Es war eine ganz besondere Ehrung, die gestern Abend Günter Rath zuteil wurde. Oberbürgermeister Rupert Kubon verlieh dem langjährigen Vorsitzenden des Geschichts- und Heimatvereins Villingen die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg für langjährige Verdienste im Ehrenamt. Besonders geadelt wurde das Engagement von Rath durch die Anwesenheit seines ehemaligen obersten Dienstherrn. Denn kein geringerer als Erwin Teufel, der ehemalige Ministerpräsident des Landes, richtete ein sehr persönliches Grußwort an seinen ehemaligen Mitarbeiter.

Wie berichtet, hatte Günter Rath vor gut einem Jahr seinen Posten als Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins aufgegeben. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn dazu. Der Geschichts- und Heimatverein hat dem studierten Gymnasiallehrer viel zu verdanken und ihn mittlerweile zum Ehrenvorsitzenden ernannt. In den Jahren seiner Vorstandstätigkeit – 1991 wurde er zum zweiten Vorsitzenden, bereits 1992 zum ersten Vorsitzenden gewählt – ist der Verein dank Raths Geschick, Begeisterung und Können von 200 auf über 600 Mitglieder angewachsen und zählt zu einem der aktivsten Heimatvereine im Lande.

Die Mitglieder des Vereins erwiesen ihrem langjährigen Vormann gestern in großer Verbundenheit ihre Reverenz. Der festliche Saal im Hotel Diegner war mit über hundert Gästen bei der Hauptversammlung gesteckt voll. In seiner Lobrede auf Rath äußerte Oberbürgermeister Kubon seine Freude, „als Historiker einen anderen Historiker“ ehren zu dürfen. Günter Rath habe sich in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit nicht nur dadurch ausgezeichnet, dass er sich dafür engagierte, Dinge zu bewahren und in Erinnerung zu halten. Der gebürtige Münchner habe den Geschichts- und Heimatverein auch für viele Zugezogene geöffnet und zur Heimat werden lassen. Rath sei nicht nur ein Bewahrer gewesen, sondern offen für Veränderungen und den „Wandel der Zeit“. Damit sei es ihm gelungen, den Verein lebendig zu halten. Im Namen vom Ministerpräsident Winfried Kretschmann verlieh er Günter Rath die Ehrennadel des Landes.

Ein besonderes Lob hatte Erwin Teufel für die Vereinstätigkeit seines langjährigen Mitarbeiters parat, den er 1991 ins Staatsministerium nach Stuttgart geholt hatte. „Ich habe keinen aktiveren Heimatverein im Lande kennen gelernt als den Villinger“, sagte Teufel mit Verweis auf die vielen Veranstaltungen im Jahreszyklus des Vereins. Teufel äußerte seine besondere Wertschätzung für Günter Rath, dessen Kreativität er in den Stuttgarter Ministerien sowie als Chef der Lehrerakademie Donaueschingen erleben durfte. In der Stuttgarter Zeit sei Günter Rath zehn Jahre lang täglich von Villingen mit dem Zug in die Landeshauptstadt gependelt. „Villingen ist deine Heimat geblieben“, konstatierte Teufel. Allerdings musste er zu seiner Überraschung zur Kenntnis nehmen, dass Rath ein gebürtiger Münchner ist. „Ich habe ihn immer für einen waschechten Villinger gehalten“, schmunzelte der ehemalige Landesvater, der im Weiteren die Unverzichtbarkeit des Ehrenamtes für den Zusammenhalt der Gesellschaft unterstrich.

Für den Geehrten selbst war es ein Abend, um seinen Weggefährten Dank zu sagen. Einen Herzenswunsch richtete er an die Adresse der Stadt: „Ich wünsche mir, dass sich die Stadtverwaltung ihrer Verantwortung gegenüber der historischen Stadt bewusst ist.“ Ein Schlusswort wie ein Vermächtnis an seine Nachfolger.

 

Zur Person

Günter Rath wurde am 27. November 1948 in München geboren. Fünf Jahre später zog es seine Familie nach Villingen. Nach dem Abitur im Jahr 1968 am Gymnasium am Romäusring studierte Rath in Freiburg Englisch, Geschichte und Politik auf Lehramt. Von 1974 bis 1991 arbeitete er als Lehrer am Wirtschaftsgymnasium in Villingen. Als Mitglied im CDU-Kreisvorstand und Pressewart lernte Rath den damaligen Wahlkreisabgeordneten Erwin Teufel kennen. Als Teufel 1991 zum Ministerpräsidenten von Baden Württemberg gewählt wurde, holte er Günter Rath ins Staatsministerium, wo er acht Jahre eng an Teufels Seite in der Grundsatzabteilung tätig war. Es folgten zwei Jahre im Kultusministerium. Anschließend stand Rath bis 2008 an der Spitze der Lehrerakademie in Donaueschingen. Bis zur seiner Pensionierung 2013 war er in der Schulverwaltung des Regierungspräsidiums Freiburg tätig. Von 1992 bis 2015 engagierte sich Rath ehrenamtlich als Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins.