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Felix Zaitschek

Felix Zaitschek ist am 25. Februar 1901 als eines von neun Kindern in Hagen in Westfalen geboren. Nach den üblichen acht Jahren Volksschule, machte er eine kaufmännische Lehre in Recklinghausen. Kurz nach dem 1. Weltkrieg erkrankte er an Tuberkulose, vermutlich durch Mangelernährung. Verschiedene Kuren, zum Teil in Sanatorien im Schwarzwald, wurden ihm bis 1930 bewilligt. In Villingen war er zuerst mit einem reinen Reisegeschäft tätig und auch erfolgreich. Später versuchte er zudem mit einem Manufaktur-, Aussteuerartikel-, Konfektions- und Schuhwarengeschäft an verschiedenen Adressen in der Bickenstraße und in der Brunnenstraße Fuß zu fassen. Haupteinnahmequelle soll jedoch sein Reisegeschäft in der Umgebung von Villingen gewesen sein. 

Symbolischer Stolperstein für Felix Zaitschek
Symbolischer Stolperstein für Felix Zaitschek | Bild: Matthias Jundt

Seinen Wohnsitz hatte Felix in der Sebastian-Kneipp-Straße 36. Während der NS-Zeit war er dem Boykott und den Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt. Vor dem Geschäft wurden zum Beispiel Wachen postiert. Anfang 1938 drangen NS-Leute in den Laden ein und griffen ihn an. Kurz darauf wurden Schaufenster zertrümmert. Wie andere jüdische Geschäftsinhaber wurde sein Name in der Zeitung angeprangert. Es reichte ihm. Er verließ Villingen und heiratete am 9. März 1938 in Karbach seine Frau Erna. Gemeinsam wanderten sie 1938 in die USA aus, wo sie ab dem 21. August in Milwaukee wohnten. Hier erfuhr er von der bevorstehenden Deportation seiner Mutter und den Schwestern. Der Plan, dies mit Kuba-Visen zu verhindern, scheiterte, was ihn bis an sein Lebensende in New York belastete.

Video: Matthias Jundt

Lina Zaitschek

Lina Zaitschek, geborene Rosner, ist am 13. Oktober 1868 in Neu-Raussnitz geboren. Sie ist die Tochter von Leopold Rosner aus Neu-Raussnitz, heute Rousinov in Tschechien. Sie lernte schon früh, einen Haushalt zu führen. Bereits im jungen Alter von 21 Jahren wurde sie am 14. Januar 1890 in Neu-Raussnitz mit Berthold Zaitschek verheiratet. Es war eine glückliche Ehe, aus der neun Kinder hervorgingen. Ludwig, Paul, Elsa, Anna, Benno, Felix, Emmy, David und Irma. 36 Jahre lebte das Ehepaar in Hagen. Dort wurden auch die meisten ihrer Kinder geboren. Gemeinsam zogen sie 1934 in die Sebastian-Kneipp-Straße in Villingen. Berthold starb am 6. Oktober 1935, abends um 21 Uhr, im Krankenhaus, nachdem er bereits als sehr kranker Mann hierher gekommen war.

Stolperstein für Lina Zaitschek
Stolperstein für Lina Zaitschek | Bild: Fröhlich, Jens

Alle Söhne von Lina Zaitschek hatten kaufmännisches Talent und gingen diesem Beruf nach. Ihre Tochter Anna heiratete und wanderte mit ihrem Mann in die USA aus. Die Hochzeitspläne von Elsa zerschlugen sich und sie kam zurück nach Villingen. 1935 starb ihr kranker Mann im Villinger Krankenhaus. Nach der Auswanderung von Felix im Sommer 1938 blieben Lina, Emmy und Elsa in Villingen zurück. Die Wohnung wurde ihr gekündigt, weil sie Jüdin war. Anfang September 1938 wurden die drei nach Brünn ausgewiesen. Böhmen und Mähren wurden Protektorat. Alle Auswanderungspläne waren zerschlagen. Elsa und Emmy wurden früh deportiert. Lina hörte nie wieder von ihnen. Sie selbst wurde am 27. März 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 8. September 1942 umgebracht.

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Elsa und Emma Zaitschek

Elsa Zaitschek ist am 17.Dezember 1893 in Damboritz geboren und hatte acht jüngere Geschwister. Sie musste zuhause mithelfen und lernte so die Haushaltsführung, erst in Hagen in Westfalen, dann ab 1934 in Villingen. Emma Zaitschek ist am 10. Juli 1907 in Hagen als jüngstes Kind der Familie geboren. Ihre Mutter nannte sie Emma, ihre Geschwister Emmy. Nach der Volksschule erlernte sie ihren Traumberuf in Hagen: Hutmodistin. Die Kunden und ihr Chef waren begeistert von ihren Entwürfen. Später wechselte sie zur Konkurrenz, ebenfalls ein großes Manufaktur- und Konfektionsgeschäft in Hagen. Über Verkäuferin brachte sie es bis zur Abteilungsleiterin bei der Firma Atlanta Schuh GmbH. Ihr Bruder Felix arbeitete für dieselbe Firma. Ein Jahr arbeitete sie in Hildesheim, dann zwei Jahre als leitende Empfangsdame in Mainz. Dort verliebte sie sich in einen Mann, ließ sich schnell von ihren Eltern und der Schwester Kochen und Haushaltsführung beibringen, danach sollte geheiratet werden. Emma hatte unterdessen noch mehr Arbeit, da sie ihren kranken Vater Berthold pflegte, der 1935 im Krankenhaus in Villingen starb.

Symbolischer Stolperstein für Elsa Zaitschek
Symbolischer Stolperstein für Elsa Zaitschek | Bild: Matthias Jundt

Elsa fand wegen ihrer jüdischen Abstammung keine Arbeitsstelle mehr. Ihr Verlobter verschwand aus Mainz, aus Deutschland und aus ihrem Leben. Sie sah ihn nie wieder. Bis 1938 half sie daher im Geschäft von ihrem Bruder Felix mit, bekam dafür jährlich nur 1200 Reichsmark als Lohn. Als ihr Bruder das Geschäft aufgeben musste, verlor sie auch diese Einkommensquelle. Im September 1938 wurde die Familie nach Brünn übersiedelt. Emma war heilfroh darüber. Doch es sollte eine Falle werden. Die zehnköpfige Familie lebte jetzt wieder unter einem Dach in engen Verhältnissen. Die Bewohner in Brünn waren freundlich. Es war kein Vergleich zu Villingen. Nachdem die Nationalsozialisten in Prag einmarschiert waren, gehörte Brünn zum Protektorat Böhmen und Mären. Die Falle war zugeschnappt. Am 2. Dezember 1941 wurde die Familie von Brünn nach Theresienstadt deportiert. Von dort ging es für Elsa und Emma am 9. Januar 1942, um 14.40 Uhr, mit dem Transport „O“ weiter nach Riga. Es war eine beschwerliche Reise und es wurde in den Waggons immer kälter. 500 Juden aus Brünn und 500 Juden aus Prag kamen am 13. Januar 1941 am Rangierbahnhof Širotava an.

Stolperstein für Emma Zaitschek
Stolperstein für Emma Zaitschek | Bild: Fröhlich, Jens

Überall standen deutsche Soldaten mit Hun­den. Die Schwestern hatten Angst. Ihre Koffer wurden ihnen abgenommen. Etwa 120 Männer zwischen 18 und 40 Jahren sollten zur Seite treten. Sie wurden als Arbeitskommando für den Aufbau des Konzentrationslagers Salaspils selektiert. Alle anderen, so auch die beiden Schwestern, wurden in Busse geladen und in den Wald von Bikernieki gebracht. Dort wurden sie alle in ausgehobenen Gruben erschossen. Im Wald von Biernieki befinden sich die größten NS-Massengräber Lettlands. Hier fand die erste systematische Ermordung von Juden durch Massenerschießung während der Zeit des NS-Regimes statt. Vom Sommer 1941 bis zum Herbst 1944 sollen hier etwa 35 000 Menschen von der Sicherheitspolizei und lettischen Hilfskräften umgebracht worden sein.

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Massentragödie

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