Das Jahr 1949 war geprägt von einschneidenden Ereignissen. Konrad Adenauer wurde erster Bundeskanzler der jungen Bundesrepublik Deutschland, eine pfiffige Wurstbudenbesitzerin erfand die Currywurst. Und in Villingen-Schwenningen wurde mit der Gründung der Baugenossenschaft Neue Heimat der Grundstein gelegt für eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält.

Den 70. Geburtstag der Baugenossenschaft Familienheim feiern Vertreter der Vertreterversammlung und Gäste im Forum am Bahnhof in St.Georgen. Bilder: Roland Sprich
Den 70. Geburtstag der Baugenossenschaft Familienheim feiern Vertreter der Vertreterversammlung und Gäste im Forum am Bahnhof in St.Georgen. | Bild: Sprich, Roland

Auf den Tag genau 70 Jahre, nachdem in der Villinger Südstadt der Spatenstich für die ersten 50 Wohneinheiten stattfand, um die herrschende Wohnraumnot zu lindern, feierte die Baugenossenschaft Familienheim jetzt ihren Geburtstag mit kleinem Unterhaltungsprogramm in festlicher Kulisse im Forum am Bahnhof in St. Georgen. „Damals wie heute war bezahlbarer Wohnraum begehrt“, brachte es das geschäftsführende Vorstandsmitglied Sebastian Merkle auf den Punkt, was sich seit 1949 nicht geändert hat.

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Was sich dagegen sehr wohl geändert hat ist die Zahl der Wohnungen, die die heutige Baugenossenschaft Familienheim verwaltet. Mit 2600 Wohnungen im Bestand und aktuell rund 130 Wohnungen im Bau gehört die Familienheim zu den führenden Baugenossenschaften in der Region. Dies würdigten auch die Redner in ihren Grußworten. Der St. Georgener Bürgermeister Michael Rieger sagte, die damalige Neue Heimat habe den damals dringenden Wohnbedarf in St. Georgen bedient. Das Vorstandsteam mit Sebastian Merkle und Martin Renner leiste weitsichtige und rücksichtvolle Arbeit. Die Landtagsabgebordnete Martina Braun (Grüne) sagte, dass das Thema bezahlbarer Mietwohnraum heute aktueller denn je sei. Die Familienheim sei sich diesbezüglich ihrer Verantwortung bewusst. Auch der Klimaschutz sei der Genossenschaft ein großes Anliegen. „Machen Sie weiter so“, ermutigte Braun.

Eduard Horbas wurde an dem Tag geboren, als die Neue Heimat in Villingen gegründet wurde. Seit 1975 ist er Mieter bei der Familienheim.
Eduard Horbas wurde an dem Tag geboren, als die Neue Heimat in Villingen gegründet wurde. Seit 1975 ist er Mieter bei der Familienheim. | Bild: Sprich, Roland

Detlev Bührer, Baubürgermeister der Stadt Villingen-Schwenningen, bezeichnete die Familienheim als „treibende Kraft am Wohnungsmarkt.“ Auf deren Initiative wurde das Bündnis für faires Wohnen ins Leben gerufen, für das sich neben der Familienheim auch drei weitere Partner, Spitalfonds Villingen, WBG und Baugenossenschaft Villingen, engagieren, um Mietwohnraum bezahlbar zu halten. Wie Bührer sagte, sei der Name Merkle bei der Familienheim wohl in Stein gemeißelt. „Der Name steht für Qualität und verpflichtet“, erinnerte Bührer an Ewald und Klaus Merkle, Großvater und Vater des heutigen geschäftsführenden Vorstandes Sebastian Merkle. Ein weiteres Grußwort richtete Bruno Walter, Bürgermeister der Gemeinde Tettnang, an die Festgesellschaft, wo Familienheim ebenfalls einige Wohnprojekte umsetzt.

Der Festakt wirde mit kleinen Showeinlagen, unter anderem vom Zirkus Confetti, bereichert.
Der Festakt wirde mit kleinen Showeinlagen, unter anderem vom Zirkus Confetti, bereichert. | Bild: Sprich, Roland

Trotz des Geburtstagsfestes mussten die geladenen Vertreter auch ihrer Pflicht nachkommen und die Vertreterversammlung abhalten. Die vorgelegten Zahlen seien „jubiläumswürdig“, wie Vorstandsmitglied Martin Renner sagte. Erstmals habe das Gesamtvermögen die 100-Millionen-Euro-Marke überschritten. Dies sei ein Zuwachs von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig verwies Renner auf die moderaten Mieten. Ausgehend vom Mietspiegel der Stadt Villingen-Schwenningen spare ein Mieter bei der Familienheim im Schnitt knapp 100 Euro monatlich.

Wer Gutes tue, dem dürfe auch Gutes wiederfahren, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Berthold Frisch und verwies auf den Mittelstandspreis, den die Baugenossenschaft Familienheim für ihre soziale Verantwortung vor kurzem vom Land erhalten hat. Frisch legte den Bericht des Aufsichtstrates vor, in dem der Geschäftsführung einwandfreie Arbeit bescheinigt wurde.

2461 Wohnungen, 4100 Mitglieder und vier Prozent Dividende können sich sehen lassen

  • Die Gründer: Ewald Merkle, Karl Brachat und Albert Haas haben am 19. September 1949 die Neue Heimat in Villingen gegründet. Später wurde Klaus Merkle Geschäftsführer. Nach dessen Tod 2011 übernahm sein Sohn Sebastian ab 2012 die Position des geschäftsführenden Vorstandes.
  • Zahlen: Die Baugenossenschaft Familienheim hat aktuell rund 4100 Mitglieder und bietet rund 5000 Menschen in 2461 Wohnungen ein Dach über dem Kopf. Weitere 138 Wohnungen sind derzeit im Bau. Neben Villingen hat das Unternehmen in St. Georgen mit rund 850 Wohneinheiten die meisten Mieter. Zudem in Bad Dürrheim, Tettnang am Bodensee und Tübingen.
  • Wahlen: Bei den Wahlen für den Aufsichtsrat wurde St. Georgens Bürgermeister Michael Rieger erneut gewählt. Erstmals in den Aufsichtsrat gewählt wurde Walter Klumpp, ehemaliger Bürgermeister von Bad Dürrheim.
  • Projekte: In Bad Dürrheim „Am Sonnenbühl“ entstehen 50 hochwertige Wohnungen im Premiumsegment. Nur einen Steinwurf entfernt, „Am Hammerbühl“, erstellte Familienheim bereits preisgünstige Mikrolofts. In VS-Villingen werden im „Französischen Quartier“ derzeit die ehemaligen Soldatenwohnungen in Appartements umgewandelt, zunächst für 500 Studierende der Polizeihochschule. In etwa sechs bis zehn Jahren sollen die Studentenappartements dann als bezahlbarer Wohnraum dem allgemeinen Mietwohnungsmarkt zur Verfügung stehen. In Tettnang entstehen im St. Anna-Quartier aktuell 127 Wohnungen, ein Teil davon steht später Menschen mit Unterstützungsbedarf zur Verfügung, die von der Stiftung Liebenau betreut werden.
  • Sanierung Bestand: Nicht nur in Neubauprojekte wird investiert, sondern auch in Bestandsimmobilien. Sebastian Merkle verwies beispielhaft auf die Fassadensanierung des Hochhauses am Berliner Platz in VS-Villingen. Passend zum Gebiet „Goldenbühl“ seien goldfarbene Elemente verwendet worden. Insgesamt wurden im vergangenen Geschäftsjahr 4,3 Millionen Euro in den Bestand investiert.
  • Satte Dividende: Familinheim erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr einen Überschuss von 1,73 Millionen Euro. Der größte Teil fließt in die Rücklage. Die Mitglieder, die bei Familienheim Genossenschaftsanteile gezeichnet haben, dürfen sich über eine Dividende in Höhe von vier Prozent freuen.
  • Runder Geburtstag: Am Gründungstag der Familienheim, am 19. September 1949, wurde Eduard Horbas geboren. Er ist seit 44 Jahren Mieter in der Sperberstraße in VS-Villingen.
  • Kleines Showprogramm: Um Vertreterversammlung und Festakt würdig unter einen Hut zu kriegen, gab es kleine Showelemente. Beatboxer Paul Brenning aus Berlin machte nur mit seiner Stimme Alltagsgeräusche nach. Artistik am Rad präsentierte der Zirkus Confetti.