Villingen-Schwenningen – Die Zahl der Straftaten in der Doppelstadt ist gesunken, allerdings werden weniger Fälle aufgeklärt: Das ist die Botschaft, die Vertreter der Polizeidirektion und der Stadt auf einer gemeinsamen Pressekonferenz verkündet haben. Alexander Türschmann vom Polizeirevier Schwenningen freute sich, dass die Zahlen gemeinsam unter dem Dach der Stadt präsentiert werden können, sei doch gerade die Prävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

  • Drastischer Anstieg: Auffällig in der Statistik ist der Anstieg bei den Straftaten gegen das Leben, also Totschlag oder fahrlässige Körperverletzung, hier gab es einen Anstieg um 300 Prozent. "Das liegt daran, dass wir hier 2017 keine Fälle hatten, 2018 gab es dann drei Vorkommnisse", so Detlef Eggert, stellvertretender Leiter des Kriminalkommissariats. Bei den konkreten Fällen ging es einmal um eine fahrlässige Tötung, wo Angehörige einen ärtzlichen Behandlungsfehler vermuteten. "Das wird bei uns zwar angezeigt, aber geht dann weiter an die Ärztekammer, die das klären müssen." Der zweite Fall war versuchter Totschlag: Eine Attacke mit einem Baseballschläger, hier standen Täter und Opfer in geschäftlichem Kontakt. Ein Streit wegen Drogengeschäften war der Hintergrund für den dritten Fall, ebenfalls versuchter Totschlag: Jugendliche waren in der Villinger Kaufhausgasse aneinander geraten, die Situation eskalierte und ein Jugendlicher wurde mit einem Messer schwer verletzt.
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  • Sexuelle Übergriffe: Einen leichten Anstieg verzeichnet die Kriminialstatistik auch bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Hier sei aber auch das Strafrecht verändert worden und Fälle, die früher nicht geahndet worden, können heute angezeigt werden. "Außerdem zeigen mehr Opfer die Übergriffe an", so Eggert. Dies sei ein Trend in die richtige Richtung.
  • Straftaten in der Färberstraße: Wie sicher ist die Färberstraße? Ein Thema, das immer Einig waren sich die Polizeibeamten und auch Ralf Glück, der Leiter des Bürgeramtes, dass man sich in der Färberstraße zu normalen Uhrzeiten ohne jede Einschränkung sicher aufhalten könne. "Das ist auch spätabends noch möglich", so Glück. Insgesamt gab es in der Färberstraße 2018 84 Straftaten, damit ist die Zahl gegenüber 2017 um 20 gesunken. Schwere Straftaten in der beliebten Kneipenmeile, wie zum Beispiel Körperverletzung, geschehen fast immer in den frühen Morgenstunden, so Thomas Barth, Leiter des Villinger Polizeireviers. Meistens gebe es auch eine Vorgeschichte, also Täter und Opfer stehen oft in einer Beziehung. "Die Angst, völlig zufällig in eine schwere Auseinandersetzung zu geraten und dabei verletzt zu werden, ist gering", so Barth. Allerdings habe es auch einen solchen Fall schon gegeben. 22 Ruhestörungen und 11 Sachbeschädigungen sind in der Färberstraße im Laufe des Jahres 2018 angezeigt worden und es ist zu elf Beleidigungen gekommen.
  • Mehr Wohnungseinbrüche: Bei den Wohnungseinbrüchen ist es in der Doppelstadt entgegen des landesweiten Trends zu einem Anstieg gekommen: Von 77 Fällen auf 86 Einbrüche im Jahr 2018. Auch die Aufklärungsquote ist von 38 Prozent auf 23 Prozent gesunken. "Allerdings waren 38 Prozent ein wirklich sensationeller Wert", so Thomas Barth zu den Zahlen. Schwierig sei die Aufklärung dieser Fälle, weil die Täter oft in ganz Europa unterwegs seien: Sie schlagen hier in der Region zu und ziehen sofort weiter. Leicht angestiegen ist auch die Straßenkriminalität mit Sachbeschädigung und Diebstahl: Hier gab es 742 Fälle gebenüber 732 Fällen im Vorjahr. Fälle von Körperverletzung sind in der Doppelstadt gesunken: Von 223 auf 197. Allerdings war das Jahr 2017 ein Ausreißer nach oben: 2016 gab es nur 168 Vorkommnisse.
  • Gewalt gegen die Polizei: Die Gewalt gegen Polizeibeamte ist leicht gesunken: Es gab 29 Fälle gebenüber 32 im Jahr 2017. "Allerdings sind hier wirklich nur die Fälle echter Gewalt aufgelistet, wenn wir da die Beleidigungen dazu nehmen würden, wäre die Zahl um ein vielfaches höher." Barth verwies darauf, dass im Sommer die Bodycam testweise eingeführt wird. "Hier versprechen wir uns viel davon, es wird sicher eine objektivere Darstellung einiger Sachverhalte möglich sein", so Alexander Türschmann.
  • Polizei vor Ort: Die Zahlen: Insgesamt gibt es in der Doppelstadt zwei Polizeireviere mit insgesamt 119 Beamten, eine Verkehrsüberwachung mit 14 Beamten und das Kriminalkommissariat mit 18 Beamten.