Selber Bier zu brauen, liegt voll im Trend. Nicht nur in hippen Metropolen wird sogenanntes Craft Beer in Wohnzimmern und Kellerräumen gemaischt, geläutert, gekocht, vergärt und abgefüllt. Auch in der Doppelstadt gibt zahlreiche Hobbybrauer, die privat leckere Biere kreieren. Im sozialen Netzwerk Facebook haben wir kürzlich nach Hobbybrauern gesucht. Die Resonanz auf unseren Aufruf war enorm. Zahlreiche Nutzer haben uns angeschrieben, andere haben sich gegenseitig in den Kommentaren erwähnt, oder uns Bekannte und Freunde empfohlen.

Mit zwei Hobbybrauern konnten wir uns schließlich treffen, um das süffige Hobby einmal genauer zu betrachten. Wie sich herausstellte, waren beide Heimbrauer echte Glücksgriffe, denn, sie sind auch von Berufs wegen richtige Bierprofis. Unser Fazit vorneweg: Brauen ist eine Wissenschaft für sich, aber kein Hexenwerk. Mit etwas Übung kann jeder zum Freizeit-Braumeister werden. Wir zeigen, wie es geht und was der Einstieg kostet.

 

  • Lukas Kromer: Er ist 22 Jahre alt, wohnt in Obereschach und stammt ursprünglich aus Tannheim. Kromer ist gelernter Brauer und Mälzer. Seit 2017 ist er in der Hausbrauerei Hader Karle in Weilersbach tätig. Noch bevor er sich für die Ausbildung entschied, hat er ab 2014 mit seiner ersten kleinen Brauanlage zuhause Erfahrungen gesammelt.
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    Kurze Zeit später wurde sein Hobby zum Beruf. Der 22-Jährige wohnt mit seiner Freundin Franziska Wieden zusammen, die ebenfalls eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer anstrebt. Bis zu 150 Liter Bier pro Jahr brauen die beiden in ihrer Freizeit in ihrem Wohnzimmer. Ihren gemeinsamen Hund haben sie nach der beliebten Hopfensorte Simcoe getauft.
    Bild: Jens Froehlich
    Kromer träumt davon, seine Eigenkreationen – vorerst in kleinen Mengen – auch gewerblich zu produzieren und zu verkaufen. Derzeit sucht er nach einem für die Lebensmittelproduktion geeigneten Raum.
Lukas Kromer schüttet das Malz in den vorgeheizten Braukessel.
Lukas Kromer schüttet das Malz in den vorgeheizten Braukessel. | Bild: Fröhlich, Jens
  • Benedikt Wabnig: Der Villinger ist 24 Jahre alt. Anders als bei Kromer wurde bei ihm der Beruf zum Hobby. "Ich habe während meiner Ausbildung begonnen, weil ich neugierig auf andere Bierstile war. Das Sortiment meiner Lehrbrauerei war auf Pils, Märzen, Weizen und alkoholfreie Varianten beschränkt", erinnert er sich. Nach der Ausbildung und einem Berufsjahr begann er in München ein Vollzeitstudium im Bereich Brau- und Getränketechnologie, welches er im Juli abschließt.
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    Danach stehen ihm mehrere Türen offen. Neben Brauereien interessieren sich auch andere Getränkehersteller für die Absolventen. Pharmaunternehmen suchen ebenfalls Personal mit dieser Qualifikation. Zuhause im Elternhaus, mitten in der Stadt, wird in einem Abstellraum alle zwei bis drei Monate zusammen mit einem Kumpel gebraut.
Benedikt Wabnig (24) aus Villingen hat sein Beruf zum Hobby gemacht und ist ein echter Bier-Profi. Nach seiner Ausbildung zum Brauer und Mälzer hat er Brau- und Getränketechnologie studiert. In seiner Heimbrauerei experimentiert er gerne und kreiert eigene Bierspezialitäten. Dafür hat er immer viele Malz-, Hopfen und Hefesorten vorrätig.
Benedikt Wabnig (24) aus Villingen hat sein Beruf zum Hobby gemacht und ist ein echter Bier-Profi. Nach seiner Ausbildung zum Brauer und Mälzer hat er Brau- und Getränketechnologie studiert. In seiner Heimbrauerei experimentiert er gerne und kreiert eigene Bierspezialitäten. Dafür hat er immer viele Malz-, Hopfen und Hefesorten vorrätig. | Bild: Fröhlich, Jens
  • Wasser, Malz, Hopfen und Hefe: Nur diese Zutaten dürfen laut Reinheitsgebot für Bier verwendet werden. Völlig ausreichend, um verschiedenste Geschmacksrichtungen und Bierstile zu kreieren, da sind sich Kromer und Wabnig einig. Hobbybrauer sind zudem nicht zwingend an diese Vorgaben gebunden. In der Craft Beer Szene werden gerne auch Zutaten wie Kürbis, Früchte und Gewürze eingearbeitet. Kromer und Wabnig brauen jedoch am liebsten mit den Grundzutaten. Über die verwendeten Malze, meist Gerste und Weizen, lassen sich zum Beispiel Farbe, Bierstil und Geschmack steuern.
Malz-Auswahl von Benedikt Wabnig. Das Malz hat Einfluss auf die spätere Bierfarbe.
Malz-Auswahl von Benedikt Wabnig. Das Malz hat Einfluss auf die spätere Bierfarbe. | Bild: Fröhlich, Jens
  • Der Hopfen ist für die Bittere und unterschiedliche Geschmacksnoten verantwortlich. Hunderte verschiedene Sorten hat der Markt zu bieten.
Die Hopfenmenge wird genau abgewogen, damit das Bier am Ende den gewünschten Geschmack hat und nicht zu Bitter wird.
Die Hopfenmenge wird genau abgewogen, damit das Bier am Ende den gewünschten Geschmack hat und nicht zu Bitter wird. | Bild: Fröhlich, Jens
  • Die Hefe bringt den Alkohol und weitere Aromen ins Bier. Auch hier ist die Auswahl riesig. "300 Hefesorten gibt es", erklärt Wabnig. Nicht zuletzt ist das Brauwasser für den Brauerfolg verantwortlich.
Zur Demonstration hat Benedikt Wabnig Bierhefe angesetzt.
Zur Demonstration hat Benedikt Wabnig Bierhefe angesetzt. | Bild: Fröhlich, Jens
  • Das Wasser sollte nicht zu hart sein. "Das Tannheimer Leitungswasser ist perfekt fürs Brauen", sagt Kromer. "Villinger Wasser eignet sich hervorragend für Weizen", weiß Wabnig.
Sein Brauwasser holt sich Kromer in Kanistern aus Tannheim. Das Wasser dort sei perfekt fürs Brauen.
Sein Brauwasser holt sich Kromer in Kanistern aus Tannheim. Das Wasser dort sei perfekt fürs Brauen. | Bild: Fröhlich, Jens
  • Equipment: Die Heimbrauanlage von Lukas Kromer besteht aus einem 40 Liter Edelstahltopf mit Hahn, einer Induktionskochplatte, einem Gär-und Läuterbehälter und Zubehör: Temperaturregler, Messgeräte, Malzmühle, Gegendruckfüller und Verkorker. Ein Edelstahl-Rührwerk mit Scheibenwischermotor hat er sich selbst gebaut. "Die Motoren von Volvo sind die besten", erzählt er. Marke Eigenbau ist auch sein Würzekühler, der aus einem Schlauch und einer Pumpe besteht. Gesamtkosten: Rund 1000 Euro.
Der Eigenbau-Würzekühler kühlt das heiße Jungbier schnell ab. Bild: Lukas Kromer
Der Eigenbau-Würzekühler kühlt das heiße Jungbier schnell ab. Bild: Lukas Kromer | Bild: Fröhlich, Jens
  • Die Anlage von Benedikt Wabnig ist ähnlich aufgebaut, war aber etwas teurer. Beide Anlagen eigenen sich dazu rund 35 Liter Bier zu brauen. Bei den Anschaffungskosten sind nach oben hin kaum Grenzen gesetzt. Erste Gehversuche lassen sich schon für deutlich weniger Geld wagen. Als Minimal-Ausrüstung empfiehlt sich ein 30 Liter Einkochautomat, ein Gär- und Läutereimer aus Kunststoff sowie ein einfacher Handverkorker. Zusammen mit Zubehör kostet so ein Set zwischen 200 und 300 Euro. 20 Liter Bier lassen sich damit herstellen. "Von den billigen Braufass-Produkten halte ich nichts", erzählt Wabnig. "Die Fertigmischungen schmecken nicht und Spaß macht es auch nicht." Gegen wertige Startersets mit echten Rohstoffen sei jedoch nichts einzuwenden.
  • Informationen: Mittlerweile gibt es viele Informationsquellen für Einsteiger. Vor allem das Internet hält einiges parat. Reger Informationsaustausch findet in Internetforen statt. Spezielle Seiten warten mit Rezeptideen auf. Neben Inspirationen findet man dort auch Formulare, um Zutatenlisten und Mengenangaben für eigene Sude berechnen zu lassen.
  • Bezugsquellen: Internethändler beliefern Kunden heute mit allem, was sie für ihr Hobby benötigen. Von der fertigen Brauanlage bis hin zu exotischen Zutaten ist alles erhältlich. Zutaten für 20 Liter Bier kosten zwischen 10 und 20 Euro, je nach Abnahmemenge und Anspruch.
  • Zoll: Heimbrauer müssen ihr Hobby beim Zoll melden. Es reicht, die zu erwartenden Biermenge per Email den Beamten mitzuteilen. Bis zu 200 Liter pro Jahr sind steuerfrei. Darüber hinaus wird eine Gebühr fällig, die sich nach Menge und Würzegehalt richtet. "Aber auch dann geht es um geringe Summen", rechnet Wabnig vor. Kontrollen finden kaum statt. Beide Brauer haben noch nie Besuch vom Zoll bekommen.
Bild: Fröhlich, Jens