VS-Schwenningen – In dieser Woche waren Temperaturen über 30 Grad nicht selten. Freibäder, Seen und andere erfrischende Orte waren gefragt. Eislaufen in Schwenningen kam da sicher nur den wenigsten Menschen in den Sinn. Diese Wintersportart gab und gibt es im Sommer in der Doppelstadt schlichtweg nicht – noch nicht. Denn während viele VS-Bürger schwitzen, laufen in der Schwenninger Eishalle die Bauarbeiten auf Hochtouren.

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Rund 30 Handwerker und Bauarbeiter wuseln täglich auf der Großbaustelle, um den kleinen Bruder der Helios Arena fit für einen ganzjährigen Eislaufbetrieb zu machen. Wie weit die Arbeiten sind, was noch fehlt, und wie es nach Fertigstellung weiter geht, das hat uns Kunsteisbahn-Geschäftsführer Klaus Hässler bei einem Baustellen-Rundgang verraten.

Bild: Fröhlich, Jens

Rückblick: Der Umbau in der Eishalle zwei erfolgt in zwei Bauabschnitten. Das Projekt wurde ursprünglich mit 4,2 Millionen Euro kalkuliert. Mehrkosten für den Brandschutz verteuerten den Umbau später noch einmal auf 4,9 Millionen Euro. Im Sommer 2018 wurde bereits das Kühlsystem erneuert.

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Nach der Eissaison startete am 15. April diesen Jahres der zweite Bauabschnitt. „Wir haben zuerst die neuen Kühlleitungen wieder ausgebaut“, erklärt Hässler, „jedoch nur vorübergehend, damit diese durch den Umbau nicht beschädigt werden.“ Unter Planen wird die Anlage so lange nebenan in der Curling-Halle gelagert.

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Zeitplan und Kosten: Obwohl der Zeitplan straff gestrickt ist, hält Hässler an dem geplanten Termin für die Fertigstellung fest. „Am 30. September“, ist der Geschäftsführer zuversichtlich. Auch Mehrkosten sollen bis dahin keine mehr entstehen. Das könne man zwar nie ganz vorhersehen, doch er habe keine Lust, erneut eine Nachforderung vor dem Gemeinderat zu begründen.

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Eislaufen teuer: „Das wird ein echtes Schmuckstück“, so der 71-Jährige. Doch die Kosten für den Umbau und den dann erweiterten laufenden Betrieb müssen sich auch finanzieren. Daher werden die Eintrittspreise für das freie Eislaufen steigen. „Von vier auf fünf Euro“, kündigt er an. Die Eislaufsaison soll Ende Oktober starten.

Neue Nutzungsmöglichkeiten: Durch den Umbau ist in Halle zwei ganzjähriger Eislaufbetrieb möglich. In erster Linie soll davon der Sport profitieren. Sowohl die Jugendmannschaften als auch die Profis der Schwenninger Wild Wings müssen dann nicht immer in die Schweiz reisen, um auf Eis trainieren zu können. Auch die Eiskunstläufer profitieren. Trainingslager, wie zum Beispiel in Oberstdorf, können künftig in Schwenningen stattfinden.

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Ziel sei es, nach Mannheim, zu einem zweiten Trainingsstützpunkt zu werden. Hässler verspricht sich durch den geplanten Hotelneubau in unmittelbarer Nachbarschaft einen gegenseitigen Nutzen und eine enge Zusammenarbeit. Auch mit anderen namenhaften Hoteladressen in der Region sei er im Gespräch. Durch solche Kooperationen ließe sich der Standort gut als Trainingszentrum vermarkten, um andere Mannschaften und Sportler an den Nackarursprung zu locken. Veranstaltungen, wie in der Arena, soll es hier jedoch nicht geben. Der Hallenboden aus der Arena hat andere Maße und kleinere Veranstaltungen würden sich ohnehin nicht rechnen. Ganzjähriges Eislaufen als Freizeitangebot soll an einzelnen Wochentagen möglich sein. Wie die Öffnungszeiten genau gestaltet werden, stehe aber noch nicht fest.

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Helios Arena: Durch den Umbau in Halle zwei, liegt in diesem Jahr auch der Veranstaltungsbetrieb in der Arena still. Die große Halle wird während der Bauarbeiten als Lagerplatz verwendet. „Und wir sind mit dem Umbau ausgelastet“, so Hässler. Für Großveranstaltungen habe er und seine fünf Mitarbeiter momentan gar keine Zeit. Auch 2020 wird es wohl keine Veranstaltungen in der Arena geben. Wie berichtet, sollen hier der VIP-Bereich neu gestaltet und mehr Sitzplätze geschaffen werden. Erst 2021 taucht die Helios Arena wieder in Programmkalendern auf. Einen ersten bestätigten Termin kann Hässler auch schon nennen: „Bülent Ceylan wird im Februar 2021 zum dritten Mal hier auf der Bühne stehen.“ Weitere Veranstaltungen seien in Planung.

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Bereits erledigt: Das alte Hallendach aus Wellblech wurde abgerissen und mit einer massiven 70 Meter langen und 36 Meter breiten Holzkonstruktion ersetzt. Drei Lüftungsrohre aus Stoff führen Frischluft zu, zwei dicke Metallrohre befördern die Abluft. Die Halle wird künftig klimatisiert, wodurch die Temperatur zwischen 10 bis 14 Grad betragen wird. Neue LED-Strahler sorgen für 700 Lux helles Licht, was für Amateur-Spiele und Eislauf ausreicht.

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Zum Vergleich: In der Helios Arena liegt die Strahlkraft der Scheinwerfer bei 1500 Lux. Fernsehanstalten fordern heute 2000 Lux für Übertragungen. Eine zusätzliche, bewegliche Lichtanlage sorgt mit wechselnden Farben für mehr Stimmung. Sie kann zum Beispiel bei einer Eisdisko zum Einsatz kommen. Auch die Lautsprecher sind neu. Im Dach sorgen automatische Entrauchungsschächte für Sicherheit. Bereits im Rohbau fertiggestellt sind die zwei kleine Tribünen mit jeweils vier Stufen, die in Verlängerung des Eingangbereiches gebaut wurden.

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Die Wände zur Curlingbahn wurden für den Brandschutz geöffnet. Auch das Kufenstüble wird künftig zur Eishalle hin offen sein. Die Fenster zur Stadiongaststätte Eisbär wurden hingegen baulich verschlossen. Grund dafür ist ebenfalls der Brandschutz.

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Offene Punkte: Als nächstes soll die Kühlanlage wieder verlegt und eingebaut werden. Eine neue Bande aus Kunststoff ersetzt die alte Holzkonstruktion. Sie ist nachgiebig und entspricht den aktuellen Vorschriften. Spielerbänke und die Zeitnahme werden ebenfalls wieder eingebaut. Der Eingangsbereich wird offener und weiträumiger gestaltet und der Kassenbereich etwas nach vorne versetzt. An zwei Stellen ist die Halle noch offen. Die Lücken werden jedoch bald verschlossen. Der große Bereich im hinteren Teil soll aus einer Holzkonstruktion und lichtdurchlässigen Elementen aufgebaut werden.

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Neue Eismaschine: Eine weitere Neuerung wird es in technischer Hinsicht geben. Ab der neuen Saison wird eine elektrisch betriebene Eismaschine für eine glatte Eisoberfläche sorgen. Die wurde zusammen mit Sponsoren finanziert und ist eigentlich nicht Teil des aktuellen Sanierungsprojektes.

Klaus Hässler: Obwohl er momentan viel um die Ohren hat, denkt Klaus Hässler noch nicht ans Aufhören. „Das ist mein Hobby“, sagt er mit einem Schmunzeln. Seinen Vertrag bis Ende 2020 will er auf jeden Fall erfüllen. Seit 2009 lenkt er die Geschicke der Kunsteisbahn. Ob er seine Option auf ein weiteres Jahr als Geschäftsführer in Anspruch nimmt sei jedoch noch nicht entschieden. Auf keinen Fall möchte er aber seinem Nachfolger ein Flickenteppich und offene Baustellen hinterlassen.

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