Der zweitgrößte Verein der Stadt steht plötzlich ohne Perspektive da. Ein Schreiben von OB Rupert Kubon an die Katzenmusik zerstört jahrelange Hoffnungen auf ein vernünftiges Vereinsdomizil in der Stadtmitte. Konkret hatte Kubon dem 2500 Mitglieder starken Club ein städtisches Gebäude hinter dem Rathaus in Aussicht gestellt. Mit einem zweiseitigen Schreiben, das dieser Redaktion vorliegt, kassiert der Rathaus-Chef seine Zusage nun wieder ein. Im Verein macht sich Entsetzen breit – und Kopfschütteln über die Vereinsförderung der Stadt.

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Drei Jahre voller Hoffnung liegen hinter den Katzenmusikern. Unzählige Gespräche wurden abgehalten und es gab auch einen Auftrag des Gemeinderates an Kubon zu prüfen, dem Club das Anwesen in Erbbaupacht, eine Art Miete von Grundbesitz, langfristig zu überlassen. Der OB hat nun auf seine Weise geantwortet und im Verein herrscht helle Aufregung. Nichts wird es mit dem hoch aufgeschossenen Bau zwischen Rathaus-Hof und Kanzleigasse.

Zwei Gründe führt Kubon ins Feld: Die Stadt müsse das Gebäude auf jeden Fall per Ausschreibung einer Neunutzung zuführen. Der Verein hatte sich, nach vielen Verhandlungen mit der Verwaltung, Hoffnung auf einen Kauf zum Preis von 150 000 Euro gemacht. Das stark sanierungsbedürftige Anwesen, das zum Rathaus-Ensemble gezählt werden kann, hat aber offenbar auch Begehrlichkeiten entwickelt. Es gebe, so lässt Kubon in seinem Brief weiter wissen, auch konkrete Interessenten, die offenbar bereit zu sein scheinen, jeden Preis der Katzenmusik zu überbieten. Ob diese Interessenten möglicherweise in direkter Nachbarschaft angesiedelt sein könnten, wollte Kubon am Donnerstag gegenüber dem SÜDKURIER nicht kommentieren. Stattdessen sagte der OB: "Es tut mir ganz ehrlich leid." Der Verwaltungsleiter, der weiter schriftlich gegenüber den Katzen wissen lässt, dass es auch baurechtliche Fragen bei der Neunutzung durch einen Verein zu umschiffen gelte, hielt am Donnerstag gegenüber dieser Redaktion diesen Problem-Bereich "noch am ehesten für lösbar".

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Von Kubon kann die Katzenmusik nichts mehr erwarten: "In den letzten zwei Monaten meiner Amtszeit kann ich hier nicht mehr viel tun", meinte der OB nun weiter. Das Schreiben, das auch in Stadtratskreisen kursiert, sorgt auch bei den Bürgervertretern für Kopfschütteln. Ein Mandatsträger sagte am Donnerstag ironisch: "Naja, da räumt einer seinen Schreibtisch auf."

CDU-Fraktionssprecherin Renate Breuning bezog zu dem Brief Position und deutete vor allem auch eine Aktion an. "Sie werde darauf drängen, dass sich die Fraktionssprecher zu dem Thema unterhalten, um eine Lösung zu finden." Diese sei aber derzeit ihrer Meinung nach "überhaupt nicht in Sicht". Es sei, so Renate Breuning wörtlich, ganz mies, wie man mit dem Verein umgeht." Sie saget am Donnerstag weiter, dass es "ein klares Versprechen des Oberbürgermeisters an die Katzenmusik gegeben" habe, einen Fakt, den auch Rupert Kubon jetzt gegenüber dem SÜDKURIER nicht dementierte.

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Prekär für den Verein: Die Vergangenheit der Katzen lagert in Form von Dokumenten, Requisiten udn vielen anderen Relikten in der immer feuchter werdenden Wagenhalle am Untereren Dammweg und müsste dringend gesichtet und archiviert werden. Deshalb drängte der Verein auch in den vergangenen Monaten auf einen Abschluss und schlug sogar vor, mit dem Dachausbau an der Kanzleigasse beginnen zu können, so lange im Erdgeschoss noch die Rathausdruckerei angesiedelt ist.

Konkret ist daas Anwesen an der Kanzleigasse 1 eines der letzten leer stehenden Häuser in der City. Und damit gleichzeitig auch für Investoren ein attraktives Ziel als Renditeobjekt mit Abschreibungsmöglichkeiten ob des Denkmalsschutzes für das Anwesen.

Der Kater Miau als Symbolfigur des Vereins muss mit den 2500 Fasnetvereinsmitgliedern sorgenvoll in die Zukunft schauen. | Bild: Roland Sigwart

Katzenmusik-Chef Dominik Schaaf sagte in seiner Aufwallung zum SÜDKURIER lieber nicht viel. Der Verein sei "geschockt". Den "drei Jahre geträumten Traum vom eigenen Vereinheim können wir nun abschreiben". Im Verein fühlt man sich getäuscht. Erst vor Jahresfrist habe man den Kauf eines Gebäudes neben dem Hexenstüble abgelehnt in der Annahme, die Vereinszukunft eröffne sich an der Kanzleigasse. Dieses Haus hat mittlerweile die Hexenzunft erworben.

Viele Katzenmusiker versuchen, den Fall mit der Zehntscheuer der Narrozunft zu vergleichen und stellen hinter der vorgehaltenen Hand die Frage, ob Kubon mit der noch größeren Zunft ähnlich umgesprungen wäre. Der Vergleich hinkt jedoch bei genauer Beschau. Die Zunft erstand ihre Immobilie von einem Privatmann. Die Untiefen einer öffentlichen Ausschreibung waren bei diesem Immobiliengeschäft für den Verein als Käufer somit überhaupt nicht vorhanden.