Früher war der Winter mein Freund. Beim ersten Frost schlitterte ich vergnügt über den glitzernden Boden und die ersten Krümelchen Schnee wurden zu kleinen Bällen geformt und den Schulkameraden in die Jacken gestopft. Nachmittags baute ich im Garten Schneemänner mit Rübennase, Hut und allem Drum und Dran. Das war ein Spaß! Unter der weißen Decke erschien die Welt auch gleich viel leiser und friedlicher, man freute sich auf das nahende Weihnachtsfest.

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Mittlerweile stecken der Winter und ich in einer tiefen Beziehungskrise – dabei hat er sich in all den Jahren kaum verändert. Nur sorgen die weißen Flocken jetzt nicht mehr für lustige Schneeballschlachten, sondern für Zugverspätungen auf dem Weg zur Arbeit. Auf dem glitzernden Frost schlittern nun keine Kinderschuhe, sondern Autoreifen hin und her und auch die nahenden Festtage lösen nicht mehr nur Freudensprünge aus. Schließlich muss ich mich jetzt selbst in das vorweihnachtliche Einkaufsgetümmel stürzen und mich durch überfüllte Geschäfte drängeln, aus denen im Wechsel „Last Christmas“ und diverse Helene-Fischer-Weihnachtslieder dröhnen. Einen Wunschzettel schreiben und darauf hoffen, dass die ersehnten Geschenke am Heiligabend wie von Zauberhand unter dem Christbaum erscheinen, war wesentlich gemütlicher.

Nicht der Winter hat sich verändert, sondern ich. Mehr Pflichten bedeuten weniger Zeit und das, was ich früher so an der kalten Jahreszeit mochte, beschert mir heute oft eine gehörige Portion Stress.

Also: Lieber Winter, ich erkläre unsere Beziehung – zumindest vorerst – für gescheitert. Und auch wenn der Satz dank unzähliger Fernsehschnulzen etwas überstrapaziert ist: Es liegt nicht an dir, sondern an mir.