Wo geht die Reise hin in den kommenden acht Jahren – wird Villingen-Schwenningen tatsächlich als Oberzentrum wahrgenommen oder bleibt der Titel nur ein Papiertiger? Welche Impulse und Entwicklungen sind notwendig, um dem Anspruch, im Raum zwischen Stuttgart, Konstanz und Freiburg eine bedeutende Rolle zu spielen, gerecht zu werden? Diesen und vielen weiteren Fragen stellte sich der Neue im VS-Rathaus gerne – und Jürgen Roth enttäuschte seine Zuhörer nicht.

Kenner der kommunalen Szene

Die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg und der Gewerbeverband Oberzentrum (GVO) hatten eingeladen und die etwa 70 Gäste ließen sich in drei großen Themenblöcken über den Ist-Zustand und über aktuelle sowie geplante Maßnahmen informieren. Auf dem Podium fanden sich neben Jürgen Roth und Moderator Gerhard Vetter mit Thomas Albiez von der IHK und Jo Müller vom GVO zwei weitere Kenner der kommunalen Szene.

Am Podium von links beginnend: Architekt Jo Müller, Oberbürgermeister Jürgen Roth, Moderator Gerhard Vetter und IHK Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez.
Am Podium von links beginnend: Architekt Jo Müller, Oberbürgermeister Jürgen Roth, Moderator Gerhard Vetter und IHK Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez. | Bild: Rüdiger Fein

Er habe ich den ersten 129 Tagen seiner Amtszeit sehr viele Gespräche geführt und die Nachfrage nach Terminen sei so groß, dass die Planung bereits bis in den September reiche, so der neue OB, der zu Beginn der Veranstaltung gleich einmal deutlich machte, dass er sich und die Verwaltung als Dienstleister sehe. „Was kann ich für Sie tun?“, müsse die Fragestellung lauten, wenn ein Bürger ein Anliegen hat. Diese Ansage sei aber noch nicht in allen Abteilungen der Verwaltung angekommen, so Roth, der aber keinen Zweifel daran aufkommen ließ, dass er diesen Anspruch umsetzen werde. Architekt Jo Müller bescheinigte dem OB, dass „die Stimmungslage auf vielen Ämtern schon sehr viel besser ist“.

Wohnraum ist wichtiges Thema

Zu den Themenfeldern, die Moderator Vetter auf seinem Zettel stehen hatte gehörte auch die Frage nach bezahlbarem Wohnraum. Da sei man intensiv dran, betonte Jürgen Roth. Man wolle Nachfragen aller unterschiedlichen Ansprüche bedienen – von der erschwinglichen Zweizimmer-Wohnung bis zum hochwertigen Wohneigentum. Das Lebensumfeld müsse stimmen und dazu gehöre auch angemessener Wohnraum, erst dann werde es auch gelingen, dringend benötigte Fachkräfte nach Villingen-Schwenningen zu holen, schlug Thomas Albiez eine Brücke zu einem weiteren Themenblock, dem Mangel an ausgebildeten Facharbeitern. „Wir wollen und wir werden liefern“, versprach der Oberbürgermeister. Speziell im Baurechtsamt habe man bereits die Weichen gestellt.

„Riesiger Nachholbedarf“

Ein Thema, das Privathaushalte gleichermaßen umtreibt wie Handel und Gewerbe, ist der schleppende Ausbau der Breitbandversorgung. Architekt Jo Müller sieht hier einen dringenden Bedarf bei den Gewerbetreibenden. Er wisse um den riesigen Nachholbedarf, so der Schultes, und man gehe das intensiv an. „Wir bringen die Glasfaser ins Haus“, verspricht er und informiert über einen Investitionszuschuss von 30 Millionen Euro bei eigener Investition von drei Millionen Euro, der aktuell in der Antragsphase sei. Mit Blick auf den neuen G5-Standard versprach der neue OB, dass VS hier eine Vorreiterrolle einnehmen wolle.

Viele weitere drängende Themen wie der Straßenbau, die Wiederbelebung der „totberuhigten“ (Zitat Roth) Innenstädte oder auch die Modernisierung des ÖPNV kamen an diesem Abend zur Sprache und der Oberbürgermeister war gut vorbereitet und hatte zu allen Themenfeldern Antworten parat. Viele der Gäste lobten die klaren und nie ausweichenden Antworten und akzeptierten auch, wenn Jürgen Roth bei dem einen oder anderen Thema um Geduld bat. Der Applaus am Schluss der Diskussion zumindest war ehrlich gemeint.