Die müssen verrückt sein, denkt sich so mancher, der während der Deutschlandspiele bei Welt- und Europameisterschaften am Haus der Simons vorbeiläuft. Und das sind die Simons tatsächlich: nämlich fußballverrückt. Seit 2006 verwandelt sich das Haus der Simons in eine Fußballarena für 30 bis 40 Freunde der Familie. Zentrum ist das Wohnzimmer, das zu den Deutschlandspielen zum Stadion wird.

Kroooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooosartig!
Kroooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooosartig!

Herbert "Herby" Simon hatte in geheimer Mission mit wenigen Mitwissern eine Bühne passgenau für das Wohnzimmer geplant. Modular zum schnellen Auf- und Abbau und in L-Form wurde sie so gebaut, wie man es aus einer Sauna kennt. Seine Frau Silvia, nichtsahnend, was ihr Herby da wieder ausheckt, wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Ihr Kommentar dazu: "Ihr dürft alles machen, was ihr wollt, aber am gleichen Abend muss mein Sofa wieder an Ort und Stelle stehen."

Seither gibt es das Spektakel alle zwei Jahre. Auch am Mittwoch, wenn um 16 Uhr der Anstoß zum Spiel Deutschland gegen Südkorea erfolgt. Alle packen mit an, räumen das Wohnzimmer aus und routiniert, weil jeder, weiß wo er anpacken muss, wird die Bühne aufgebaut. In kurzer Zeit wird aus der guten Stube ein Fußballstadion. "Das Ganze steht und fällt mit den Nachbarn", sagt Herby, der dankbar dafür ist, dass die so gut mitmachen. So war es auch am Samstag beim Spiel gegen Schweden.

Herby Simon (links) koordiniert den Bühnenaufbau, damit aus dem Wohnzimmer eine Fußballarena wird.
Herby Simon (links) koordiniert den Bühnenaufbau, damit aus dem Wohnzimmer eine Fußballarena wird.

Das Protokoll: Treffpunkt 17 Uhr, jeder hat etwas zum Essen mitgebracht. Während um 18 Uhr das Wohnzimmer ausgeräumt wird, brutzeln die Bratkartoffeln in den Pfannen und eine tolle Stimmung breitet sich aus. 18.30 Uhr steht die Bühne und auf dem 67-Zoll-Fernseher und der Zwei-mal-ein-Meter-Leinwand läuft das Spiel Südkorea gegen Mexico. 19.40 Uhr: Herby und Bernd Simon stehen vor dem Haus am Fahnenmast mit der Deutschlandfahne in der Hand. Martina Müller stimmt auf dem Akkordeon zur Nationalhymne an und lautstark wird mitgesungen, während Herby und Bernd die Fahne hissen. Alles ist perfekt vorbereitet für das Spiel, sogar die Blumenkästen auf dem Balkon sind in Schwarz-Rot-Gold bepflanzt.

Die Dekoration bei den Simons passt, sogar die Blumenkästen werden in schwarz, rot, gold bepflanzt.
Die Dekoration bei den Simons passt, sogar die Blumenkästen werden in schwarz, rot, gold bepflanzt.

Der Tippzettel füllt sich auch, zum Teil mit hohen Siegen für Deutschland, aber auch mit vier Niederlagen. Es ist ein Wechselbad der Gefühle während des Spiels und die Anspannung ist deutlich zu spüren, bis in letzter Minute das entscheidende Tor fällt. Tosender Jubel breitet sich im Stadion aus, ein Spagat zwischen Freude und Erleichterung. Nach dem Spiel mixt Herby hinter der selbstgebauten Bar auf dem großen Balkon seine berühmten Cocktails. Die Spezialität: Caipirinha mit gestoßenen Erdbeeren. Ein Geschmackserlebnis die Kombination Limetten mit Erdbeeren. Um 22.50 Uhr ist das Stadion wieder zum Wohnzimmer geworden und es wird noch bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.

Herbert „Herby“ Simon ist hinter seiner Bar mit Cocktails beschäftigt, während Stefan Nierholz seinen Tipp fürs Spiel abgibt.
Herbert „Herby“ Simon ist hinter seiner Bar mit Cocktails beschäftigt, während Stefan Nierholz seinen Tipp fürs Spiel abgibt.

So wird es auch am Mittwoch sein, wenn um 15.40 Uhr die Deutschlandfahne gehisst, die Nationalhymne gesungen wird und die Fußballverrückten das Spiel Deutschland gegen Südkorea verfolgen. So lange Deutschland dabei ist, wird sich das Spektakel jedes Mal wiederholen. "Es macht einen Riesen-Spaß und solche Feste muss man einfach mitmachen", sagt Herby, der schon Pläne geschmiedet hat, wie er den Balkon verglast, wenn die nächste Weltmeisterschaft 2022 in Katar stattfindet. Dann ist es nämlich Winter bei uns.

Geschafft: Nach dem Spiel wird aus dem Stadion wieder ein Wohnzimmer – bis zur hoffentlich nächsten Begegnung.
Geschafft: Nach dem Spiel wird aus dem Stadion wieder ein Wohnzimmer – bis zur hoffentlich nächsten Begegnung.

Ab das schreckt echte Fans nicht. Es gibt ja Glühwein.