Villingen-Schwenningen – Die großen Themen sind in Villingen-Schwenningen nach der OB-Wahl in der Warteschleife. Doch vom neuen Rathauschef werden richtungsweisende Entscheidungen dringend erwartet. Folgende Szenarien gibt es:

  • Zentralisierung der Verwaltung: Die Zusammenfassung der über zehn Außenstellen der Stadtverwaltung war das große Projekt, das im vergangenen Jahr nicht mehr weiter vorangetrieben wurde. Der Geländekauf, vom bisherigen Rathaus-Chef Kubon für April 2018 angekündigt, ist noch immer nicht vollzogen. Das projektierte Gelände Mangin schlummert im Dornröschenschlaf vor sich hin, obwohl Millionenzuschüsse vom Land in zweistelliger Höhe erwartbar sind.

    Der neue Rathauschef will sich in das Vorhaben angeblich einlesen, soll er jüngst vor Stadträten erklärt haben. Diese Stadträte wiederum wittern eher weiteren Stillstand statt Fortschritt und verweisen auf fertiggestellte Berechnungen zu dem Vorhaben, das auch eine Wohnbebauung mit sich brächte. Sogar einen neuen Stadtviertelnamen gibt es schon: Oberer Brühl, der alte Gewann-Name. Jetzt bleibt eigentlich nur die Frage offen, ob der neue Rathaus-Chef Bedenken aus Schwenningen zur Platzierung des Verwaltungskerns in Villingen nachgibt – oder ob eben nicht. Der Grundsatzbeschluss für die Platzierung in Villingen ist längst gefallen, es gibt Stimmen im Gemeinderat die befürchten, das Ansinnen könnte mit einer Kosten-Neubetrachtung möglicherweise gekippt werden.
Das könnte Sie auch interessieren
  • Verwaltungsstruktur: Das Thema korrespondiert ursächlich mit dem Raumbedarf für eine künftige Stadtverwaltung. Der neue OB denkt über eine Neuausrichtung der Stadtverwaltung in der Struktur und in der Spitze nach. Es könnte zu einem weiteren Dezernat kommen, heißt es. Bislang gibt es zwei solcher Dezernate: Das Dezernat eins des Oberbürgermeisters, unter anderem mit den Ämtern Soziales, Kämmerei, Personalwesen, Kultur und Liegenschaften sowie das Dezernat zwei, geleitet von Bürgermeister Detlev Bührer mit den Bauämtern, den Technischen Diensten und auch dem Forst. Rund 600 Beschäftigte der Stadtverwaltung unterstehen dabei allein Amtsleiter Stefan Assfalg für die Bereiche Soziales und Bildung mit den Kindergärten und Schulen.

    Dem neuen OB Roth wird in Verwaltungskreisen nachgesagt, dass Assfalg bei ihm einen Stein im Brett haben soll, unter anderem auch zusammenhängend mit Plänkeleien aus der Zeit direkt nach dem OB-Wahlkampf. Erwartet wird deshalb, dass Roth hier handelt. Klar ist auch, dass allein die große Mitarbeiterzahl ein Dezernat Assfalg nahelegt, zudem soll sich der Amtschef in den vergangenen Monaten viele Lorbeeren verdient haben, weil er trotz schwieriger Rahmenbedingungen mit Schul- und Kita-Leitern überwiegend gut klarkommen soll. Festzustehen scheint, dass Assfalgs künftiger Sitz das Schwenninger Rathaus sein soll, so die interne Verwaltung in Villingen wie eigentlich beabsichtigt zusammengezogen wird.
     
  • Wirtschaftsförderung: Kenner der Rathaus-Strukturen glauben, dass OB Roth die Wirtschaftsförderung viel stärker als früher Rupert Kubon an sich zieht. Roth will Villingen-Schwenningen investorenfreundlich ausrichten, wobei heute schon klar ist, dass mit dem hochtrabenden Wort des Investors auch ein Häuslebauer gemeint ist, dem man versuchen will, etliche Behördengänge zu ersparen. Deshalb sind nach Informationen unserer Redaktion Vorbereitungen am Laufen, die zum Ziel haben, ein Baubürgerbüro zu eröffnen, in dem es alles aus einer Hand geben soll: Beratung, den roten Punkt an direkte Ansprachemöglichkeiten während der Bauphase. Die Idee soll auf einem Vorschlag von Bürgermeister Detlev Bührer basieren und kurz vor der Umsetzung stehen, heißt es weiter aus gut unterrichteten Kreisen.
     
  • Alter Tonhallenplatz: Hier wird es spannend sein zu sehen, ob die Stadt erneut den nächsten Investorenversuchen hinterherläuft oder ob der neue OB vorerst eine seiner während des Wahlkampfes viel diskutierten Ideen umsetzt:

    Nämlich das Areal zu beschottern und als Parkplatz freizugeben, zumindest solange, bis endlich doch einmal noch klar ist, welches Projekt hier wirklich der Villinger Innenstadt als weiterer Frequenzbringer nützen könnte. Seit über 20 Jahren wird jetzt an dem Thema genagt, Ideen und Investoren gab es viele, umgesetzt ist davon nichts. „Glücklicherweise vielleicht“, wie ein Mitglied des Villinger Gemeinderates dazu heute sagt.
     
  • Kindergärten: Bislang sprach die Stadt von 450 fehlenden Plätzen für die Kinder-Betreuung. Zur Amtseinführung des neuen Oberbürgermeisters reduzierte sich diese Zahl ganz offiziell: Von 250 fehlenden Plätzen ist nun die Rede. Vermutet wird, dass 200 Kinder notgedrungen außerhalb des Oberzentrums untergebracht werden konnten.
     
  • Schulen: Viele Bildungsstätten sind in einem erbärmlichen Zustand. Heute 55-Jährige wundern sich, dass es in ihren alten VS-Schulen teils noch genauso aussieht wie zur eigenen Pennälerzeit. Als Beispiel gilt der Hoptbühl-Sportplatz. Er wird aufgrund seines verwahrlosten Zustandes auch 2019 gesperrt bleiben müssen. Die Anlage ist unsanierbar und Gelder sind für 2019 nicht bereitgestellt.
     
  • Knackt Roth Kubons Haushalt auf? Es war ein politisches Ränkespielchen, als Rupert Kubon noch unter treuer Mitwirkung des VS-Gemeinderates im Dezember 2018 den Haushalt der Stadt für 2019 beschließen ließ. Damit ist eigentlich der kommunalpolitische Spielraum vorgegeben. Roth im Amtsjahr eins an der kurzen Leine von Kubon? Wohl kaum. Erwartet wird, dass OB Roth demnächst mit einem Nachtragshaushalt diese Fesseln versuchen wird zu sprengen. Der neue Verwaltungschef soll, so heißt es weiter, beim Thema Straßensanierungen, Kitas und Schulen noch einmal neu die Pflöcke einschlagen wollen.
     
  • Bürgerservice und digitale Stabsstelle: Hier verfolgt Jürgen Roth als neuer Oberbürgermeister weiter die Absicht, den Rathaus-Service viel deutlicher als heute auch digital zu ermöglichen, soweit dies rechtlich zulässig ist. Den Bürgern sollen auf diese Weise Wege und Zeitaufwand erspart werden. Vorgesehen ist nach wie vor, dass Jörg Röber diese Aufgabe übernimmt.

    Viele erwarten allerdings, dass sich der unterlegene OB-Kandidat anderweitig bewerben könnte. Kommt es zu einer forcierten Digitalisierung der Ämter-Bürger-Beziehung, so könnte auch dieses Thema grundlegende Auswirkungen auf den Zuschnitt eines neuen VS-Verwaltungsgebäudes haben, sagen auch Mitarbeiter des Rathauses. Dass Roth eine Digitalisierung des Rathauses betreiben wird, ist keine Frage. Er gilt selbst als digital ambitioniert und verantwortet gemeinsam mit dem Landrat den Ausbau des Glasfasernetzes im Schwarzwald-Baar-Kreis.
     
  • Die schönen Künste: Ein vorerst nur theoretisches Spannungsfeld ist das der VS-Kultur. Klar ist, dass Jürgen Roth ein anderes Kulturverständnis mit sich bringt, als es Rupert Kubon hatte. Und: Jürgen Roth versteht unter Kultur vor allem auch die Vereine und ausgerechnet dort hat sich Kulturamtsleiter Andreas Dobmeier über Jahre die meisten Zweifel eingehandelt. Ob Folkclub oder andere engagierte Kulturschaffende in der Stadt: Der von der Hochkultur geprägte Amtsleiter hat es zwar geschafft, nach fast einem Jahrzehnt von Irrungen und Wirkungen auf dieser VS-Position neue Linien und Strukturen herauszubilden.

    Ob ein Tanzfestival anstatt des aufgegebenen Jazzfestivals VS swingt dabei der Weisheit letzter Schluss ist, stellt eine von vielen Fragen dar, die es weiter zu betrachten gilt. Erste neue Richtungen werden eher volkstümlicher Art sein. Von Roth erwartet wird ein VS-Fest zwischen den beiden großen Stadtbezirken und dies noch vor der 50-Jahr-Feier von Villingen-Schwenningen 2022.