Wie sollen die Straßen und Quartiere der früheren französischen Kasernen in Villingen künftig heißen? Am heutigen Mittwoch sollte darüber im Gemeinderat (öffentliche Sitzung ab 17 Uhr) bereits endgültig abgestimmt werden. Ob es soweit kommt, wird sich zeigen, denn die CDU-Fraktion möchte die Entscheidung noch einmal von der Tagesordnung absetzen lassen, wofür sie allerdings eine Mehrheit benötigt.

"Wir scheuen nicht die öffentliche Diskussion", betont auf Anfrage die CDU-Sprecherin Renate Breuning. Aber nachdem nun einzelne Fraktionen und Parteien unterschiedliche Namensvorschläge eingereicht haben, könnte die Debatte leicht in eine chaotische Aussprache abrutschen, befürchtet die CDU-Sprecherin. Breuning will das verhindern, plädiert vor allem für eine "würdige" Namens-Debatte, es solle nicht zugehen wie "auf einem Basar". Daher plädiert sie dafür, in einer späteren Sitzung abstimmen zu lassen. Die Fraktionen sollten die Zeit nutzen, um konsens- und mehrheitsfähige Straßen- und Quartiersbezeichnungen zu erarbeiten.

Eine Einigkeit scheint sich in Teilbereichen bereits herauszuschälen. So legen nun auch die Freien Wähler in einem Änderungsantrag, formuliert von Fraktionssprecher Andreas Flöß, ihre Vorschläge vor. Sie plädieren in drei Fällen für die Ideen der Grünen. So sollen Straßen in den Kasernenarealen Mangin und Lyautey nach der Nazi-Verfolgten Lina Springmann, einer der ersten Kommunalpolitikerinnen Lioba Dorner und der früheren Leiterin der Volkshochschule, Christel Pache, benannt werden. Außerdem soll mit der Paula Straub-Straße ein Vorschlag der DLHV aufgegriffen werden. Als eigenen Beitrag nennen sie die Hermann Brunner-Schwer-Straße. Allerdings gibt es bereits die Hermann Schwer-Straße entlang der Brigach. Beim Platznamen plädieren sie für "Lothar Späth" oder "Helmut Schmidt". Bei den Quartiersbezeichnungen möchten die Freien Wähler den Namen "Welvert" beibehalten. Er habe sich eingebürgert und verweise auf die französische Besatzungszeit in Villingen. Außerdem tragen dem auch die in diesem Wohngebiet gängigen Straßennamen wie "de Gaulle", "Pflimlin", "Monet" oder "Pontarlier" Rechnung. Statt Lyautey schlagen sie den alten Flurnamen "Rote Mühle", statt Mangin "Oberer Brühl" vor. Die Richthofenstraße benannt nach dem Roten Baron, dem bekanntesten Jagdflieger des Ersten Weltkriegs, Manfred von Richthofen, solle so bleiben.

Ob sich alle Namen umsetzen lassen, wird bei einer Mehrheit im Gemeinderat die Stadtverwaltung prüfen. So waren vor einigen Jahren, als erstmals der Name Lina Springmann publik wurde, ein Verwandter gegen die Nennung. Im Fall des Falles würde die Stadtverwaltung die Nachkommen ermitteln und befragen, berichtet die Verwaltungssprecherin über das weitere Prozedere. Verweigern die ihr Einverständnis, müsse ein neuer Name vorgeschlagen werden. Wenn keine Nachkommen gefunden werden, überwiege das öffentliche Interesse, also die Nennung. Wenn in anderen Kommunen der Name bereits genutzt werde, entfalle die Suche.

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