Drängende Zukunftsfragen der kleinen Stadtbezirke versucht eine Ortsentwicklungsstudie zu beantworten, die vor wenigen Tagen vom Gemeinderat beschlossen wurde. Es geht um altersgerechtes Wohnen, Wohnraum für junge Familien, um Einkaufsmöglichkeiten, Mobilität und ärztliche Versorgung. Keine leichte Zukunftsaufgabe. Der SÜDKURIER sprach, in gewissem Maße stellvertretend auch für die anderen Ortschaften, mit Martin Straßacker, dem Ortsvorsteher von Pfaffenweiler.

  • Bevölkerung halten: Rund 2300 Einwohner hat Pfaffenweiler. Sein großes Plus: Es liegt in attraktiver Lage, gerade mal fünf Kilometer vor den Toren Villingens. Doch das Ziel des Ortschaftsrates und des Ortsvorstehers, die Bevölkerungszahl zumindest zu halten, bleibt eine Herausforderung angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung. Daher will Ortsvorsteher Straßacker (56) alles daran setzen, sein geliebtes Pfaffenweiler "so attraktiv wie möglich zu gestalten". Damit die Alten nicht den Ort verlassen müssen, wenn sie pflegebedürftig sind. Und junge Menschen, die in Pfaffenweiler bleiben oder nach einigen Jahren wieder heimkehren wollen, im Ort Wohnraum finden. Für Straßacker ist klar: "Ohne die Jugend stirbt der Ort."
  • Politikwechsel: Noch gibt es in Pfaffenweiler genügend Nachwuchs. Der Kindergarten und die Grundschule sind gut gefüllt. Die Frage ist aber, wie dies in einigen Jahren aussehen wird. In der Vergangenheit wurde alle paar Jahre in den Dörfern ein neues Baugebiet ausgewiesen, um junge Familien anzulocken. Dadurch konnten Kindergarten und Schule immer wieder neues Leben zugeführt werden. Heute ist diese Politik kein Zukunftsmodell mehr. Seit die Grünen in Stuttgart den Ton angeben, haben sie dem Landschaftsverbrauch durch immer neue Wohngebiete den Kampf angesagt. Zuerst, so die neue Vorgabe, sollen die freien innerörtlichen Grundstücke zur Bebauung genutzt werden, bevor der Natur ein weiteres Stück für Bauland entrissen wird.
  • Idee funktioniert nicht: Das klingt vernünftig. Doch für die Dörfer, die gegen Auszehrung kämpfen, wird die Zukunftsgestaltung damit deutlich schwieriger. Denn die von oben proklamierte Aktivierung von innerörtlichen Freiflächen, das hat sich jetzt in allen kleinen VS-Stadtbezirken gezeigt, funktioniert unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht. Zwar hat die Ortsentwicklungsstudie in Pfaffenweiler rund 20 Grundstücke identifiziert, die bebaut werden könnten. Doch diese Erkenntnis ist rein theoretisch. "Wer eine freie Wiese hat, der verkauft sie nicht", berichtet Straßacker. Haupthindernis sei die extrem hohe Besteuerung, wenn landwirtschaftliches Betriebsgelände für Baulandzwecke verkauft wird.
  • Glücksfall Baugebiet: Positiv wertet der Ortsvorsteher aber, dass eine behutsame Expansion, also neues Bauland, von der Landesregierung durchaus zugelassen wird. Pfaffenweiler befindet sich aktuell in der glücklichen Lage, dass nach vielen Jahren Kampf und Vorplanung bald ein neues Baugebiet erschlossen wird. Im Gewann "Gassenäcker" am östlichen Ortsrand sollen bis 2020 rund 20 bis 25 Bauplätze entstehen. Ohne dieses Gebiet, konstatiert Straßacker, "gäbe es bei uns Stillstand". Die Nachfrage nach den Bauplätzen ist enorm. Schon jetzt gibt es rund 70 Bewerber. Die Zahl dürfte sich wohl noch verdoppeln oder verdreifachen, vermutet er. Wenn aber "Gassenäcker" vollständig bebaut ist, sind die Bauland-Reserven weitgehend aufgezehrt. Im Gewann "Furtweg" gebe es noch die Option auf einige Plätze, eine letzte Reserve, mit der die Ortschaft sorgsam umgehen will.
  • Gut aufgestellt: Straßacker ist überzeugt, dass es immer auch junge Menschen geben wird, die das Leben auf dem Land lieben und ihre Kinder in der Natur aufziehen wollen. Um sie zu gewinnen, müsse aber die Infrastruktur stimmen. Dazu gehören für ihn eine funktionierende Ortsverwaltung, die Qualität von Schule und Kindergarten, ein vitales Vereinsleben und ein guter Nahverkehr. Mit einem halbstündigen Bustakt nach Villingen sieht er Pfaffenweiler bestens an die Stadt angebunden. Inzwischen gibt es flächendeckend schnelles Internet im Ort, auch Sparkasse und Post und ein Metzger sind vorhanden. Größtes Manko: Es fehlt ein Lebensmittelgeschäft. Es dürfte schwierig werden, ein solches zu finden, urteilt Straßacker. Auf dem Wunschzettel steht außerdem eine Betreuungseinrichtung für Senioren. "Wenn sich hier eine Chance ergibt, werden wir umgehend aktiv werden", versichert Straßacker. Insgesamt sieht er den Ort gut aufgestellt. "Ich bin, wenn es so bleibt wie jetzt, zufrieden. Und ich werde alles daran setzen, dass es so bleibt."
Stolz auf seinen Ort: Martin Straßacker vor dem Rathaus. Bild: Stadler</span>
Stolz auf seinen Ort: Martin Straßacker vor dem Rathaus. Bild: Stadler