Andreas Holler-Kassim, Fachkraft für Trinkwassertechnik bei den Stadtwerken, blickt am Montagnachmittag zufrieden auf das Reagenzglas in seiner Hand. Das Wasser, das er am Druckreglerschacht im Schwenninger Waldeckweg entnommen hat, hat sich leicht rosa gefärbt.

Holler-Kassim nickt, sagt: "Ich sehe schon, da wird ein guter Messwert zusammenkommen" und steckt das Glas in eine kleine mobile Messstation. Das Display zeigt nach wenigen Sekunden einen Chlorwert von exakt 0,21 Milligramm pro Liter. Ein guter Wert. "Das heißt, die Anlage arbeitet schön gleichmäßig", sagt Holler-Kassim.

Keime im Trinkwasser gefunden 

Seit am Freitag vergangener Woche coliforme Keime im Trinkwassernetz in Schwenningen gefunden wurden, wird im Hochbehälter Türnleberg wieder gechlort. Versorgt werden damit die Stadtbezirke Schwenningen, Zollhaus und Hardthöfe, der Zentralbereich, Weilersbach, Nordstetten, Teile der Wöschhalde, Mühlhausen und Obereschach und Dauchingen.

Laut Trinkwasserverordnung darf der Chlorwert 0,3 Milligramm pro Liter nicht über- und 0,1 Milligramm pro Liter nicht unterschreiten. Der von den Stadtwerken angestrebte Wert liegt zwischen 0,20 und 0,25 Milligramm pro Liter. Um das ständig zu überprüfen, legen die Mitarbeiter der Stadtwerke seit Freitag wieder Sonderschichten ein. Sechs Stunden war Holler-Kassim am Sonntag im Einsatz, hat an unzähligen Hydranten und Druckreglerschächten den Chlorgehalt gemessen und in die Zentrale übermittelt.

Ursache unklar

Warum die Verunreinigung im Schwenninger Netz aufgetaucht ist, darauf haben die Stadtwerke noch keine Antwort. Da die Ursache unbekannt sei, wisse man auch nicht, warum es ausgerechnet in Schwenningen passiert ist, sagt die Pressesprecherin der Stadtwerke, Susanna Kurz.

Wie lange noch gechlort werden muss, das kann aktuell noch niemand sagen. "Dazu können wir derzeit keine Angabe machen", sagt Susanna Kurz. Wie im vergangenen Jahr werden auch wieder Wasserproben an ein externes Prüfinstitut geschickt, sind die Proben dreimal negativ, kann wieder Entwarnung gegeben werden. Das Ergebnis der ersten Probe wird noch in dieser Woche erwartet. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten.

  • Können auch im Stadtbezirk Villingen noch coliforme Keime entdeckt werden? Da bislang der Auslöser für die Keime im Schwenninger Wasser nicht klar sei, "können wir keine Aussage zur Wahrscheinlichkeit treffen", so Kurz. Beim Auftreten coliformer Keime im Trinkwasser handele es sich zudem um kein lokales Problem von Villingen-Schwenningen. "Während der Hitzeperiode waren und sind viele Kommunen in Baden-Württemberg davon betroffen."
  • Wie ist aktuell die Temperatur in den Leitungen? Die Temperaturen schwanken. "Es gibt nicht 'die' Temperatur in den Leitungen." Ein Grund für die Temperaturunterschiede liegt beispielsweise darin, dass das Wasser des Hochbehälters Türnleberg direkt aus dem Bodensee eingespeist wird. Von der Bodenseewasserversorgung (BWV) in Sipplingen aus wird das Wasser mit einer Temperatur von etwa sechs Grad auf den Weg zu den Verbandsgemeinden der BWV geschickt. Im Hochbehälter Türnleberg hat es bei Netzabgabe etwa acht Grad. In den Leitungen des Wassernetze – die sind in einer Tiefe zwischen 1,40 Metern und 1,75 Metern verlegt – erwärmt sich das Wasser noch einmal deutlich schneller, wie aktuell in Schwenningen. "Dort haben wir eine Probe entnommen, die eine Temperatur von 22 Grad hatte." Auch durch die Lage der Leitungen lassen sich Temperaturunterschiede erklären. "Das Wasser, das durch eine Leitung im freien Feld, am Waldrand oder unter ähnlichen Bedingungen fließt, wird sich weniger stark erwärmen als Wasser, das in einer Leitung unter versiegelter Fläche wie etwa einer Straße liegt." Bitumen, Beton, steinerner Unterbau speichern die Wärme und geben diese auch über Nacht an das Wasser ab.
  • Wie oft wird das Wasser beprobt? 100 Proben werden pro Jahr im gesamten Versorgungsgebiet genommen, so Kurz. Diese Anzahl schreibe die Trinkwasserverordnung vor und richtet sich nach der verteilten Tagesmenge. Nach den Ereignissen im vergangenen Sommer haben sich die Stadtwerke jedoch dazu entschieden, die Probenahmen zu erhöhen. Auf freiwilliger Basis werden so nun 50 zusätzliche Probenahmen pro Jahr durchgeführt.
  • Wird jetzt etwas anders gemacht, als beim letzten Mal? In diesem Jahr konnten die Stadtwerke schneller reagieren. Durch die Erfahrungen im vergangenen Jahr, war man "technisch besser auf die Anforderungen einer Trinkwasserchlorung vorbereitet", so Kurz. "Wir haben die Chlorung schneller gestartet und sofort umgesetzt." Bereits nach dem ersten negativen Probebefund. "Üblicherweise wird noch ein zweiter Befund abgewartet, wir sind jedoch in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt gleich tätig geworden."
  • Muss jetzt jedes Jahr mit solchen Vorfällen gerechnet werden? "Wie es nach dem neuerlichen Vorkommen weitergeht, werden wir zeitnah mit dem Gesundheitsamt, externen Fachleuten sowie dem Aufsichtsrat der SVS abklären."

Rückblick:

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