„Der Straßenlärm ist ohrenbetäubend“, sagt Heidi Bull, die mit ihrem Mann seit 37 Jahren in einer Wohnung am Fürstenbergring 18 wohnt. Direkt an der Stelle, wo die Schwenninger Straße als Brücke den Fürstenbergring überquert. Bulls wohnen im obersten Stockwerk eines Mehrfamilienhauses.

Tatsächlich zeigt ein Besuch bei Bulls zuhause, dass eine beständige Lärmkulisse durch das geöffnete Küchenfenster hereindringt und man lauter sprechen muss, um einander zu verstehen – und dabei ist es erst 15 Uhr an einem Montagnachmittag.

Die Ruhe täuscht. Vor allem morgens und abends hat es hier viel Verkehr: Der Fürstenbergring und das Haus, in dem Bulls im obersten Stockwerk wohnen.
Die Ruhe täuscht. Vor allem morgens und abends hat es hier viel Verkehr: Der Fürstenbergring und das Haus, in dem Bulls im obersten Stockwerk wohnen. | Bild: Marcel Jud

„Besonders schlimm ist es morgens zwischen sechs und acht Uhr sowie abends ab 17 Uhr, wenn der Pendlerverkehr einsetzt“, so Heidi Bull. „Aber auch in der Nacht ist es manchmal so laut, dass es einem aus dem Bett haut“, ergänzt ihr Mann, Jochen Bull. Er arbeitet Schicht in einem Aluwerk und hat daher unregelmäßige Schlafenszeiten: „Ich müsste alle Fenster schließen und die Rollläden herunterlassen, aber gerade im Sommer geht das nicht. Ich schlafe daher immer mit Ohropax.“

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Auch Kinder leiden unter dem Lärm

Früher sei der Straßenlärm kein Problem gewesen, sagt Heidi Bull: „Aber die letzten zwei Jahre wurde es immer schlimmer.“ Immer mehr Lastwagen, auch mit Anhänger, würden über den Fürstenbergring donnern, um die Autobahn zu umfahren und Maut zu sparen. „Und oft führen auch Umleitungen über unsere Straße.“ Vor allem im Sommer werde der Fürstenbergring auch von Motorradfahrern und „Wochenend-Rasern“ genutzt, um Gas zu geben.

„Die letzten zwei Jahre wurde es immer schlimmer“, sagt Heidi Bull, die seit 37 Jahren am Fürstenbergring wohnt.
„Die letzten zwei Jahre wurde es immer schlimmer“, sagt Heidi Bull, die seit 37 Jahren am Fürstenbergring wohnt. | Bild: Marcel Jud

„Wenn ich in der Küche telefoniere, fragen mich die Leute am anderen Ende der Leitung jeweils, ob ich auf der Straße stehe“, sagt Heidi Bull. Dass der Verkehr auf dem Fürstenbergring in den vergangenen Jahren zugenommen hat, zeigt sich an den Fensterrahmen von Bulls Wohnung. „Sie können putzen, soviel Sie wollen, es ist immer grau.“

„Seit wir hier wohnen, schläft mein Sohn ganz schlecht“, sagt Linda Kupfer, die mit ihrer Familie vor drei Jahren an den Fürstenbergring gezogen ist.
„Seit wir hier wohnen, schläft mein Sohn ganz schlecht“, sagt Linda Kupfer, die mit ihrer Familie vor drei Jahren an den Fürstenbergring gezogen ist. | Bild: Marcel Jud

Das bestätigt Linda Kupfer, Bulls Nachbarin. Sie ist herübergekommen, als sie gehört hat, dass der SÜDKURIER zu Besuch ist. Kupfer wohnt seit drei Jahren am Fürstenbergring. „Es war von Anfang an schlimm. Der Lärm ist übel, richtig übel“, sagt die junge Mutter eines zehnjährigen Sohnes. „Seit wir hier wohnen, schläft mein Sohn ganz schlecht.“

Stadt plant derzeit kein Tempolimit

Linda Kupfer und das Ehepaar Bull verstehen nicht, dass nichts gegen den Verkehr und den damit einhergehenden Lärm getan wird. „Ein Tempolimit wäre am besten oder eine andere Form des Lärmschutzes“, so Heidi Bull.

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Die Stadt verweist auf SÜDKURIER-Anfrage darauf, dass bereits Geschwindigkeitsmessungen am Fürstenbergring vorgenommen wurden. „Unter anderem aufgrund der Hinweise von Anwohnern haben wir hier mit dem Enforcement Trailer Messungen gemacht“, sagt Pressesprecherin Oxana Brunner. Der Enforcement Trailer ist eine teilstationäre Geschwindigkeitsmessanlage, die derzeit von der Stadt an verschiedenen Orten in Villingen-Schwenningen getestet wird.

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„Im Sommer werden die Messungen dann ausgewertet und gegebenenfalls Rückschlüsse daraus gezogen“, so Brunner. Für den Fürstenbergring seien derzeit keine Maßnahmen wie etwa die Einführung von Tempolimits geplant. Aktuell lägen auch keine Beschwerden von Anwohnern beim Bürgeramt vor.

„Es ist aber auch grundsätzlich rechtlich schwierig, Tempolimits einzuführen“, erklärt Brunner. Deshalb gebe es zum Beispiel auch Straßen, wo Geschwindigkeitsbegrenzungen nur für wenige Meter gälten, etwa in der Nähe von Schulen. Brunner gibt zudem zu bedenken, dass Tempolimits nicht automatisch weniger Lärm bedeuten.