Wenn Karl-Heinz Bartsch-Pupanz, Mitglied im Förderverein des Freibades Tannheim, am Ende des Jahres die Formblätter zum Jahresbericht ausfüllen muss, dann gibt es dort nur eine Spalte für den Verlust. Keine für den Gewinn. Karl-Heinz Bartsch-Pupanz amüsiert das schon seit Jahren. Was für andere Freibäder ein Fremdwort ist, ist für das Tannheimer Bad inzwischen Usus geworden. "Wir machen pro Jahr etwa 10 000 Euro Gewinn", sagt Bartsch-Pupanz.

Bartsch-Pupanz hat das Bad vor 14 Jahren für den symbolischen Buchwert von einem Euro der Bäder VS abgekauft und den Förderverein gegründet. Seitdem konnten sie Rücklagen in Höhe von 260 000 Euro bilden. Nicht wenig, aber auch nicht genug. Zumindest nicht, für die dringend notwendige Sanierung des Bades. 1,8 Millionen Euro soll die kosten. Das geht nicht ohne die Hilfe der Stadt.

Wie hoch darf die Finanzhilfe sein?

Im Verwaltungs- und Kulturausschuss ist nun am Mittwochabend eine Debatte darüber entbrannt, wie hoch die Finanzhilfe für das ehrenamtlich geführte Bad sein darf. Denn vor 14 Jahren hätte das Bad eigentlich geschlossen werden sollen. So wie das Schwenninger Freibad. Nach dem Bau des neuen Hallenbades in Schwenningen stiegen 2003 die Verluste bei der Bäder VS enorm an. Bäder-Chef Ulrich Köngeter konnte einer Sanierung des maroden Schwenninger Freibadbeckens nicht guten Gewissens zustimmen, der Gemeinderat am Ende auch nicht. 2005 wurde beschlossen, das Bad zu schließen. Auch das Bad in Tannheim hätte geschlossen werden sollen. Bartsch-Pupanz hatte das verhindert. Auch in Schwenningen wurde damals ein Verein zur Rettung des Freibads gegründet. Allein ihm fehlten am Ende die Mitglieder. Das Schwenninger Bad wurde geschlossen. Tannheim bestand weiter. Aktuell erhält der Förderverein des Freibads jährlich 35 000 Euro von der Stadt.

Gerechtigkeit?

Würde man das Bad nun für 1,8 Millionen Euro sanieren, käme das einem neuen Bad gleich. Das sei aber nie gewollt gewesen, sagt Helga Baur von den Grünen. Und schüre am Ende auch großen Ärger in Schwenningen, wo "das Becken damals zugeschüttet wurde". Letztlich, so Baur, sei es schlicht "eine Gerechtigkeitsfrage". Sie befürwortet, den bisherigen Zuschuss von 35 000 Euro auf 50 000 Euro im Jahr, festgelegt auf zehn Jahre, zu erhöhen. Mehr nicht.

Der Rest des Ausschusses sah das Ganze gelassener. Einig waren sich alle darin, dass die Arbeit der Ehrenamtlichen weiter unterstützt werden und das Bad erhalten bleiben soll. Am Ende gab es zwei Vorschläge, wie das geschehen könne. Entweder, man gewährt dem Bad einen einmaligen Investitionskostenzuschuss, oder man erhöht den bestehenden Zuschuss auf 50 000 Euro jährlich, festgezurrt auf zehn Jahre. Welches Finanzierungsmodell es sein soll, das will der Gemeinderat nach einem vor Ort Termin im Freibad entscheiden. "Wir sollten da mal hingehen und uns die Konzeption erklären lassen", sagt Renate Breuning (CDU). Außerdem soll der Verein eine Investitionsliste zusammenstellen.

In Planung

Auf der Liste wird unter anderem stehen: eine neue Pumpe, eine neue Filteranlage, ein Teil der Duschen und Sanitäranlagen und eine Abflussrinne für das Becken. Von dem Gedanken, auch das in die Jahre gekommene Becken zu erneuern, haben sie sich bereits verabschiedet, nachdem ein Kostenvoranschlag mit zwei Millionen Euro eingeholt wurde.

Den vermeintlichen Ärger der Schwenninger kann Bartsch-Pupanz nicht verstehen. "Wir sind nicht profitorientiert", sagt er. "Wir haben Spaß am Schwimmen und lassen auch andere rein." Nicht zuletzt leiste das Bad auch einen Beitrag für die Jugend und die Gemeinschaft.

14 Jahre haben sie das Bad allein gemanaget. Dass ihnen der Gemeinderat jetzt vorschreiben könnte, welche Instandsetzungen nötig sind und welche nicht, davon ist Bartsch-Pupanz nicht begeistert. "Wir hätten lieber einen schönen hohen Betrag, als immer wieder betteln zu müssen." 55 000 Euro für 15 Jahre zum Beispiel, sagt Bartsch-Pupanz. "Das wären im Monat 2000 Euro. Das ist nicht viel, für eine Stadt wie Villingen-Schwenningen, die damit sicherstellt, dass die Stadt zwei Freibäder hat." Dem Verein gäbe das vor allem Planungssicherheit. Es müssten nicht jedes Jahr erneut Anträge gestellt werden, die dann ein halbes Jahr in der Bearbeitung stecken.

"250 Besucher", sagt Bartsch-Pupanz am Donnerstagmorgen ganz begeistert, "hatten wir allein am Mittwoch". Das Villinger Kneippbad hat seit Sonntag geschlossen, in Tannheim haben sie die Badesaison verlängert. Ursprünglich für eine Woche. "Wir überlegen gerade", sagt Bartsch-Pupanz, "ob wir noch eine Woche länger öffnen sollen".

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels stand, dass die Grünen den Zuschuss von 35 000 Euro pro Jahr beibehalten wollen. Das stimmt nicht. Wir bitten das zu entschuldigen.

Diese vier Sportstätten sollen Mittel aus bundesweitem Förderprojekt erhalten

Insgesamt fünf Projekte hat die Stadt ausgewählt, die für eine Förderung aus dem Bundesprogramm "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur", in Frage kämen. Wenn der Gemeinderat die Teilnahme am Förderprogramm genehmigt, dann wäre die Stadt dazu verpflichtet, die Projekte mit dem bei der Stadt verbleibenden Eigenanteil auch umzusetzen. Das Tannheimer Freibad hat seinen Antrag für die Förderung nun zurückgezogen, da die finanzielle Belastung, die trotz Förderung bei der Stadt bleiben würde, zu hoch wäre und dem ursprünglichen Ansatz der Bäder VS, das Bad aufzugeben, wiedersprechen würde. Übrig bleiben folgende vier Projekte.

  • ebm-Papst-Stadion: Für den Einbau von sechs neuen Umkleidekabinen, inklusive Duschen und Branschutzmaßnahmen, sowie die Sanierung der Stehstufen im Stadion fallen Kosten in Höhe von 2,2 Millionen Euro an. Förderfähig wären davon 990 000 Euro.
  • Kunsteisbahn: Dort stehen die Sanierung der Kunsteisbahn in der Halle 2, sowie die Sanierung der Culinghalle inklusive Erweiterungsbau an. Von 5,1 Millionen Euro Gesamtkosten, wären 2,3 Millionen Euro förderfähig.
  • Gustav-Strohm-/Hilbenstadion: Auf der Trainingsfläche des BSV Schwenningen, des FK Bratstvo sowie des NK Zagreb soll vor allem für die Tribüne eine neue Lösung gefunden werden. Von 5,1 Millionen Euro Gesamtkosten wären 2,3 Millionen Euro förderfähig.
  • Hoptbühl-Sportplatz: Die Sportanlage am Gymnasium am Hoptbühl soll neu konzipiert werden. Für das Gelände wären verschiedene Möglichkeiten denkbar: die komplette Sanierung, der Umbau in eine kleinere Leichtathletikanlage oder die Kombination mit der Sporthalle zu einer Mehrzweckanlage. Von den Gesamtkosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro, wären 675 000 Euro förderfähig.