Nach dem der Folk-Club Villingen aus Frust über die Beschneidung seiner Konzerte auf 22 Uhr jünst mit einem Paukenschlag seinen Auszug aus dem Kulturzentrum Scheuer verkündet hatte, begeben sich die Mitglieder nun auf die Suche nach Ersatzräumen. Diese Woche trafen sich der Kreis der Aktiven zur ersten Sitzung. "Wir haben noch keine Lösung gefunden. Es wird auf jeden Fall nicht einfach", fasste der Vorsitzende Richard Hehn das Ergebnis zusammen. Bei der Zusammenkunft wurden Aufträge verteilt werden, wer sich um die Klärung verschiedener räumlicher Optionen kümmern wird, berichtet Hehn.

  • Der Folk-Club und die Scheuer: Das war seit 1976 eine untrennbare Einheit. Dass es hier zur Trennung kommt, war nicht vorstellbar. Bis die Stadt vor wenigen Jahren den Bau eines Mehrfamilienhause neben der Scheuer genehmigte und sich Lärmbeschwerden von ein, zwei neuen Nachbarn häuften. Die Einschränkungen haben für den Club nun ein Maß angenommen, die er offenbar nicht mehr tragen will, er lässt daher sein Veranstaltungsprogramm zum Jahresende auslaufen. Wie es weitergeht, wenn in den nächsten Monaten keine Ersatzlösung gefunden wird, steht bislang in den Sternen. Durchaus denkbar, sagt der Vorsitzende Richard Hehn, dass es eine Übergangszeit gebe ohne Folk-Club-Konzerte.
  • Stadt droht: Von der Stadt fühlten sich die ehrenamtlichen Idealisten im Stich gelassen. Die hätte Abhilfe schaffen können in Form baulicher Lärmschutzmaßnahmen. Die zuständigen Ämter würden sie am "ausgestreckten Arm verhungern lassen." Tief verärgert sind sie zudem, dass die Stadt im März rigide angedroht hatte, dem Folk-Club die Nutzung der Scheuer zu untersagen, sollte er noch einmal die 22-Uhr-Frist zur Beendigung eines Konzertes nicht einhalten. Nach Darstellung des Folk-Clubs war dies die erste Überziehung seit zwei Jahren. Der Vorfall zeige, "dass man seitens der Stadtverwaltung offensichtlich nicht mehr an einer Lösung des Problems arbeitet, oder auch nur Interesse daran hat, sondern dass wir mittlerweile zu einem nur noch lästigen Störfaktor geworden sind."
  • Nein zum Klosterhof: Die Verwaltung, so kritisieren sie, habe nichts anderes im Sinn, als den Verein und seine Veranstaltungen in das neue Jugendkulturzentrum am Klosterhof hineinzudrängen. Und genau diese Option lehnt der Club trotzig ab. Hehn weist darauf hin, dass der Verein keine Jugendkultur veranstalte, sondern Erwachsenenkultur. Dieses Programm gehöre in die Innenstadt, nicht an den Stadtrand.
  • Zuspruch und Kritik: Aus den Gemeinderatsfraktionen kam als Reaktion viel Zuspruch und Wertschätzung für den Folk-Club. Unterstützung signalisierten fast alle Fraktionen, doch eine schnelle Lösung haben auch die Politiker nicht in der Tasche. Es gibt aber auch eine kritische Stimme. Renate Breuning (CDU) erklärte auf Nachfrage, dass die Vorwürfe des Clubs an die Stadtverwaltung nicht gerechtfertigt seien. Die Stadt könne und dürfe sich nicht über das Lärmschutzgesetz hinwegsetzen, auch wenn es nur um eine einzige Person gehe, die sich beschwere. Die "beleidigte Reaktionen" des Folk-Clubs bewertete sie als "eigenartig". Als einzige kurzfristige Lösung sieht auch Breuning nur die Möglichkeit, dass der Club seine Konzerte im neuen Jugendkulturzentrum veranstaltet. "Wenn der Folk-Club dies nicht akzeptiert, muss er sich selbst um Räume kümmern", findet sie.