Satte 16 Jahre lang Oberbürgermeister. Ehrlicherweise kann kein Außenstehender ermessen, welche Last das bedeutet. Vor allem für einen Menschen wie Rupert Kubon, der nicht nur regieren, Ziele erreichen wollte, sondern Ansprüche pflegte, christliche, zum Beispiel.

Kubon galt in seinen frühen Jahren als beratungsrestistent, der Ruf klebte an ihm, nicht ganz ohne Grund. Was kaum jemand sehen kann: Natürlich musste er sich beraten lassen. Wie sonst ließen sich Aufsichtsräte von Unternehmen wie etwa den Stadtwerken, dem Klinikum oder der Sparkasse wirklich verantworten.

Dem heute 61-Jährigen gelang es sehr oft, menschlich zu bleiben. Er wirkte als fleißiger OB, früh im Büro, abends auf Bühnen und an Rednerpulten oder an der Spitze eines Gremiums. Vor allem aber punktete er bei vielen Menschen mit offenem Ohr, wenn Sorgen und Nöte sich breit machten.

Nie vergessen werden darf: Seine ersten Rathaus-Jahre waren bestimmt von schwierigen finanziellen Zeiten. Ein Sparprogramm musste beschlossen werden, das vielen weh tat. Seinerzeit war es, als sich beispielsweise die Stadt aus dem Betrieb des Tannheimer Freibades zurückzog, als Schwenningen plötzlich ohne Freibad dastand. Das galt es zuvorderst von ihm auszuhalten, auch wenn hinter diesen Meilensteinen Beschlüsse des 40-köpfigen Gemeinderates stehen. Kubon hat Kritik und Gegenwind teils stoisch hingenommen, nur manchmal entfuhr ihm ein Satz, der da lautete: "Sie können sich ja denken, wie es mir geht."

Bei der Verabschiedung von Rupert Kubon kam denn auch an diesem Freitag Wehmut auf. Vielleicht das allerbeste Zeichen, dass vieles doch gut war, selbst wenn nicht alles gelingen konnte. Die verlorene Polizeidirektion, die Straßen, die immer noch holpern, die Niederlage beim Bürgerentscheid um ein zentrales Rathaus zwischen V und S – alles Dinge, die bis heute schwer wiegen und einhergehen mit der Wirkungsbilanz dieses Oberbürgermeisters. Nur: Hätte das ein anderer besser hinbekommen?

Unüberhörbar auch vor dem Jahresende 2018: Der Nachfolger muss es erst einmal besser machen. Kubons Bilanz glänzt nicht nur partiell. Die schwierigen Monate des Höhepunkts der Flüchtlingskrise – hier wurden Lösungen gefunden. Die Inbetriebnahme des Klinikums und die Aufgabe der Krankenhäuser in Villingen und Schwenningen. Eine hoch erfolgreiche Gartenschau. Dazu: Ein Plus von fast 4000 Einwohnern und 27 Millionen Euro Schuldenabbau in 16 Jahren im städtischen Kernhaushalt. In Kubons letzten Jahren als Oberbürgermeister kam ihm zugute, dass die Wirtschaft florierte, die Betriebe der Stadt immer mehr Millionen an Gewerbesteuern überweisen konnten.

Sicherlich: Dieser VS-OB hinterlässt große Projekte, die unvollendet sind. Vor allem den Rathaus-Neubau. Und es gibt markant zu wenige Kindergartenplätze, viele Schulen brauchen eine Grundsanierung, es fehlen bezahlbare Wohnungen, das Tonhallengelände ist immer noch nicht im Sinne der Bürger genutzt. Auf die Stadt mit ihren 85 000 Einwohnern rollen große Herausforderungen zu. Vor allem gesellschaftliche Veränderungen: Wie viele junge Familien wollen und können hier künftig gut leben? Wie überhaupt wird sich die Stadtlandschaft verändern in den Jahren des Klimawandels, der Umwälzungen beim Individualverkehr, im Zeitalter der Digitalisierung?

Ist VS also zukunftssicher? So wenig, wie andere Kommunen auch. Lebensqualität für Bürger herzustellen, das ist die Aufgabe des neuen OB und des im Mai zu wählenden neuen Gemeinderates. Es kann hierbei nur einen Weg geben: Gemeinsamkeit. Rupert Kubon hat dafür einen Weg markiert, mit viel eigenem Zutun: V und S sind sich näher wie nie zuvor. Das macht die VS-Gesellschaft stark und: Das vor allem ist der Kern der Leistung dieses Oberbürgermeisters.