Im Stadtwald von Villingen-Schwenningen besteht derzeit keine Gefahr, dass der Borkenkäferbefall zu einem Totalverlust der Fichtenwälder führt wie in anderen Regionen. Das ist die Kernaussage eines Lageberichtes, mit dem das Städtische Forstamt den Gemeinderat über den aktuellen Zustand des Stadtwaldes unterrichtet. Das Gremium befasst sich am morgigen Mittwoch in öffentlicher Sitzung mit diesem Lagebericht (Sitzungsbeginn: 18 Uhr, Neue Tonhalle).

Warum geht es dem städtischen Forstbetrieb besser wie vielen anderen? Dazu schreibt Forstamtsleiter Tobias Kühn in seinem Lagebericht: „Es ist dem großen Einsatz des städtischen Forstpersonals zu verdanken, dass die Situation im Stadtwald durch konsequente Suche von ‚Käferbäumen‘, rasche Aufarbeitung und ständigen Kontakt zu den Rundholzkunden mit Ziel einer schnellen Abfuhr vergleichsweise gut ist.“

Die Lage der Forstwirtschaft habe sich beginnend mit Sturmereignissen 2017/2018 und mit dem extremen Sommer 2018 „europaweit stark eingetrübt“, schreibt Kühn. In Mitteleuropa seien 2018 rund 100 Millionen Festmeter Schadholz auf die Märkte gekommen. Hinzu kam durch den langen Sommer 2018 eine verheernde Borkenkäfervermehrung, die sich nun 2019 auswirkt. Die Situation gilt als dramatisch. „In zahlreichen Wäldern Deutschlands steht die Forstwirtschaft inzwischen vor einem Totalverlust der Fichtenwälder. Ganze Regionen werden im Jahr 2020 ein völlig anderes Landschaftsbild haben“, heißt es in dem Lagebericht. Auch in Baden-Württemberg treffe dies für einige Regionen zu, etwa dem Hochrhein, dem Markgräflerland, dem Oberrhein und dem Bodenseeraum. Die Weißtanne fällt großflächig im Kinzigtal und in der Vorbergzone des Oberrheintales aus.

Alle Eschen sterben

Wie sieht es im städtischen Forst aus? In zwei Bereichen, in Weilersbach und Schwenningen, gibt es laut Lagebericht ebenfalls deutlich mehr Verluste bei der Weißtanne als in früheren Jahren. Dennoch habe die Weißtanne aufgrund ihres tiefgründig reichenden Wurzelsystems und weniger aggressiver Borkenkäferarten „eine deutlich bessere Prognose als die Fichte“, so der Forstamtsleiter.
Die Kiefer fällt in der Oberrheinebene großflächig aus, auch Altkiefern im Stadtwald fallen verstärkt aus.

Die Esche ist durch das Eschentriebsterben bereits überwiegend ausgefallen. „Im Stadtwald sind 11 Hektar Esche bereits abgestorben oder stehen kurz davor“, meldet das Forstamt. Neu tritt an Ahornarten ein Rußpilz auf. Im Stadtwald gibt es dazu noch keine Beobachtungen. Die Buche steht durch Trockenheit und nachfolgende Pilzinfektion auch in Baden-Württemberg erheblich unter Druck. Einzig Douglasie und Eiche sowie seltenere Baumarten (Hainbuche, Flatterulme, Birke) scheinen derzeit resistent.

Welche Baumarten haben Zukunft im Stadtwald? Laut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg (FVA) reduziert sich die Fichtenfläche künftig auf die Standorte in Höhenlagen oberhalb von 850 Metern. Die Weißtanne wird in unserer Region weiter positiv gesehen. Für Laubholz gibt es auf diesen höher gelegenen Gebieten nur relativ wenige geeignete Standorte, da die ebenen Buntsandsteinlagen zur Vernässung neigen und daher etwa für die Buche nicht geeignet sind. Das Baumartenverhältnis dürfte sich in den nächsten 20 Jahren zu einem Verhältnis von 80 Prozent Nadelholz und 20 Prozent Laubbäumen entwickeln (derzeit 91 zu 9 Prozent), bei den Nadelhölzer werden Fichte und Waldkiefer rückläufig sein, die Weißtanne zunehmen.