Ein großes 100 Jahre altes Holzbrett steht mitten im Raum in der kleinen Keller-Werkstatt in Rietheim-Weilheim im Kreis Tuttlingen. Der Kopf einer Villinger Fasnet-Figur ziert die Holzmaserung. Künstler Joachim Strölin zieht mit einem Borstenpinsel weitere Striche, verstärkt Bereiche des Kragens und schaut immer wieder auf seinen Tablet-Computer, der rechts neben ihm auf dem Heizkessel steht. Auf dem Bildschirm blickt dem Betrachter der selbe Surhebel wie auf dem Holzbrett entgegen. Linker Hand, zwischen Hammer und Schraubenzieher, stehen Pinsel und Farben.

Video: Jens Fröhlich

„Beim Malen kann ich abschalten, bin ganz auf das Bild fokussiert“, erzählt der 51-Jährige über sein Hobby.

Von Beruf ist er Entwicklungsingenieur und entwirft Medizintechnik-Produkte. Er sei ein visueller Mensch, sagt er von sich, sowohl im Beruf als auch bei seinem Hobby. Doch wie kommt der Maler aus dem dem schwäbischen Teil des Nachbarlandkreises dazu, Villinger Fasnet-Figuren auf Leinwand und Holz zu zaubern? „Angefangen hat alles mit einem Rottweiler Schantle“, erinnert sich der Linkshänder, der zudem leidenschaftlicher Fotograf ist. Bei Foto-Aufnahmen habe er einen Freund in seinem Häs in Szene gesetzt. Daraus fertigte der 51-Jährige später ein Bild mit der Enkaustik-Maltechnik. Das Ergebnis kam in seinem Umfeld so gut an, dass Strölin auch für eine Freundin aus Villingen ein solches Kunstwerk schuf.

Video: Jens Fröhlich

Mittlerweile blickt er auf knapp zehn Enkaustik-Arbeiten und Acryl-Malereien mit Bezug zur Villinger Fasnet zurück. „Mir gefällt der starke Ausdruck, die Falten im Gesicht, der individuelle Blick der Schemen“, erzählt Strölin begeistert. Das sei wie beim Fotografieren: „Ich mache auch lieber Bilder von einem alten, gezeichneten Mann, als von einem makellosen Model“, so der Künstler. Ganz wichtig ist ihm, dass die Vorlage stimmt. Daher fotografiert er die Vorlagen für seine späteren Bilder am liebsten selbst und sorgt dabei für optimale Lichtverhältnisse.

Dieses Foto dient als Vorlage. | Bild: Joachim Strölin

Danach folgt die Bearbeitung am Computer. Kontraste werden stark erhöht, Filter verfeinern die Fotos zusätzlich.

So sieht das Foto nach der Bearbeitung am Computer aus. | Bild: Joachim Strölin

Bei Acrylbildern malt der 51-Jährige diese Vorlage auf verschiedene Hintergründe. Bei der Wachstechnik druckt er das Foto zuerst groß aus, bevor es mit Wachs veredelt wird.

Fertiges Enkaustik-Bild von einer Altvillingerin. <em>Bild: Joachim Strölin</em>
Fertiges Enkaustik-Bild von einer Altvillingerin. | Bild: Joachim Strölin

Beide Techniken haben für Strölin einen eigenen Reiz. Bei Wachsbildern sei mehr Vorarbeit nötig, Werke mit Acryl-Farben seien malerisch anspruchsvoller. Sein Können hat sich Strölin von klein auf selbst beigebracht. „Vor der Computerzeit habe ich viel gemalt“, erinnert er sich und zeigt ein Album mit Portrait-Bildern aus dem Jahr 1996, die er damals noch mit speziellen Buntstiften angefertigt hat. Später beschäftigte er sich mehr mit Bildbearbeitung und dem digitalen Malen. Erst vor wenigen Jahren hat er die klassische Malerei wieder für sich entdeckt und seinen ganz eigenen Stil entwickelt, eine Kombination aus Malerei und den digitalen Möglichkeiten.

Video: Joachim Strölin

Einige seiner Werke sind noch bis Ende des Jahres im vorübergehend eingerichteten Verkaufsraum des Heimathafens VS in der Brunnenstraße zu sehen.