Der Mangel an Kindergartenplätze in der Stadt spitzt sich weiter zu. Standen im vergangenen Herbst noch rund 300 Kinder auf der Warteliste, sind es inzwischen schon 420, berichtete gestern Abend der zuständige Amtsleiter der Stadt, Stefan Assfalg. Um die Situation zu verbessern, haben die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses die Schaffung weiterer Kapazitäten beschlossen.

100 neue Plätze

Haupursache der Misere: Weitaus mehr Eltern als erwartet wollen einen Kindergartenplatz für ihre unter drei Jahre alten Kinder. Die Stadt kommt, wie die meisten anderen Kommunen in Deutschland auch, mit ihrem Angebot ins Schwimmen und benötigt Zeit, um die erforderlichen Kapazitäten für den Mehrbedarf aufzubauen. Um die Situation mittelfristig zu verbessern, haben die Gemeinderäte im Jugendhilfeausschuss gestern beschlossen, die noch bestehenden Kinderhorte in den beiden großen Stadtbezirken zum Ende des Kindergartenjahres 2020 zu schließen. Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, die Hortplätze schnellstmöglich in Kindergartenplätze für über dreijährige Kinder (Ü-3-Plätze) umzuwandeln. Wie berichtet, läuft dieser Prozess schon seit geraumer Zeit. Das pädagogische Personal in den Kinderhorten wird an die neuen Ganztages-Grundschulen der Stadt verlagert, die Horte geschlossen. In diesen Räumlichkeiten können nun 137 bisherige Hortplätze in künftig über 100 neue Kindergartenplätze umgewandelt werden.

Ein Hort für Marbach

Die Auflösung der Horte gilt nicht für die kleinen Stadtbezirke. Nachdem sich der Gemeinderat wiederholt für den Erhalt der Dorfschulen ausgesprochen hat, wurden in Obereschach und Rietheim neue Hortangebote an den Grundschulen geschaffen, die sonst von Auflösung bedroht gewesen wären. Der Jugendhilfeausschuss stimmte gestern außerdem zu, dass im Kindergarten Marbach ebenfalls eine Hortgruppe eingerichtet wird, um auch den Marbacher Grundschülern eine Ganztagesbetreuung anbieten zu können. Für 14 Kinder ist hier Bedarf angemeldet.

120 Plätze auf der Möglingshöhe

Ebenfalls mit breiter Mehrheit hat das Gremium dem Konzept einer neuen Kindertagesstätte auf der Schwenninger Möglingshöhe zugestimmt, die von der Arbeiterwohlfahrt betrieben wird. Ursprünglich war dort eine viergruppige Einrichtung geplant. Doch angesichts der fehlenden Kindergartenplätze ist jetzt eine sechsgruppige Kindertagesstätte für 120 Kinder von drei bis sechs Jahren mit einem heilpädagogischen Schwerpunkt geplant. Das heißt, dass hier auch verhaltensauffällige Kinder aus dem ganzen Schwenninger Stadtgebiet betreut werden. Möglicher Baubeginn ist im Frühjahr 2020. Stadtrat Henning Lichte (Freie Wähler) befürchtete aber, dass der Kindergarten auf der Möglingshöhe am falschen Standort stehe. Pfarrer Michael Schumacher von der katholischen Kirchengemeinde hatte ähnliche Bedenken. Außerdem vermisste er belastbare Kostenangaben. Der zuständige Amtsleiter Stefan Assfalg wies die Bedenken zurück und verwies auf das drängende Probleme: „Wir haben elementaren Platzbedarf. Wir können es uns nicht leisten, räumliche Möglichkeiten nicht zu nutzen.“ Die breite Mehrheit im Ausschuss sah dies genauso und stimmte zu.

Lagebericht im Herbst

Assfalg ergänzte, dass bei der Stadt und den freien Trägern derzeit zahlreiche Aktivitäten am Laufen sind, um die Kapazitäten auszuweiten. Einen Überblick über die Situation der Kindergarten-Planung will er im Herbst vorlegen.