VS-Villingen (us) Wer vor dem großen Gewürzstand von Joachim Kreiner steht, fühlt sich auf die Messe versetzt, die jährlich im Frühjahr und Herbst in der Villinger Innenstadt gastiert. Kein Wunder – Kreiner, der im Stadtbezirk Schwenningen lebt und dort jeden Samstag auf dem Wochenmarkt zu finden ist, besucht viele Messen zwischen Alb und Bodensee. Und da passt sein Marktstand mit dem orientalischen Flair gut hin.

Auf dem Villinger Mittwochsmarkt findet man Kreiner rund 20 Mal im Jahr, schon in der nächsten Woche am 27. Juni ist er wieder mit seinem farbenprächtigen Gefährt vor dem Münster positioniert. Auf die Frage, wie lange er schon in Villingen zu Gast ist, muss Kreiner lange nachdenken. "Vielleicht zehn Jahre, ich weiß es nicht so genau. Aber mein Opa war schon mit seinem Mofa und dem Gewürzanhänger auf der Messe in Villingen, das war in den 1950er-Jahren", gibt er schließlich zur Antwort. Damals sei das Angebot noch sehr überschaubar gewesen. Pfeffer und Paprika, dazu kamen einige Gemüse, die der Großvater an seine Kunden weiter verkaufte. "Mein Vater hat sich dann ganz auf Gewürze spezialisiert, ich leite das Geschäft in der dritten Generation", erzählt Kreiner.

Da taucht eine ältere Dame vor dem Stand auf, sie fragt nach Brasil. Joachim Kreiner schüttelt den Kopf. Hat er aussortiert, diese Gewürzmischung fürs Grillen wurde zu wenig nachgefragt. "Ich muss immer wieder etwas aus dem Sortiment entfernen oder neu hineinnehmen", verdeutlicht er. "Bei über 200 Gewürzen, Mischungen, Tees und Heilkräutern möchte ich auch immer mal was anderes für die Kundschaft haben", erläutert Kreiner.

Dabei hat er tatsächlich so einiges, was man im Supermarkt um die Ecke nicht bekommt. Wie zum Beispiel den indonesischen Langpfeffer, der schärfer ist als der bei uns bekannte. Auffallend ist, dass alle Gewürze in einer einheitlichen Verpackung angeboten werden. "Ich beziehe meine Ware über dieselben Großhändler wie schon mein Vater und da haben wir vor einigen Jahren diese Verpackungen ersonnen", erklärt Kreiner. Wichtig ist ihm, dass alle Gewürze auf Rückstände überprüft werden. "Vieles kommt aus Asien und Südamerika, da sollte man schon genau hinschauen."

Das Gewürze nicht nur wohlschmeckend sind, sondern auch Heilkräfte entfalten können, weiß Kreiner ebenfalls. So wurde der Kubebenpfeffer vor zwei Jahren zur Heilpflanze des Jahres gewählt, Curcuma, Bestandteil von Curry, ist entzündungshemmend und gut bei Arthrose und Galgant. Eine mit dem Ingwer verwandte Wurzel hat schon Hildegard von Bingen verwendet. Und das teuerste Gewürz? Persischer Safran aus dem Südiran. Das halbe Gramm für knapp zehn Euro. Fast Gold wert.