Wegen zweifacher Vergewaltigung seiner Ehefrau und mehrfacher Körperverletzung hat das Amtsgericht Villingen vor einem Jahr einen 35-jährigen Mann aus VS-Schwenningen zu drei Jahren Haft verurteilt. Dieses Urteil ist nicht rechtskräftig geworden, weil sowohl der Mann aus Sri Lanka als auch die Staatsanwaltschaft Berufung am Landgericht Konstanz eingelegt haben. Als die Berufungsverhandlung nun endlich durchgeführt werden sollte, erklärte die Vorsitzende Richterin ihre Kammer für nicht zuständig.

Für das Amtsgericht steht die Schuld des Mannes fest

Für das Schöffengericht am Amtsgericht galt als erwiesen, dass der Mann seine damalige Ehefrau im Jahr 2017 nicht nur mehrmals geschlagen, sondern auch zwei Mal vergewaltigt hat. Dazu fesselte er die 29-Jährige an den Händen, in einem Fall band er auch noch eines ihrer Beine am Bett fest. Dann machte er Fotos von ihr und drohte, diese ins Internet zu stellen.

Vor dem Amtsgericht hatte die 29-Jährige die Gewalttaten glaubhaft geschildert. Sie gab an, es habe immer wieder Streit in der Ehe gegeben, weil sie dem Kinderwunsch ihres Ehemanns nicht entsprechen wollte. Sie habe sich erst einmal in Deutschland einleben wollen.

Jetzt legte die Vorsitzende Richterin der Berufungskammer dem 35-Jährigen nahe, seine Berufung zurückzunehmen. Mit drei Jahren Haft sei er für die schwerwiegenden Gewalttaten beim Amtsgericht noch richtig gut weggekommen, meinte sie. Ihm drohe nun aufgrund Berufung der Staatsanwaltschaft eine deutlich höhere Strafe. Diese könnte auch vier Jahre überschreiten. Dafür reiche die Strafgewalt einer Kleinen Strafkammer aber nicht aus. Das Verfahren müsse, sollte er auf dem Rechtsmittel bestehen, an eine Große Strafkammer verwiesen werden.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft bot schließlich an, seine Berufung zurückzunehmen, wenn auch der Angeklagte dies tun würde. Dazu war der 35-Jährige aber auch nach einer Unterredung mit seinem Verteidiger nicht bereit. Das Verfahren soll nun an eine Große Strafkammer verwiesen werden. Damit wäre es wieder dort gelandet, wo es ursprünglich verhandelt werden sollte.

Das Landgericht hatte die Sache damals wegen Überlastung an das Amtsgericht verwiesen. Die Situation am Landgericht hat sich mittlerweile aber nicht wesentlich verbessert. Eine Große Strafkammer ist seit fast einem Jahr durch den „Mafia-Prozess“ blockiert, in dem noch kein Ende abzusehen ist. Das Verweisungskarussell wird sich weiter drehen. Und die gequälte Frau wird mit ihrem Ehe-Alptraum noch lange nicht abschließen können.