Die Bauarbeiten in den der ehemaligen Wohnsiedlungen des französischen Militärs laufen auf Hochtouren.

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Das Großprojekt des Bündnisses für faires Wohnen soll im Kostenrahmen und im Zeitplan liegen. Was wurde bereits erledigt, wo wird aktuell gebaut und wie geht es weiter? Der SÜDKURIER hat sich auf der größten Sanierungsbaustelle der Doppelstadt umgeschaut.

Video: Fröhlich, Jens

Geschichte: Die Franzosenwohnungen, oder das Franzosenquartier, wie die Gebäude genannt werden, liegen an der Kirnacher-, Dattenberg- und Pictoriusstraße. Sie waren Teil des Cité Pictorius, einer Wohnsiedlung der französischen Streitkräfte für Zivil- und Militärpersonal sowie deren Familien. Gebaut wurden sie zwischen 1953 und 1957. Die französische Präsenz in Villingen erstreckte sich von 1945 bis 2015. Bis 2014 waren sie noch von französischen Soldaten und ihre Familien belegt. Ein Jahr später wurden die Gebäude als Bedarfsorientierte Erstaufnahme-Einrichtung (BEA) für Flüchtlinge genutzt. Ende 2017 verkaufte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) die Wohnblöcke an die Erwerbsgesellschaft Bündnis für faires Wohnen, bestehend aus Wohnungsbaugesellschaft Villingen-Schwenningen (WbG), Spitalfonds Villingen, Familienheim Schwarzwald-Baar-Heuberg und der Baugenossenschaft Villingen.

Bild: Hans-Jürgen Götz

Was bisher geschah: Nach einer kurzen Planungphase starteten die Bauarbeiten für das Großprojekt im Oktober 2018, um den straffen Zeitplan einhalten zu können. Einige Vorarbeiten wurden schon davor erledigt. Die Bedingung für die Erwerbsgesellschaft war, bereits im April 2019 erste Wohnungen für rund 100 Studenten der Polizeihochschule fertig zu stellen, um den Hochschulstandort in der Doppelstadt zu halten.

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Der Termin konnte eingehalten werden. Die kleineren Gebäude an der Dattenbergstraße 13-15 sowie an der Pictoriusstraße 2, 3 und 4 konnten pünktlich bezogen werden. Diese vier Objekte waren alle in einem guten Zustand, der Aufwand dadurch geringer. Mieter für alle Wohnungen ist das Land Baden-Württemberg. Das Mietverhältnis ist auf sechs Jahre vertraglich vereinbart. Das Land hat die Option auf eine Verlängerung.

In diesen drei Häusern an der Pictoriusstraße sowie in der Dattenbergstraße 13-15 (nicht im Bild) sind Anfang April die ersten 100 Studenten eingezogen. Das Bild entstand von der Baustelle in der Dattenbergstraße 9-11 aus.
In diesen drei Häusern an der Pictoriusstraße sowie in der Dattenbergstraße 13-15 (nicht im Bild) sind Anfang April die ersten 100 Studenten eingezogen. Das Bild entstand von der Baustelle in der Dattenbergstraße 9-11 aus. | Bild: Fröhlich, Jens

Aufteilung und Zeitplan: Die Projektpartner teilen sich die Aufgaben, tauschen sich aus und unterstützen sich gegenseitig. Jeder ist federführend für einzelne Häuser verantwortlich. Die WbG stemmt die größte Herausforderung. Sie hat die Gebäude Kirnacherstraße 45-47, Dattenbergstraße 1-3, 9-11 und 13-15 sowie die Pictoriusstraße 4 übernommen. Familienheim ist für die Kirnacherstraße 41-43 und die Pictoriusstraße 2 verantwortlich, die Baugenossenschaft hat die Häuser Kirnacherstraße 37-39 und Pictoriusstraße 3 übernommen. Anfang September müssen die Gebäude an der Kirnacherstraße fertig sein. 200 weitere Studenten ziehen ein. Am 1. April 2020 soll das Haus Dattenbergstraße 1-3 bewohnbar sein, die Fertigstellung der Dattenbergstraße 9-11 ist für Februar 2021 geplant.

Zwischen acht bis 16 Wochen liegen die Bauarbeiten in der Dattenbergstraße 9-11 im Vergleich zu den anderen Gebäuden zurück.
Zwischen acht bis 16 Wochen liegen die Bauarbeiten in der Dattenbergstraße 9-11 im Vergleich zu den anderen Gebäuden zurück. | Bild: Fröhlich, Jens

Fakten zur Baustelle: 35 Millionen Euro kostet die Sanierung insgesamt. 10 000 Quadratmeter Wohnfläche entstehen. 2096 Quadratmeter pro Haus an der Kirnacher- und der Dattenbergstraße. Insgesamt werden 1226 neue Fenster verbaut, 727 Innentüren installiert und 34 Kilometer Strom- und Datenkabel verlegt. Dafür mussten die Wände und Böden auf rund 24 Kilometer Länge aufgespitzt und zwölf Kilometer Kunststoff-Leerrohre verlegt werden.

Im Haus Dattenbergstraße 1-3 werden derzeit Leitungen verlegt.
Im Haus Dattenbergstraße 1-3 werden derzeit Leitungen verlegt. | Bild: Fröhlich, Jens

Bauarbeiten: In der Kirnacher- und Dattenbergstraße werden aktuell die zusätzlichen Stockwerke gebaut. Die alten Dachstühle wurden abgerissen, der Aufbau in Holzkonstruktion und Flachdach schreitet voran. Außen wachsen derweil zwei Aufzugsschächte pro Haus aus Beton-Fertigelementen empor. Inne werden momentan Fliesen gelegt, ehe sanitäre Anlagen und Küchen installiert werden, Wände, Decken und Fußböden den finalen Schliff erhalten.

In den oberen Stockwerken laufen bereits die Fliesenlegearbeiten in den Badezimmern und in den Küchen. Die Handwerker arbeiten sich von oben nach unten durch das Gebäude.
In den oberen Stockwerken laufen bereits die Fliesenlegearbeiten in den Badezimmern und in den Küchen. Die Handwerker arbeiten sich von oben nach unten durch das Gebäude. | Bild: Fröhlich, Jens

Die ausführenden Handwerksbetriebe seien fast alle aus der Region, berichten die Bündnispartner, die die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten und der Stadtverwaltung hervorheben. "Die Baustelle macht richtig Spaß", fügt Bauleiter Jürgen Kern hinzu. Das Haus Dattenbergstraße 1-3 liegt beim Baufortschritt rund acht Wochen zurück. Hier werden derzeit Kabel und Leitungen verlegt. Im Haus Nummer 9-11 liegen die Arbeiten weitere acht Wochen hinterher. Das Gebäude wird entkernt, Böden und Wände werden aufgespitzt und Wände gemauert.

Video: Fröhlich, Jens

Wohnungen: Die Wohnungen haben rund 100 Quadratmeter Wohnfläche. Die großen Häuser an der Kirnacher- und Dattenbergstraße bekommen jeweils zwei Haupteingänge mit Aufzügen, über die man je zwei Wohnung pro Stockwerk erreicht. Nur oben im neuen Stockwerk sind drei Wohnungen geplant. Die Wohnungen sind für vier bis fünf und zwei bis drei Personen ausgelegt.

Hier wird die Eingangstüre der Wohnung stehen. Im Hintergrund ist der Flur erkennbar, von wo aus es in die einzelnen Zimmer, Bad, Küche und in das Gäste-WC geht.
Hier wird die Eingangstüre der Wohnung stehen. Im Hintergrund ist der Flur erkennbar, von wo aus es in die einzelnen Zimmer, Bad, Küche und in das Gäste-WC geht. | Bild: Fröhlich, Jens

Jede Einheit hat eine Küche, ein Bad mit zwei Waschbecken, Toilette und Dusche, ein Gäste-WC sowie eine Vorratskammer. Internet wird über WLAN-Netzwerke realisiert. Der Anschluss dafür wird vorbereitet. Eine LAN-Verkabelung der Zimmer ist nicht vorgesehen. Ein Anschluss für Waschmaschine und Trockner ist vorhanden. Die Zimmer sind zwischen 14 und 16 Quadratmeter groß.

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Nachhaltig: Mit 18 Zentimeter dicker Mineralwolle werden die Gebäude gedämmt, ebenso sie Dächer. Styropor sei zwar rund 30 Prozent günstiger, aber nicht nachhaltig, erklären die Verantwortlichen mit Blick auf die Entsorgung.

Eine 18 Zentimeter dicke Schicht aus Mineralwolle sorgt für eine gute Wärmedämmung.
Eine 18 Zentimeter dicke Schicht aus Mineralwolle sorgt für eine gute Wärmedämmung. | Bild: Fröhlich, Jens

Der Holzaufbau wurde mit dünnen Holzfasermatten isoliert, weil hier auch die Wände mit Dämmmaterial gefüllt sind, erklärt der Bauleiter.

Der Hozaufbau auf dem Dach ist lediglich mit einer dünnen Schicht aus Holzfasern gedämmt. Hier bieten jedoch auch die mit Dämmmaterial gefüllten Wände Schutz.
Der Hozaufbau auf dem Dach ist lediglich mit einer dünnen Schicht aus Holzfasern gedämmt. Hier bieten jedoch auch die mit Dämmmaterial gefüllten Wände Schutz. | Bild: Fröhlich, Jens

Die Gebäude entsprechen dem KfW 55-Standard. In jedem Gebäuden sorgt ein moderner Pelletofen zentral für Wärme. Die Lagertanks wurden im Erdreich neben den Häusern platziert. Viele Bürger fragen sich, warum die Balkone abgerissen wurden. "Sie waren baufällig und stellten eine Kältebrücke dar", erklärt Kern. Die neuen Balkone werden von einer Metallkonstruktion getragen, entkoppelt vom Gebäude.

Die Häuser bekommen wieder Balkone. Bauleiter Jürgen Kern zeigt auf dem Bauplan, wie das künftig aussehen wird.
Die Häuser bekommen wieder Balkone. Bauleiter Jürgen Kern zeigt auf dem Bauplan, wie das künftig aussehen wird. | Bild: Fröhlich, Jens

Wohnungsmarkt: Die Lage in VS sei angespannt, sagt Familienheim-Vorstand Martin Renner. Mit der Investition des Bündnisses entlaste man den Markt zwar nicht direkt, man fange jedoch die steigende Nachfrage durch Studenten auf. Auf lange Sicht, wenn wieder weniger Polizisten studieren, sollen die Wohnungen von der WbG und den Genossenschaften vermietet werden. Und das zu einem attraktiven Preis, wie Renner vorrechnet. Aktuell liege der Mietspiegel in VS bei knapp sieben Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Die Genossenschaft verlange 5,40 Euro. Ein weiterer Vorteil: "Unsere Mieter haben lebenslanges Wohnrecht." Gerne würde das Bündnis für faires Wohnen auch den Zuschlag für das Mangin-Gelände von der Stadt erhalten und dort günstigen Wohnraum schaffen. "Wir stehen parat", so WbG-Geschäftsführer Rainer Müldner. 500 bis 600 Wohnungen könnten dort entstehen. Renner wirbt ebenfalls für das Bündnis: "Wir haben viel Erfahrung und können gut rechnen." Wer letztlich den Zuschlag erhält, steht aber noch nicht fest.

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