Mit einem unterhaltsamen und humorvollen Programm wurde gestern Oberbürgermeister Rupert Kubon von zahlreichen Bürgern, Ehrengästen und Weggefährten nach 16 Jahren aus seinem Amt verabschiedet. Am Ende wurde es bei Kubons Abschiedsrede auch nachdenklich und emotional, als sich die gut 500 Besucher von den Sitzen erhoben und Kubon für seinen Einsatz minutenlang mit stehendem Beifall dankten.

Auch Humor kam nicht zu kurz: Kubon mit seiner Frau Petra Brenneisen-Kubon und Tochter Hannah amüsieren sich prächtig.
Auch Humor kam nicht zu kurz: Kubon mit seiner Frau Petra Brenneisen-Kubon und Tochter Hannah amüsieren sich prächtig. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Die Begleitumstände dieser Verabschiedung waren besondere. Es war die erste Veranstaltung, die in der neuen Stadthalle von Schwenningen, der Neckarhalle, über die Bühne ging. So hatte sich dies Kubon gewünscht. Doch tags zuvor, als er die Halle besichtigte, konnte er selbst nicht glauben, dass diese Baustelle anderntags Veranstaltungsort für mehrere hundert Bürger sein könnte. Doch alle Beteiligten haben hier offenbar auf den letzten Drücker ein kleines Wunder vollbracht.

Eine weitere Besonderheit: Im Saal befanden sich zahlreiche geladene Ehrengäste, darunter auch der ehemalige Ministerpräsident und Ehrenbürger von Villingen-Schwenningen, Erwin Teufel. Doch sie alle waren als Redner im herkömmlichen Sinne nicht gefragt. Kubon wollte keine Grußworte und keine langatmigen Würdigungsreden, sondern einen uneitlen, unterhaltsamen Abschied, so wie es seinem Wesen entspricht.

Erwin Teufel, Ministerpräsident a.D. und Ehrenbürger von Villingen-Schwenningen mit seiner Frau Edeltraud und Kubon-Nachfolger Jürgen Roth.
Erwin Teufel, Ministerpräsident a.D. und Ehrenbürger von Villingen-Schwenningen mit seiner Frau Edeltraud und Kubon-Nachfolger Jürgen Roth. | Bild: Hans-Juergen Goetz

So oblag es Baubürgermeister Detlev Bührer und Co-Moderator Henry Greif aus Villingen, dem Publikum in drei lockeren Talk-Runden mit geladenen Gästen dem Publikum den Menschen und Politiker Kubon und sein Wirken näher zu bringen. Dank pfiffiger Fragen und bereder Gäste wurde diese Form von Rückschau höchst kurzweilig und unterhaltsam. So gestand Sabine Silbersdorf, die Kubon 13 Jahre lang als Sekretärin und Büroleiterin diente, unter dem Gelächter der Zuhörer, dass die Kleiderkombinationen ihres Chefs "anfangs sehr gewöhnungsbedürftig waren". Ändern vermochte sie nicht viel. Er sei halt "ein Dickkopf", konstatierte sie.

Plaudern aus dem Nähkästchen über Kubon: Vor allem die Ausführungen von OB-Sekretärin Sabine Silbersdorf (mitte) amüsieren das Publikum und die anderen Talk-Gäste, links Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, rechts Landrat Sven Hinterseh.
Plaudern aus dem Nähkästchen über Kubon: Vor allem die Ausführungen von OB-Sekretärin Sabine Silbersdorf (mitte) amüsieren das Publikum und die anderen Talk-Gäste, links Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, rechts Landrat Sven Hinterseh. | Bild: Hans-Juergen Goetz

"Er hatte immer seinen eigenen Kopf", bestätigte auch Bärbel Schäfer vom Regierungspräsidium. Sie hatte Kubon auf schmerzhafte Weise kennengelernt. Bei einer Baustellenbesichtigung des neuen Klinikums war Kubon vor ihr auf ein loses Brett getreten, das nach oben schnellte, die Regierungspräsidentin traf und zu Boden streckte. "Kubon wollte mich gleich am Anfang stürzen", lautete die genüssliche Pointe der Behördenchefin. Von diesem Fauxpas abgesehen zollte Schäfer Kubon höchsten Respekt. "Er hat unglaublich viel Energie reingebracht." Die Stadt habe sich super gut entwickelt". Kubons Versuch, die Stadt zusammenzuführen, "verdient sehr viel Respekt".

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Erwin Teufel räumte ein, dass er anfangs nicht gedachte habe, dass Kubon sich so schnell in dieses schwierige Amt wird einfinden können. Im Laufe der Jahre, so betonte der ehemalige Landesvater und Christdemokrat, sei aber zwischen ihm und dem Sozialdemokraten Kubon aber "ein echtes Vertrauensverhältnis gewachsen". Interessant war, was Sparkassendirektor Arendt Gruben zu berichten wusste. Er habe Kubon auch als verletzlichen Menschen erlebt, kein abgebrühter Politiker, sondern einer, dem die eine oder andere Auseinandersetzung auch menschlich nahe gegangen seien. Auch andere Weggefährten aus Politik, Wissenschaft, Vereinen oder Kirche äußerten ihre Wertschätzung für Kubon. Landrat Sven Hinterseh etwa sprach von echter "Kameradschaft" mit Kubon.

Alex Brüderle und Anselm Säger (von links) sorgen in ihrer Paraderolle als "Hannes und der Bürgermeister" für den humoristischen Teil des Abends bei der Verabschiedung von OB Kubon.
Alex Brüderle und Anselm Säger (von links) sorgen in ihrer Paraderolle als "Hannes und der Bürgermeister" für den humoristischen Teil des Abends bei der Verabschiedung von OB Kubon. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Den humoristischen Höhepunkt des Abends setzten die Chefs der Historischen Narrozunft Villingen, Anselm Säger und Alex Brüderle. Sie lieferten als Hannes und der Oberbürgermeister einen witzigen Sketch rund um Kubons Abgang von der Macht. Und freuten sich dabei diebisch, dass zwei Villinger Zünftler noch vor der Schwenninger Narrenzunft auf der neuen Hallenbühne stehen durften. Auch andere brillierten auf der Bühne: Mehrere Ensembles der Musikakademie zeigten, welch hochkarätiges musikalisches Potenzial in der Stadt vorhanden ist.

Alte Weggefährten: Landrat a. D. Karl Heim begrüßt Kubon.
Alte Weggefährten: Landrat a. D. Karl Heim begrüßt Kubon. | Bild: Hans-Juergen Goetz

Bei seiner Abschiedsrede betonte Kubon, seine Entscheidung aufzuhören sei vor allem eine Entscheidung "für etwas Neues, für einen neuen Zeitabschnitt". Er habe diese Arbeit sehr gerne gemacht und sei ihrer "keineswegs überdrüssig". Sein Anspruch sei es gewesen, "gute Politik zu machen". Drei Punkte seien für ihn wesentlich gewesen: "Gute Politik hat demütig zu sein". Er habe versucht, sich stets als Verwalter, aber nie als Besitzer "der mir übertragenen Macht und Mittel" zu betrachten. Zweite Prämisse: "Es geht immer um die Gerechtigkeit gegenüber jedem." Politik werde unglaubwürdig, wenn sie zum Geschäft, zur Vetternwirtschaft werde. Es gehe um fairen Ausgleich der Interessen. Und drittens: "Politik muss entscheiden". Schlechte Entscheidungen seien besser als Nichtentscheidungen. Daher rief er den Gemeinderat und, ohne Namen zu nennen, seinen Nachfolger Jürgen Roth dazu auf, auch die Entwicklung des Mangin-Areals in Villingen als Chance zu begreifen und im kommenden Jahr endgültig zu entscheiden. Diese Entscheidung "kann Ihnen kein Gutachten, keine Bürgerbefragen" abnehmen, mahnte Kubon.

Anschließend setzte er zur umfassenden Danksagung an alle Wegbegleiter an. Beim Dank an seine Familie aber versagte ihm in der Emotionalität des Moments die Stimme und die Tränen übermannten Kubon. Größe zeigte er, als er sich bei seinen politischen Gegnern, namentlich CDU-Sprecherin Renate Breuning, herzlich bedankte. Nur durch diese Kritik habe er auch seine Positionen weiterentwickeln können. "Das war und ist für die gute Entwicklung eines Gemeinwesens außerordentlich wichtig, es ist letztlich die Grundlage für erfolgreiche demokratische Systeme. Wir sollten daran noch viel häufiger erinnern."

Als Abschiedsgeschenk bekam Kubon ein Elektrofahrrad geschenkt. Der Abend endete mit vielen Gespräche und einem Buffet im Foyer der neuen Neckarhalle.