmetrische Muster, aber auch für das Kratzen von Bordüren ist es sinnvoll, das Ei in Bereiche aufzuteilen. Hierfür lässt sich einfach ein Gummiring um das Ei spannen, an dem entlang man dann vorsichtig eine Linie mit einem weichen Bleistift auf das Ei zeichnen kann.
So schön ist das fertige Osterei.
So schön ist das fertige Osterei. | Bild: Anna Schröder
  • Nun kann mit dem Kratzen begonnen werden. Wie oder wo man beginnt, hängt davon ab, wie das Ei später aussehen soll. Soll das Ei beispielsweise zwei verschiedene Seiten bekommen, wäre es sinnvoll, mit einem Rahmen zu beginnen. Dann ist von Beginn auch klarer definiert, welchen Platz andere Elemente einnehmen können – etwa Blumenmotive.
  • Die Motive: Typisch Schlesisch wären beispielsweise Blumenmuster oder christliche Motive. Das Kratzen dauert je nach Motiv zwei oder mehr Stunden. Im Internet lassen sich viele verschiedene Motive und Anregungen finden. Am Einfachsten lassen sich die fertigen Eier in einer Schale mit Reis präsentieren. Auch symmetrische Motive sind möglich. Nach der Osterzeit sollten die Eier kühl gelagert werden, in einer Eierpackung im Keller.
Bordüren können helfen.
Bordüren können helfen. | Bild: Lea Spormann
  • In den ersten ein bis zwei Jahren muss das Ei regelmäßig, etwa einmal im Monat, gewendet werden. Nach und nach trocknet das Ei ein und bildet im Inneren eine bewegliche Kugel. Damit die Feuchtigkeit besser aufgesogen wird, sollte etwas Reis zu den Eiern gegeben werden. Natürlich kann das Ei auch ausgeblasen werden und mit entsprechenden Farben kalt gefärbt werden. Da das Ei beim Kratzen jedoch recht fest gehalten werden muss, ist die Gefahr sehr groß, dass es beschädigt wird. In diesem Fall eignet sich das Kratzen mit elektrischen Geräten besser, da das Ei lockerer gehalten werden kann.