Das Schöffengericht am Amtsgericht in Villingen-Schwenningen verurteilte gestern einen 34-jährigen Mann zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren ohne Bewährung. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der seit vielen Jahren in Schwenningen lebende Ehemann seine aus Sri Lanka stammende Ehefrau mehrfach geschlagen, gefesselt und zwei mal vergewaltigt habe. Außerdem habe er an der 29-jährigen Frau üble Rufschädigung begangen, indem er eine ganze Reihe von Nacktbildern von seiner Frau ins Internet gestellt hatte.

Zusätzlich habe der Angeklagte die Anklageschrift in hoher Anzahl kopiert und unter Freunden und Verwandten verteilt. Dies sei besonders verwerflich, ließ Richter Bäumler in seiner Urteilsbegründung durchblicken, da es in der Kultur der Tamilen einer besonderen Demütigung der Frau gleichkäme. Die Staatsanwalt hatte drei Jahre und vier Monate Haft beantragt.

Zugetragen hatten sich die zwei angezeigten Vergewaltigungen und die Körperverletzungen durch Schläge und Fesselung 2016 und 2017, woraufhin die Frau die Scheidung von ihrem Mann beantragt hatte. In der Beweisaufnahme, die der Angeklagte meist eher heiter verfolgte, hatte dieser zwar die Schläge und die Fesselungen eingeräumt, aber jede Art von Geschlechtsverkehr ausgeschlossen. Dies wollte ihm Richter Bäumler nicht abnehmen, da der Angeklagte zuvor ausgesagt hatte, dass er unbedingt ein Kind von seiner Frau haben wollte.

Ausschlaggebend für eine Verurteilung war, dass die auch als Nebenklägerin auftretende Geschädigte die beiden Vergewaltigungen sehr detailgenau schildern konnte. Es sei nicht einfach für die Frau, zeigte Richter Bäumler Verständnis für die Emotionen der Geschädigten, aber wegen der Beweisaufnahme und des möglichen Strafmaßes müsse er so genau nachfragen. Zusätzlich wurde der Angeklagte von einer Kriminal-Oberkommissarin belastet, bei der er nach deren Erinnerung bei einer zeitnahen Vernehmung die Taten bedingt eingeräumt hatte.

Belastend für den Angeklagten war auch der weitere Umgang mit Nacktbildern seiner Frau, die er im Zustand der Fesselung gemacht hatte. Einen großen Teil der Bilder hatte er im Internet veröffentlicht und auf seiner Facebookseite verlinkt. Die vom Angeklagten geschiedene Frau räumte ein, dass die Ehe in den ersten Jahren sehr glücklich gewesen sei. Sie wollte dem Kinderwunsch ihres Mannes aber nicht entsprechen, weil sie zuerst in Deutschland Fuß fassen wollte, die Sprache erlernen und den Führerschein machen wollte. Außerdem habe sie sich Sorgen wegen der offensichtlichen Spielleidenschaft ihres Mannes gemacht.

In der Urteilsbegründung sagte Richter Bäumler, dass in Deutschland zwar eine Vergewaltigung in der Ehe etwas milder beurteilt werde, er aber angesichts der Fesselung und der Gewaltanwendung nur knapp unter der Forderung des Staatsanwalts geblieben sei. Den beantragten Haftbefehl wegen bestehender Fluchtgefahr wollte er dann aber doch nicht ausstellen. Der Prozess hätte eigentlich vor dem Landgericht in Konstanz stattfinden sollen, wurde wegen der Überlastung des Konstanzer Gerichts – dort steht aktuell ein großer Mafia Prozess an – nach Villingen verwiesen.