Es war Ende 2011, als sich Winfried F. aus Villingen einen Jahreswagen zulegte: Einen Golf 6 Diesel. Für ihn der Anfang eines automobilen Dramas. Er würde den Wagen gerne loswerden, Stichwort Dieselskandal und Dieselfahrverbote in immer mehr Städten. Inzwischen hat er den VW-Konzern verklagt. Doch der Rechtsstreit hat noch nicht einmal begonnen, ein Ende ist erst recht nicht in Sicht.

Die Geschichte des Maschinenbau-Ingenieurs dürfte typisch sein für viele VW-Kunden hierzulande. Für die Betroffenen entpuppt sich das Thema als unendliche Geschichte, bei der dem deutschen Verbraucher seine relative Machtlosigkeit vor Augen geführt wird. 2014 hat die US-Umweltbehörde die Manipulationen von Volkswagen an der Abgasanlage durch eine „Betrugs-Software“ öffentlich gemacht. Es dauerte über zwei Jahre, bis Winfried F. im Dezember 2016 einen Brief vom Volkswagenkonzern wegen der „Stickoxidproblematik“ bekam.

Eine verpflichtende Hardware-Nachrüstung scheiterte 

Angeboten wurde ihm eine Software-Umrüstung für das Fahrzeug. Winfried F. ließ diese im Jahr 2017 durchführen. Dann tauchten Nachrichten auf, dass die Software-Nachrüstung dem Motor schaden könne. Verbraucherverbände und einige Parteien forderten Hardware-Nachrüstungen für die betroffenen Fahrzeuge. Neue Hoffnung keimte bei den Betroffenen auf, so auch bei Winfried F, doch die Regierung und die Hersteller mauerten.

Im Juni 2018 folgte das erste Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge in Hamburg, weitere Städte folgten. Bei Winfried F. reifte der Beschluss: „Ich will das Auto loswerden.“ Da er auch beruflich mit dem Wagen unterwegs ist, „brauche ich ein Auto, mit dem ich uneingeschränkt überall hinfahren kann.“

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Im Dezember 2018 ging er zum Anwalt und reichte Klage auf Rückerstattung des Kaufpreises ein. Anfang des Jahres bekam er vom Landgericht Konstanz einen Prozesstermin für Mitte Juni mitgeteilt. Doch es kam anders.

Ende Mai teilte das Landgericht dem Klagenden in dürren Worten mit, dass der Gerichtstermin aufgehoben werde: Aus organisatorischen Gründen müsse das zuständige Dezernat geteilt und mit neuen Richtern besetzt werden. Erst wenn die Neubesetzung erfolgt sei, könne ein neuer Verhandlungstermin angesetzt werden. „Ich habe gedacht, ich bin im falschen Film“, berichtet der Klagende. Je länger sich die Sache hinziehe und je älter sein Auto werde, umso geringer sei der Restwert und damit die Rückerstattung.

Das Landgericht bestätigte dem SÜDKURIER die Terminabsage aus geschildertem Anlass. Ein halbes Jahr Frist bis zur Verhandlung sei aber „eine ganz übliche Zeitdauer“, betonte eine Gerichtssprecherin. Zugleich wies sie darauf hin, dass die zahlreichen Diesel-Prozesse eine „erhebliche Zusatzbelastung“ der Gerichte bedeuteten.

„Bei uns gibt es Richter, die verhandeln die VW-Fälle im Halbstundentakt“, schildert die Gerichtssprecherin die Dimension dieser Klagewelle.

Für Winfried F. wenig tröstlich. Er fühlt sich von VW betrogen und hingehalten, von der Politik im Stich gelassen, von der Justiz versetzt. „Ich war ein treuer VW-Kunde, vom ersten Käfer weg. Jetzt habe ich die Faxen dicke und würde keinen Volkswagen mehr kaufen.“ Dass der Konzern Milliardengewinne einfahre, die betrogenen Diesel-Fahrer aber nicht freiwillig entschädige, findet er als alter VW-Kunde besonders unerträglich.