Der seit Jahren zugewachsene Exerzierplatz der ehemaligen französischen Kaserne Lyautey in Villingen ist inzwischen gerodet. Erstes Zeichen, dass die Umwidmung des Kasernenareals zum künftige Wohngebiet bald losgeht. Gestern übergab Uwe Birk, der Vorstandsvorsitzende des Investors Deutsche Bauwert AG (DBA), den ersten Bauantrag an Oberbürgermeister Jürgen Roth. In den nächsten Jahren will die DBA auf dem Kasernengelände rund 330 neue Wohnungen schaffen.

Jetzt geht es los auf dem ehemaligen französischen Kasernengelände Lyautey. Uwe Birk, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bauwert AG, übereicht den ersten Bauantrang an die Stadt, hier vertreten durch Baubürgermeister Detlev Bührer (links) und Oberbürgermeister Jürgen Roth (rechts).
Jetzt geht es los auf dem ehemaligen französischen Kasernengelände Lyautey. Uwe Birk, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bauwert AG, übereicht den ersten Bauantrang an die Stadt, hier vertreten durch Baubürgermeister Detlev Bührer (links) und Oberbürgermeister Jürgen Roth (rechts). | Bild: Stadler, Eberhard

Attraktive Lage

Im ehemaligen Casino der Kaserne hat die DBA bereits ein Baubüro eingerichtet. Geschäftsführer Uwe Birk, der dort dass Projekt gestern im Beisein von OB Roth und Bürgermeister Detlev Bührer präsentierte, betonte den einzigartigen Charakter und die innenstadtnahe Lage des Projekt. Auf dem Areal mit 3,7 Hektar werden einmal 15 Wohngebäude stehen. Acht Gebäude werden vom Investor DBA neu gebaut (siehe Grafik: die Häuser mit den Nummern 1,3,5,9,12,13, 14, 15). Bei den sieben weiteren Gebäuden handelt es sich um bestehende, denkmalgeschützte ehemalige Kasernengebäude. Diese werden von der DBA kernsaniert und für moderne Wohnzwecke umgebaut.

So sollen die vier würfelartigen Mehrfamilienhäuser (“City Cubes“) aussehen, in denen 80 Wohnungen geschaffen werden.
So sollen die vier würfelartigen Mehrfamilienhäuser (“City Cubes“) aussehen, in denen 80 Wohnungen geschaffen werden. | Bild: Stadler, Eberhard

330 Wohnungen

Das Verkaufsvolumen der 330 Wohnungen beziffert der DBA-Geschäftsführer auf rund 100 Millionen Euro. Die Wohneinheiten werden einzeln verkauft. Das Interesse sei enorm. Bei einem Ortstermin kamen bereits 180 Kaufinteressenten. Birk vermutet aber, dass 80 bis 90 Prozent als Mietwohnungen auf den Wohnungsmarkt gelangen werden. Und diese würden in Villingen dringend gebraucht. Er schätzt, dass der Mietpreis pro Quadratmeter bei rund zehn Euro liegen dürfte, beim Kauf einer Eigentumswohnung bei rund 4000 Euro pro Quadratmeter. Günstiger sei es kaum machbar. Die DBA, die mit rund drei bis 3,5 Prozent Rendite rechne, stehe für Qualität. Alle Gebäude werden nach Kfw-55-Standard gebaut. Damit lassen sich die Nebenkosten deutlich senken. Durch eine modernen Gasheizzentrale, die das gesamte Quartier vorsorgt, werde viel CO2 eingespart.

Uwe Birk, Geschäftsführer der Deutschen Bauwirt, im Gespräch mit OB Jürgen Roth. Im Hintergrund der ehemalige Exerzierplatz, der 20 Jahre lang zugewachsen war, jetzt aber von Bäumen und Büschen befreit wurde.
Uwe Birk, Geschäftsführer der Deutschen Bauwirt, im Gespräch mit OB Jürgen Roth. Im Hintergrund der ehemalige Exerzierplatz, der 20 Jahre lang zugewachsen war, jetzt aber von Bäumen und Büschen befreit wurde. | Bild: Stadler, Eberhard

Start im Frühling

Im März oder April 2020 will der Bauträger DBA mit den Bauarbeiten für den Neubau einer Tiefgarage und dem Haus Nummer 9 beginnen. Das erste Haus, das neu gebaut wird, ist das Gebäude Nummer 9 an der Richthofenstraße. Hier sind im Erdgeschoss ein oder zwei gewerbliche Räume geplant, darüber 20 Wohnungen. Hier handelt es sich um staatlich geförderten Wohnungsbau, also Sozialwohnungen. Eventuell könnte darin auch ein betreutes Wohnprojekt für behinderte Menschen realisiert werden.

Balkonstreit verloren

Nicht durchgesetzt hat sich der Bauträger im Streit mit dem Landesdenkmalamt um die Anbringung von Balkonen (Dachloggien) in den Dachgeschosswohnungen der denkmalgeschützten Gebäude (Nummer 2, 4 und 6). Stattdessen werden diese Wohnungen nun mit größeren Dachverglasungen ausgestattet. Nach negativen Erfahrungen mit anderen Objekten, so schilderte Uwe Birk, habe das Landesdenkmalamt in der Loggia-Frage eine restriktivere Linie eingeschlagen. Die DBA hätte zwar noch ins Schlichtungsverfahren gehen können. Dann aber, so der Geschäftsführer, hatte sich der Baustart wohl um Monate verzögert.

Der Name Richthofen bleibt

Nicht geändert wird der Quartiersname „Von Richthofen-Park“. Am Name Richthofen (benannt nach dem Jagdflieger Manfred von Richthofen) hatte es zuletzt von Bürgern und Gemeinderäten Kritik gegeben. Birk sagte, für die Vermarktung der Wohnungen bleibe es bei diesem Namen, da die Gebäude an der Richthofenstraße liegen, und von den Kaufinteressenten so am besten gefunden werden.