Im Fernsehen sieht es so einfach aus: Kaum hat der Hund eine Spur aufgenommen, gibt es kein Entkommen mehr. Der Vierbeiner findet mit wildem Schnüffeln sein Ziel. Doch bis ein Hund so zielsicher einen Mensch finden kann, benötigt er viel Training und eine Abschlussprüfung. Zumindest bei der Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes in Villingen. Etwa zwei Jahre dauert es, bis ein Hund die Abschlussprüfung machen kann, erklärt Staffelleiterin Carmen Konrad während des Trainings auf dem ehemaligen Kasernengelände Mangin in Villingen. Trainiert wird mit dem klassischen Versteckspiel: Der Hundeführer versteckt sich, der Hund muss suchen. Bei meinem Besuch bei der Rettungshundestaffel habe ich eine Hündin zum Versteckspiel herausgefordert. Meine Kontrahentin: Crazy. Sie zählt zu den erfahrenen Vierbeinern der Staffel und steht bereits vor ihrer dritten Prüfung zum Rettungshund.

Crazy ist eine erfahrene Rettungshündin: Sie steht bereits vor ihrer dritten Prüfung.
Crazy ist eine erfahrene Rettungshündin: Sie steht bereits vor ihrer dritten Prüfung. | Bild: Kipar, Sandro

Gemeinsam mit Ausbildungsleiterin Ines Laufer suche ich ein passendes Versteck auf dem Mangin-Gelände. Die erfahrene Hundetrainerin gibt außerdem Anweisungen: Einen braunen Beutel soll ich bei mir behalten und vor dem Hund verstecken. Wenn Crazy den Beutel bekommt, bedeutet das für sie, dass die Arbeit erledigt ist. Um der Hündin zu zeigen, dass ich in einer Notlage bin, soll ich mich außerdem hinsetzen oder hinlegen. Ein passendes Versteck wurde auch schnell gefunden: ein Treppenaufgang. Hier werde ich nicht sofort gesehen und zwischen mir und der Startposition der Hündin liegt ein großes Gebäude.

Gemeinsam mit Ausbildungsleiterin Ines Laufer suche ich ein Versteck auf dem Mangin-Gelände. Dieser Treppenaufgang könnte passen.
Gemeinsam mit Ausbildungsleiterin Ines Laufer suche ich ein Versteck auf dem Mangin-Gelände. Dieser Treppenaufgang könnte passen. | Bild: Kipar, Sandro

Mit dem braunen Beutel unter meinem Pulli lege ich mich auf die oberste Stufe der Treppe und warte. Etwa eine Minute dauert es, bis ich das Glöckchen höre, das an der Hundeweste befestigt ist. Ein paar Sekunden später taucht Crazy am Fuß der Treppe auf. Als die Hündin mich sieht, springt sie sofort freudig auf mich zu, läuft um mich herum und beschnuppert mich. Crazy hat zudem schnell bemerkt, wo ich den Beutel versteckt habe und beginnt damit, ihre Hundeschnauze unter meinen Pulli zu stecken. Ich kapituliere vor der Hündin und gebe den Beutel frei. Begeistert schnappt sie sich ihre Belohnung und läuft damit zu ihrer Hundeführerin zurück.

Video: Kipar, Sandro

"Eigentlich hätte sie bellen müssen", erklärt Ines Laufer. Als Rettungshund ist es die Aufgabe von Crazy, mit lautem Bellen auf sich aufmerksam zu machen, bis ein Hundeführer zu ihr kommt. "Wahrscheinlich hat sie den Beutel zu früh bekommen", meint die Ausbilderin und setzt sich selbst mit dem Beutel in der Hand auf die Treppe. Bei ihr klappt es besser: Sobald die Hündin bemerkt hat, was los ist, beginnt sie laut zu bellen. Auch wenn es nicht ganz reibungslos verlief, bleibt festzuhalten: Crazy muss ich mich beim Versteckspiel wohl geschlagen geben.

Ausbildungsleiterin Ines Laufer versteckt einen kleinen Beutel vor Hündin Crazy. Gibt sie den Beutel frei weiß der Vierbeiner, dass der Job erledigt ist.
Ausbildungsleiterin Ines Laufer versteckt einen kleinen Beutel vor Hündin Crazy. Gibt sie den Beutel frei weiß der Vierbeiner, dass der Job erledigt ist. | Bild: Kipar, Sandro