Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet hat die Stadt am Dienstag bei der Polizei gegen Unbekannt. Der Sachschaden ist bei dieser Straftat eher gering, bedenklich stimmt eher der Verdacht, dass es sich um eine Farbattacke gegen das Gedenken an den Villinger Juden Josep Haberer handelt.

Eine Ruhebank aus Holz, am Premium-Wanderweg von der Tannenhöhe Richtung Gasthaus "Forelle" in Höhe des Kirnacher Bahnhöfles gelegen, trägt hier in einer Inschrift den Namen und die Lebensdaten (1929-2013) von Haberer, der als Bub Villingen aufgrund der Judenverfolgung der Nationalsozialisten verlassen musste. In Amerika machte Haberer Karriere als Politik-Professor.

Beim letzten Besuch seines Geburtsorts im Jahre 2009, seinerzeit auf Einladung der Stadt, nahm er die Gelegenheit wahr, vor Schülern zu sprechen und sie zu ermutigen, sich gegen Intoleranz, Antisemitismus und Rassismus und für Toleranz, Demokratie und die Rechte von Minderheiten starkzumachen. Dem Humanisten Professor Joseph Haberer zu Ehren hat die Stadt im Jahre 2010 ihren Geschichtspreis nach ihm benannt.

Die Ruhebank Waldrand mit der Gravur hatte ein Freund Haberers aus Villingen nach dessen Tod im Jahr 2013 gestiftet. Wer an der Bank vorbeigeht, so schrieb der anonymen Spender, sei zum Verweilen und zum Nachdenken über die Schicksale all jener jüdischen Villinger Bürger eingeladen, denen 70 Jahre nach Kriegsende eine gebührende Form der Erinnerung, sei es durch Gedenksteine oder ein Mahnmal, immer noch verwehrt geblieben ist.

Ausgerechnet die Inschrift zum Andenken an Joseph Haberer, die auch ein David-Stern ziert, wurde jetzt mit roter Farbe übersprüht. Dummer Jungenstreich oder doch Ausdruck antisemitischer Gesinnung? Letzteres scheint angesichts des gezielten Farbeinsatzes eher wahrscheinlich. Passanten haben reagiert und die Farbe auf dem Schild offenbar mit einer Bürste entfernt. Die Stadt überlegt nun, ob sie das Schild reinigen oder ersetzen wird.