Villingen-Schwenningen – Gotteshäuser werden heute kaum noch neu gebaut, wenn doch, dann meist in kleinem Rahmen. Genau zwischen Villingen und Schwenningen wächst entgegen diesem Trend die Gnadenkirche mit stattlichen Ausmaßen in den Himmel. Hier baut die gleichnamige Kirchengemeinde auf einem 7000 Quadratmeter großen Grundstück im Zentralbereich ein Begegnungs- und Gemeindezentrum für insgesamt 6,8 Millionen Euro. Der Spatenstich fand im Juni statt (wir berichteten).

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Mittlerweile ist viel passiert. Autofahrer können von der Schwenninger Straße aus die Baukräne sehen und erahnen, dass hier etwas Großes entsteht. Wir haben uns auf der Baustelle umgeschaut.

Von der Schwenninger Straße aus kann man die zahlreichen Baukräne sehen.
Von der Schwenninger Straße aus kann man die zahlreichen Baukräne sehen. | Bild: Fröhlich, Jens

Das ist geplant

An der Ecke Europaallee und Wilhelm-Schickard-Straße, über dem Wohngebiet Schilterhäusle, entstehen derzeit ein großer Saal mit Bühne und Taufbecken für maximal 700 Personen, ein kleiner Saal mit 180 Sitzplätzen, zwölf Gruppenräume für die Kinder- und Jugendbetreuung, ein Verwaltungsbereich mit Büros, ein Besprechungsraum, eine Hausmeisterwohnung sowie 98 Parkplätze. Unter dem Strich kommen 2000 Quadratmeter Nutzfläche zusammen. 

Ein großes Schild am Baustellenzaun verrät, wie der Neubau künftig aussehen soll.
Ein großes Schild am Baustellenzaun verrät, wie der Neubau künftig aussehen soll. | Bild: Fröhlich, Jens

Von Gebäuden auf drei Seiten eingerahmt soll zudem ein einladender Innenhof entstehen. Vom östlich gelegenen Haupteingang gelangen Besucher künftig über ein Foyer in den Großen Saal.

Video: Fröhlich, Jens

„Eine Faltwand zwischen Foyer und Saal kann je nach Platzbedarf geöffnet werden“, erklärt der Tobias Walderich, der den Neubau stellvertretend für die Gemeinde betreut und koordiniert.

Hereinspaziert: Tobias Walderich steht dort, wo künftig der Haupteingang sein wird.
Hereinspaziert: Tobias Walderich steht dort, wo künftig der Haupteingang sein wird. | Bild: Fröhlich, Jens

Weitere Plätze sind auf einer Empore geplant, wo Besucher beste Aussicht in den Saal, auf die Bühne und das Taufbecken haben. Sanitäre Anlagen und eine Küche sind im Gebäudekern zwischen großem und kleinem Saal untergebracht.

Der Eingangsbereich und das Foyer sind noch abgestützt. Im Hintergrund ist der große Saal zu sehen. Eine Faltbare Wand zwischen diesen Bereichen kann bei Bedarf geöffnet werden.
Der Eingangsbereich und das Foyer sind noch abgestützt. Im Hintergrund ist der große Saal zu sehen. Eine Faltbare Wand zwischen diesen Bereichen kann bei Bedarf geöffnet werden. | Bild: Fröhlich, Jens

Baufortschritt

Die Betonarbeiten für den kleinen Saal sind bereits abgeschlossen. Momentan baut dort die Firma Ettwein aus Villingen das Dach mit einer massiven Holzkonstruktion auf.

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Nebenan werden weitere Wände mit riesigen Schalungsbrettern und Metallarmierungen in die Höhe gezogen. Sie bilden am Ende den Rahmen für den großen Saal. Sobald diese Wände stehen, soll auch hier ein Flachdach aus Holz den Bau versiegeln.

Tobias Walderich zeigt auf dem Dach hinüber zum großen Saal. An den Aussparungen in den hohen Wänden kann man sehen, wo schon bald große Dachbalken eingesetzt werden.
Tobias Walderich zeigt auf dem Dach hinüber zum großen Saal. An den Aussparungen in den hohen Wänden kann man sehen, wo schon bald große Dachbalken eingesetzt werden. | Bild: Fröhlich, Jens

Alle Dächer müssen begrünt werden. Noch nicht ganz bereit für den Dachaufbau sind die Bereiche für die Gruppenräume und den Verwaltungsbau in Verlängerung des kleinen Saales. „Unser Ziel ist es aber, so viele Gebäudeteile wie möglich vor dem Winter dicht zu bekommen“, sagt Bauleiter Andre Weymann von der Baufirma Mörk.

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Dann könnte während der kalten Monate der Innenausbau vorangehen. „Wir sind gut im Zeitplan„, gibt er sich zuversichtlich. Auch Walderich ist voller Hoffnung, dass dieser Zeitplan eingehalten werden kann.

Großes Interesse

Die Neugier am neuen Bauwerk sei vor allem bei Gemeindemitgliedern enorm, so Walderich. „Fast täglich kommen Interessierte zur Baustelle, um sich den Baufortschritt anzuschauen“, freut er sich. Er selbst ist mindestens zweimal pro Woche da, um als Bauherr-Vertreter nach dem Rechten zu schauen und die nötigen Absprachen mit der Baufirma zu treffen.

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So geht‘s weiter

Momentan scheint es, dass der Wunsch der Kirchengemeinde in Erfüllung geht. „Wir wollen den Weihnachtsgottesdienst im kommenden Jahr erstmals im neuen Gemeindezentrum feiern“, so Walderich. Nicht nur beim Baufortschritt liege man auf Kurs. Auch bei den Kosten von insgesamt 6,8 Millionen Euro soll es bleiben.

Tobias Walderich (links) und Pastor Michael Großklaus sind zuversichtlich, dass der Weihnachtsgottesdienst im kommenden Jahr bereits im neuen Gemeindezentrum stattfinden kann.
Tobias Walderich (links) und Pastor Michael Großklaus sind zuversichtlich, dass der Weihnachtsgottesdienst im kommenden Jahr bereits im neuen Gemeindezentrum stattfinden kann. | Bild: Fröhlich, Jens

Lediglich die Hausanschlüsse bereiten den Verantwortlichen noch etwas Sorgen. Die Fernwärmeleitung müsse beim Kindergarten im Schilterhäusle angeschlossen werden, der Abwasseranschluss liege einige Meter weiter entlang der Wilhelm-Schickard-Straße. Wasser- und Stromanschluss kommen aus anderer Richtung von der gegenüberliegenden Straßenseite. Mögliche Mehrkosten und Probleme beim Anschluss seien jedoch noch nicht absehbar, so Walderich.

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Gnadenkirche

Die Kirchengemeinde Gnadenkirche hat derzeit rund 300 Mitglieder, Tendenz steigend. Zudem zählen etwa 100 Kinder und Jugendliche zur Baptisten-Gemeinde, die momentan am Wiener Platz 5 ihr Domizil hat. In diesen Räumen finden bei Gottesdiensten und Festen lediglich 250 Personen Platz. Das ist ein Grund, weshalb sich die Gemeinde für einen Neubau entschieden hat. Weltweit gibt es über 40 Millionen Baptisten. In den USA sind sie gar die größte christliche Kirche. Bekannte Glaubensvertreter sind Martin Luther King, Jimmy Carter und Bill Clinton. In Deutschland gibt es die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde seit 1834. Sie ist mit 85.000 Mitgliedern die größte Freikirche. Baptisten sind Vertreter der Religionsfreiheit. Einzelne Gemeinden sind in den wesentlichen Fragen selbständig und finanzieren sich ausschließlich durch Spenden und Mitgliederbeiträge. Ein wesentliches Merkmal ist die Gläubigentaufe. Jugendliche und Erwachsene entscheiden sich selbst und bewusst für die Taufe. Die lokale Gemeinde spielt eine entscheidende Rolle bei den Baptisten. Gottesdienste unterliegen keiner Liturgie und werden individuell gestaltet.