VS-Villingen – Sie standen im Zusammenhang mit den Plänen des Gemeinderates, am Niederen Tor einen neuen Einkaufsmarkt zu bauen und in der Bertholdstraße eine große Stadthalle. Die Niedere-Tor-Sanierung wurde schließlich durch durch eine Bürgerinitiative gekippt, das Einkaufszentrum und das Tor nie gebaut, und die Stadthalle deutlich kleiner als anfänglich vorgesehen.

Bei den Unterzeichnern der halbseitigen Anzeige in der Tageszeitung vom 2. Oktober 1982 standen unter vielen anderen fünf Anwälte, fünf Diplomierte, zwölf Doktoren und drei Steuerberater, die allesamt namentlich ein textreiches Positionspapier unterzeichneten. Ein Zehn-Punkte-Papier, das im Wesentlichen aus der Feder des Villinger Architekten Gerhard Janasik stammte.

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Der Tenor lautete damals: „Wir sind nicht gegen eine Sanierung am Niederen Tor... oder gegen die Errichtung einer Festhalle als Ersatz für das einst abgerissene Niedere Tor, doch wollen wir eine Sanierung mit Augenmaß, die der Stadt und ihren Bürgern und nicht nur einem Investor dient.“

Der Investor war die Firma ECE aus Hamburg, und was schließlich ohne diesen rauskam, wurde inzwischen zu einer viel zu kleinen Neuen Tonhalle und einem Multiplex-Kino, die Blueboxx. Weiter hieß es von den politischen Gegnern des Projekts, es gelte eine Entscheidung zu finden, die der Bedeutung der gestellten Aufgabe gerecht wird und dem Wohl der ganzen Stadt diene.

Wer sich die Anzeige von einst vornimmt, der erfährt unter anderem, dass man historische, mittelalterliche und baugeschichtlich wertvolle Gebäude nicht der Spitzhacke opfern dürfe. Somit galt der eventuelle Abbruch des Amtsgerichts und des Gesundheitsamtes (heute Commerzbank) als „eine Untat“, die mit dem Abbruch des Niederen Tores zu vergleichen wäre.

Durch die ehemals vorgesehenen, überdimensionalen Baukörper eines Einkaufszentrums der ECE sah man gänzlich die Struktur und das Gefüge des Stadtgrundrisses als gesprengt an und eine Überfrachtung, die mit 10 000 Quadratmetern Ladenfläche den Handel in der Innenstadt bedrohe. Schließlich müsse es einem Schildbürgerstreich gleichkommen, wenn die Einheit von Amtsgericht und Gefängnis verschwinden würde. Und schon damals galt, dass das vom Investor ins Auge gefasste „neue Niedere Tor“ nur Alibi-Funktion habe, eine Attrappe sei oder eine Kulisse ohne Funktion.

Somit war man sich einig, dass das gesamte Projekt von einst weder zu den Finanzen der Stadt noch zu denen des Landes passe, wenn für Millionen etwas Eigenes abgerissen und stattdessen danach gemietet werde.

Klar waren sich die Kritiker auch darin, dass Kauf-Passagen in anderen Städten längst Trostlosigkeit vermittelten, die von Kauflustigen gemieden würden... und eine tagsüber wenig belebte Festhalle samt Hotel führe zu weiterer Verödung der Niederen Straße. Und wenn dann noch Wohnungen fehlten, mache dies das Quartier nach Geschäftsschluss menschenleer.

Befürchtet wurde auch, dass notwendige Sanierungen durch Interessenten in den Nebenstraßen unterbleiben werden und die Altstadt als gewachsenes Ganzes in Frage stellten.

Abschließend wollten die Gegner einer überbordenden Bebauung auch wissen, was denn Ankauf und Abbruch von Gesundheitsamt und Amtsgericht kosten und auch die Festhalle inklusive Grundstück und zu welchem Preis die Fußgängerzone vom Marktplatz bis zum Niederen Tor zu haben sei. Die Antworten darauf sind allesamt „Schnee von gestern“.

Das Niedere Tor

Nachdem um das Jahr 1200 in Villingen mit dem Bau der inneren Stadtmauer und des Grabens begonnen wurde, kamen von 1230 bis 1260 die vier Tortürme dazu. Das Niedere Tor erhielt 1721 noch einen Erker. 1847 wurde dann das Niedere Tor komplett abgerissen. Zum einen wohl aus Platzgründen, damit der wachsende Verkehr nicht behindert wird, und zum anderen, weil es baufällig war.