In Weilersbach steht ein Problembaum. Martin Braun, der in dem Teilort in der Grundstraße 8 zuhause ist, liebt eigentlich die große alte Linde, die auf seinem Grundstück steht, weil sie schön anzusehen ist und an heißen Sommertagen kühlenden Schatten spendet. Was er allerdings nicht gebrauchen kann, sind die möglicherweise hohen Kosten, die dieser Baum einmal verursachen kann. Und die können erheblich sein, sind doch nach Einschätzung von Martin Braun jetzt bereits aus dem wachsenden Wurzelwerk der Linde Schäden an der Garageneinfahrt des Nachbarhauses entstanden, für die er fürchtet, aufkommen zu müssen. Auch schließt Braun nicht aus, dass, ähnlich wie bei einem Sommergewitter im Jahre 2011 geschehen, dicke Äste beim Herabfallen Schäden verursachen können.

Bereits nach dem Vorfall beim Sommergewitter hatte er deshalb erstmals die Fällung der Linde beantragt und von der Stadt Villingen-Schwenningen einen abschlägigen Bescheid erhalten. "Zum Erhalt der Dorfschönheit wurde die Fällung abgelehnt." Die Stadt hat damals aber auch die vollen Kosten des notwendigen Baumschnittes übernommen", erzählt der Hausbesitzer. In einem von der Stadt beauftragten 40-seitigen Gutachten wird dem Baum und dem Wurzelwerk aktuell beste Gesundheit attestiert und die Fällung auch heute nicht genehmigt.

Martin Braun befürchtet jetzt weitere Schäden insbesondere am Nachbargrundstück, für die er unter Umständen aufkommen müsste. Selbst der öffentliche Fußweg sei bereits in Mitleidenschaft gezogen worden. Was ihn besonders verbittert, ist die Tatsache, dass er keine Möglichkeit hat, selbst tätig zu werden. "Wir dürfen an den Wurzeln nichts abnehmen, stehen aber für alle Schäden, die der Baum anrichtet, in voller Verantwortung. Bei der Sanierung der Einfahrt soll eine so genannte Wurzelbrücke aus Beton weitere Schäden vermeiden helfen. Die Hofeinfahrt müsste dazu allerdings, generell angehoben werden. "Nach Meinung der Stadt müssen wir dafür die Kosten tragen", beklagt sich der Weilersbacher.

Erbost ist er auch, dass augenscheinlich mit zweierlei Maß gemessen werde. "Mir stellt sich die Frage, warum an den alten Kliniken in Villingen und Schwenningen massenweise Bäume abgeholzt werden dürfen, während die Stadt um die Erhaltung unseres Baumes so sehr bemüht ist."

Das sagt die Stadt

Die Stadtverwaltung sieht sich bei der Erhaltung dieses Baumes in der Pflicht, den politischen Willen des Gemeinderats umzusetzen, wie die Pressestelle auf eine Anfrage des SÜDKURIER erklärt. Dieser hatte mit der im Mai 1994 beschlossenen Baumschutzsatzung die Verwaltung verpflichtet, diese umzusetzen. Aus dieser Satzung ergebe sich "eine klare Verpflichtung an die Eigentümer, die per Ortsrecht zum Erhalt ihrer Bäume verpflichtet sind". Im Übrigen wolle man sich in dieser Angelegenheit noch nicht abschließend äußern, heißt es aus der Pressestelle der Stadt Villingen-Schwenningen weiter, da es sich um ein laufendes Verfahren handle, das man nicht in der Öffentlichkeit austragen wolle. (in)