Villingen-Schwenningen – Die Frau, die mit ihrem Auto durch die Parkhauswand am Klinikum fuhr und sieben Meter in die Tiefe stürzte, war eine Fahranfängerin. Das haben Recherchen des SÜDKURIER ergeben. Laut Polizeisprecher Michael Aschenbrenner soll sie am Sonntag, 15. April, das Gas- und Bremspedal beim Einparken verwechselt und deshalb die Betonwand durchbrochen haben. Allerdings hat der Parkhaus-Betreiber daran erhebliche Zweifel.

Die 38-Jährige wohnt im südlichen Kreisgebiet und war mit ihrem Ehemann und Hund „Chanel“ unterwegs. Der kleine, schwarze Hund erlitt offenbar einen Schock, lief davon und ist immer noch auf freien Pfoten unterwegs. Ein Sachverständiger begutachtete am Dienstag, 17. April, die Unfallstelle und das Parkhaus und kam offenkundig zu neuen Erkenntnissen.

„Mir ist ein riesengroßer Stein vom Herzen gefallen, als ich gehört habe, dass niemand schwerer verletzt wurde“, sagte Frank Rothardt, Geschäftsführer der Park Service Hüfner GmbH, in einem Telefongespräch mit unserer Zeitung. Den ersten Schock habe er überwunden. Jetzt sei es an der Zeit Aufklärung zu leisten.

  • Gutachter stellen keine Mängel fest

2013 hat das Parkhaus-Unternehmen, parallel zum neuen Klinikum, die Parkhaustore geöffnet. „Unsere Immobilie weist nach fünf Jahren keine baulichen Mängel auf. Das dachte ich mir bereits, aber wir wollten auf Nummer sicher gehen“, sagte er. Um sicher gehen zu können war am Dienstag ein Sachverständiger aus Stuttgart vor Ort, der gemeinsam mit zwei Experten der Baufirma Züblin die Unfallstelle und das gesamte Parkhaus unter die Lupe genommen hat. Der Statiker war laut dem Geschäftsführer selbst beim Bau des Parkhauses beteiligt und könne deshalb am besten bewerten, in welchem Zustand das Gebäude heute ist.

  • Augenzeuge berichtet von Unfall

Andreas Mattutis, Leiter einer Praxis für Ergotherapie, kam nach Feierabend an der Unfallstelle vorbei. „Mein Sohn und ich haben nur das Ergebnis gesehen, waren aber in dem Moment total schockiert“, sagte er im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Das Auto lag auf dem Dach. Die Airbags waren ausgelöst. Die Polizei war vor Ort. Die Autofahrerin, ihr Ehemann und der Hund waren laut Mattutis nicht mehr vor Ort. „Für mich sah es so aus, als ob der Wagen zuerst frontal auf die Schnauze gefallen ist und danach aufs Dach fiel“, so der Ergotherapeut. Bei der Vorstellung, dass eine Wand in einem Parkhaus so leicht durchbrochen werden kann, werde Andreas Mattutis heute noch Angst und Bange. „Da muss man auf jeden Fall untersuchen, ob da alles mit rechten Dingen zugegangen ist“, sagte er. Mattutis geht davon aus, dass die Familie jemanden im Krankenhaus besuchen wollte, denn „das ist nicht die Ebene, auf der die Mitarbeiter parken.“

Es wirkt fast wie ein kleines Wunder: Das Ehepaar blieb nach dem Sturz aus der sechsten Parkebene des Parkhauses am Klinikum unverletzt. Hund "Chanel" lief schockiert davon und ist immer noch auf freien Pfoten.
Es wirkt fast wie ein kleines Wunder: Das Ehepaar blieb nach dem Sturz aus der sechsten Parkebene des Parkhauses am Klinikum unverletzt. Hund "Chanel" lief schockiert davon und ist immer noch auf freien Pfoten.
  • Brüstung auf fünf Tonnen ausgelegt

„Die Frau muss mit unfassbarer Geschwindigkeit auf die Absperrung zugerast sein“, sagte Parkhaus-Chef Frank Rothardt aus Stuttgart. Die Brüstung sei auf eine Belastung über fünf Tonnen ausgelegt. „Da muss man mit sehr viel Wucht drauffahren, um diesen Schaden anzurichten“, sagte er am Dienstag. Mit welcher exakten Geschwindigkeit die 38-Jährige auf die Betonmauer zufuhr, ist bislang aber nicht geklärt. Laut Rothardt gibt es auf der Parkebene sechs eine Überwachungskamera, die den Vorgang aufgezeichnet hat. Er und die Gutachter hätten sich die Aufzeichnungen genau angeschaut. Auf dem Video ist laut Rothardt klar erkennbar, dass der Wagen sehr schnell unterwegs war und plötzlich nach rechts eingelenkt wurde. Danach sei das Fahrzeug durch die rund zehn Zentimeter dicke Brüstung gefahren und abgestürzt. „Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das etwas mit Gas und Bremse verwechseln zu tun hat“, sagt der Parkhaus Geschäftsführer nach einem Gespräch mit den Experten. Eine solche Annahme sei „sehr unrealistisch“, kommentiert er die Einordnung des Vorgangs durch die Polizei.

  • Hund immer noch verschwunden

Der ausgebüxte Hund „Chanel“ wurde am Dienstagvormittag, 17. April, in der Nähe des Klinikums gesichtet. Die Polizei rückte sofort aus, um den Hund einzufangen – leider erfolglos. „Wir konnten den Hund nicht festnehmen“, scherzte Polizeisprecher Michael Aschenbrenner.