Dieser Traum ist ein ganz besonderer. Er dreht sich um beste Freunde mit weichem Fell, um die große Freiheit auf vier Hufen, um ein Gefühl, dass manchmal fast so schön wie Fliegen ist. Es geht um Pferde – genauer gesagt: ums Reiten.

Nicht erst seit den „Bibi und Tina“-Filmen gehört der Reitsport vor allem bei Mädchen zu den beliebtesten Sportarten überhaupt. Eltern dagegen sind oft skeptisch, ängstlich – und auch unsicher. Welcher Reiterhof ist der richtige? Worauf muss ich achten und wie funktioniert das überhaupt mit dem Reiten lernen, sind nur einige der Fragen, die sich Mütter und Väter in diesem Moment stellen.

Pferde sind für viele Mädchen und für so manchen Jungen der große Traum. Bild: Tatjana Burger
Pferde sind für viele Mädchen und für so manchen Jungen der große Traum. Bild: Tatjana Burger | Bild: Burger, Tatjana

Einer, der solche Pferdeträume wahr macht, ist Steffen Giesser. Der geprüfte Pferdewirtschaftsmeister ist Inhaber des Pferdesportzentrums Oberer Neckar ein paar Kilometer außerhalb von Dauchingen. Auf 30 Hektar Naturidylle leben dort rund 70 Pferde, darunter sind 25 Schulpferde. Shetlandpony „Strolchi“ mit 82 Zentimetern Rückenhöhe ist das kleinste unter ihnen, der größte Lehrmeister heißt „Littlefoot“ und misst gut 1,85 Meter. Rund 130 Kinder lernen hier beim Verein Pferdesportteam Schwarzwald-Baar, der auf dem Hof seit 2016 beheimatet ist, das Reiten.

Los geht's für die Allerkleinsten

Wann die langersehnte erste Reitstunde starten kann, ist von Verein zu Verein indessen ganz unterschiedlich. Beim Pferdesportteam können Kinder schon sehr früh, ab etwa vier Jahren, die ersten Erfahrungen auf dem Rücken der Vierbeiner sammeln. Der Verein hat gleich mehrere brave Ponys in Mini-Größe, die sich für die Allerkleinsten eignen. Ganz neu starten dafür in Dauchingen im November Kurse, die in Teilen von der Hippolini-Lehrmethode inspiriert sind: Unter der Anleitung von Pferdewirtin Jasmin Körper dürfen die kleinen – und übrigens auch größere – Pferdefans dabei spielerisch die ersten Kontakte zu den zehn geduldigen kleinen Pferden knüpfen, die ebenfalls auf dem Hof leben. Jede Einheit steht dabei unter einem speziellen Motto – Indianer, Piraten und vieles mehr.

Das könnte Sie auch interessieren

„Ordentlich reiten lernen geht ab etwa sechs Jahren“, erklärt Steffen Giesser. Dann erst sind die Kinder soweit, die komplexen Anforderungen beim Reiten umzusetzen. Doch einfach aufs Pferd und los, das geht nicht. Die ersten Runden im Sattel drehen die Kinder in Einzelstunden an der Longe – eine Zeit, in der der Reitlehrer ganz intensiv auf die Reitschüler eingehen kann, in denen sie Ängste abbauen, verschiedene Pferde kennenlernen und ein Gefühl dafür bekommen können, wie es sich denn so anfühlt, wenn der vierbeinige Freund mit den weichen Nüstern plötzlich etwas schneller läuft. Rund 15 Einheiten, wenn nötig auch länger, absolvieren die Reitanfänger beim Pferdesportteam an der langen Leine, so lange, bis sie das Pferd auch beherrschen – „bremsen, lenken, vorwärtstreiben muss klappen“, wie Steffen Giesser sagt.

Video: Tatjana Burger

Erst dann nehmen sie die Zügel selbst in die Hand, im wahrsten Sinne des Wortes. Ab diesem Zeitpunkt geht es in die Gruppenreitstunde. Vier bis sieben Kinder sind in Dauchingen in einer solchen „Abteilung“, wie sie in der Reitersprache heißt. Ein bis zwei Mal pro Woche üben die Kinder nun in der großen, hellen Reithalle Schritt, Trab, Galopp oder erste kleine Sprünge.

Video: Burger, Tatjana

Welcher Reiterhof letztendlich der richtige ist, ist zunächst einmal eine Frage der berühmten „Chemie“. Eher Dressur, lieber Springen, reiner Freizeitreiter oder ehrgeiziger Turnierreiter – so unterschiedlich wie die Wünsche der Kinder sind auch die Angebote in der Region. Im Villinger Teilort Zollhaus findet sich gar ein waschechter Westernstall. Doch ein paar Dinge sollten die Lehrbetriebe alle gemeinsam haben: „Die Pferde müssen gepflegt und gut gehalten sein, Koppeln müssen vorhanden und das Sattelzeug in Ordnung sein“, zählt Experte Steffen Giesser einige Punkte auf. Eine gute Auswahl an Schulpferden sei ebenso wichtig – schließlich passt nicht jedes Pferd auch zu jedem Reiter. Theorieunterricht und Lehrgänge zählt Giesser ebenfalls als Indizien für einen engagierten Betrieb auf. Das Pferdesportteam etwa bietet unter anderem mehrmals im Jahr Reitabzeichenlehrgänge an, die für Teilnehmer aus allen Vereinen offen sind. Der Renner seien zudem Kurse für Eltern: Hier dürfen die Mütter und Väter unter Anleitung einmal selbst den Sattel auflegen oder die Hufe der edlen Rösser auskratzen – Spaß stets garantiert, verspricht Steffen Giesser.

Wichtig: Dass der Reitlehrer etwas kann

Viel hänge zudem von der Qualität der Ausbilder ab, so der Pferdewirtschaftsmeister, der die Dauchinger Reitschüler gemeinsam mit zwei weiteren ausgebildeten Pferdewirten unterrichtet. Seine Kollegen und er besuchen selbst regelmäßig Fortbildungen, um sich auf dem neuesten Stand zu halten oder Zusatzqualifikationen zu erwerben. „Schlecht und wirklich, wirklich bedenklich ist es, wenn einfach irgendwelche Jugendlichen in die Bahn gestellt werden, um Reitunterricht zu erteilen“, betont Giesser. Er weiß, wovon er spricht. Mit 14 Jahren hat er den ersten Schein als Amateurreitlehrer absolviert, seit mehr als 20 Jahren kümmert er sich nun schon professionell ums „Glück dieser Erde“ und alles, was damit zusammenhängt. Und hat daher auch noch einen echten Geheimtipp, wie Eltern einen guten Reitstall erkennen können: „Wenn man keinen oder nur schwer einen Platz in der Reitstunde bekommt.“

Ausrüstung für mehr Sicherheit

Ohne ihn geht's gar nicht: Wer aufs Pferd steigt, braucht einen Helm. Für die ersten Schnupperstunde genügt übrigens auch ein Fahrradhelm. Bild: Tatjana Burger
Ohne ihn geht's gar nicht: Wer aufs Pferd steigt, braucht einen Helm. Für die ersten Schnupperstunde genügt übrigens auch ein Fahrradhelm. Bild: Tatjana Burger | Bild: Burger, Tatjana
Vor Verletzungen – vor allem beim Springreiten – kann eine Sicherheitsweste schütze. Maya (9 Jahre) trägt eine Weste der höchsten Sicherheitsklasse Level 3. Bild: Tatjana Burger
Vor Verletzungen – vor allem beim Springreiten – kann eine Sicherheitsweste schütze. Maya (9 Jahre) trägt eine Weste der höchsten Sicherheitsklasse Level 3. Bild: Tatjana Burger | Bild: Burger, Tatjana
Der Rücken, die Wirbelsäule und die Rippen sind durch die Weste gut geschützt. Bild: Tatjana Burger
Der Rücken, die Wirbelsäule und die Rippen sind durch die Weste gut geschützt. Bild: Tatjana Burger | Bild: Burger, Tatjana

Doch auch im besten Reitstall sind Unfälle nicht ausgeschlossen. Reiten gehört laut Deutscher Gesellschaft für Kinderchirurgie zu den fünf gefährlichsten Sportarten für Kinder und Jugendliche. Auch bei der Pferdepflege oder dem Führen ist Vorsicht wichtig – die Hälfte der Unfälle passiert in solchen Situationen. „Reiten ist ein Sport, bei dem man sich mit einem Lebewesen beschäftigt und das kann auch einmal unberechenbar sein“, gibt auch Steffen Giesser zu. Wichtig sei daher, dass in der jeweiligen Reitschule auch das richtige Verhalten im Umgang mit den Vierbeinern geübt werde. Auch die passende Schutzausrüstung muss sein: Ein Helm nach geprüfter Sicherheitsnorm ist bei allen Reitstunden nicht nur in Dauchingen vorgeschrieben, beim Springen außerdem eine Sicherheitsweste.

Das müssen Eltern kleiner Pferdefans wissen

  • Was brauche ich wirklich zum Reiten?: „Ein Reithelm ist Pflicht“, sagt auch Steffen Giesser. Eltern sollten hier auf einen guten Sitz achten. Viele Helme lassen sich in der Größe verstellen und können daher oft jahrelang getragen werden. Wichtig ist zudem, dass der Helm der gültigen Sicherheitsnorm entspricht. Zur Not ist für die ersten Reitstunden auch ein Fahrradhelm ausreichend. Reitschüler sollten zudem knöchelhohe Schuhe mit Absatz tragen, um ein Durchrutschen durch den Steigbügel zu verhindern. Grobes Profil dürfen die Schuhe nicht haben, sonst könnten die Kinder bei einem Sturz hängen bleiben. Außerdem bietet sich eine Hose ohne Innennaht an, etwa eine stabile Leggings. Mit Reithandschuhen haben Kinder zudem die Zügel fester in der Hand.
  • Was brauche ich nicht? „Absolut keine Gerte und keine Sporen“, betont Fachmann Giesser. Diese Hilfsmittel seien nur etwas für erfahrene Reiter, die bereits einen ruhigen Sitz entwickelt haben. Unnötig ist am Anfang auch die Anschaffung eines kompletten Putzsets, da die meisten Reitställe solche Bürsten bereitstellen.
  • Was kostet das Reiten? Dies ist in den verschiedenen Ställen sehr unterschiedlich. In Dauchingen kann man für zehn Euro für eine halbe Stunde ein Pony ausleihen, die teuersten Einzelstunden kosten 35 Euro. Reitstunden in der Abteilung variieren je nach Reitverein zwischen 15 und 18 Euro. Während manche Reitställe die Stunden einzeln oder über Zehnerkarten abrechnen, können sie anderswo im Monats-Abo gebucht werden. Viele Vereine bieten Schnupperstunden an, oft gibt es auch Kurse in den Ferien.
  • Das richtige Pferd: Bei sehr jungen und kleinen Kindern sollte die Reitschule unbedingt über Ponys verfügen. Kleine Kinder gehören auf kleine Pferde. Neben der Größe des Ponys spielt auch sein Wesen eine Rolle. Das Pony für Einsteiger sollte gelassen, einfühlsam, kinderlieb und neugierig sein. Es sollte einen zufriedenen Eindruck machen. Das können auch Laien erkennen: Ein Pony, das beim Putzen immer die Ohren anlegt, vielleicht sogar schnappt oder sich von Kindern überhaupt nicht aus dem Stall holen lässt, signalisiert wenig Eignung als Anfänger-Pony. (Quelle: Deutsche Reiterliche Vereinigung FN)
  • Wie können sich Reiter weiterbilden? Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) bietet verschiedene Reitabzeichen an. Beim kleinsten Abzeichen, dem RA 10, müssen Kinder nur Schritt und Trab reiten. Bei späteren Abzeichen kommen kompliziertere Dressurlektionen und Fertigkeiten im Springen hinzu. Das höchste Abzeichen, das RA1, haben in der Regel nur Profireiter.
  • Reitställe in der Region: In der Region gibt es eine große Auswahl an Reitmöglichkeiten. Hier einige Ställe zur Auswahl: Dauchingen: Pferdesportzentrum Oberer Neckar, www.pferdesportzentrum-oberer-neckar.de; Donaueschingen: Reit- und Fahrverein Donaueschingen, www.ruf-donaueschingen.de; Hammereisenbach: Reitschule Kurz, www.reitschule-kurz.de; Schonach: Beständerhof, www.bestaenderhof.de; VS-Villingen: Reitverein St. Hubertus, www.rv-villingen.de; VS-Schwenningen: Reit- und Fahrverein Schwenningen, www.reitverein-schwenningen.de; IG Therapeutisches Reiten, Telefon (0171) 1 48 15 96. VS-Zollhaus: Train Station Reining Horses, www.trainstation-reining.com
  • Die richtige Versicherung: Wenn Kinder mit dem Reitsport beginnen, ist auch die passende Versicherung ein großes Thema. Zwar seien Vereine oder Reitschulbetriebe gegen Schadensfälle ebenfalls versichert, doch dieser Schutz reicht nicht immer aus. "Es ist sehr wichtig, dass man hier privat gut abgesichert ist", betonte Markus Faißt, Versicherungsmakler und Inhaber der Agentur Vergleichsfabrik in VS-Villingen. Mitversichert in der Privathaftpflicht sollte folgender Passus stehen: "Tierhaltung – Hüten fremder Tiere (Pferde)". Wer auf ein fremdes Pferd „aufpasst“, übernimmt automatisch das sogenannte „Tierhüterrisiko“ und ist damit zu einem gewissen Grad dafür verantwortlich, wenn das Tier eine andere Person schädigt. Dieses Tierhüterrisiko kann in der Privathaftpflicht mitversichert werden, solange kein gewerbsmäßiges Hüten fremder Tiere stattfindet. Ausgeschlossen bleiben in der Regel Schäden an den Tieren selbst. Zusätzlich sollte ein Unfallversicherung bestehen, so Markus Faißt. Viele Tarife leisten auch, wenn keine dauerhafte Beeinträchtigung nach einen Sturz vom Pferd bestehen bleibt, etwa bei Frakturen. Wer allerdings mit dem Tier an Turnieren jeglicher Art teilnimmt, sollte sich vorher eine schriftliche Bestätigung über die Mitversicherung vom Unfallversicherer geben lassen. Eine dritte Versicherung, die Tierhalterhaftpflicht, sollte laut Faißt abgeschlossen werden, wenn Kinder ein eigenes Pferd bekommen. Dabei, so empfiehlt er, sollten auch Fremdreiter genau benannt werden. Gerade Reitbeteiligungen müssten hier erfasst werden. (ana)