Als Ehrenzunftmeister Peter Kirchner seinen Platz in den Reihen des Vorstands und der Ratsmitglieder einnahm, ahnte er noch nicht, was ihm an diesem Abend bei der Jahreshauptversammlung der Hexenzunft Villingen erwarten würde. Die Tagesordnung gab nur die üblichen Regularien für die Jahreshauptversammlung preis. Auch beim Punkt 7, Grußworte des Oberbürgermeisters, war nicht zu erkennen, was sich erstmalig in der 50-jährigen Geschichte der Hexenzunft noch ereignen wird.

Bereicherung für Fasnet

Nach der Begrüßung durch den Zunftmeister Meik Gildner, dessen besonderer Gruß Gründungsmitglied Luisa Kammerer galt, und den Berichten aus den einzelnen Ressorts trat Oberbürgermeister Jürgen Roth ans Rednerpult. "Beim Jubiläumsabend durfte ich nichts sagen und heute sage ich es Euch", so Roth und gratulierte der Hexenzunft zu ihrem 50-jährigen Bestehen mit einem süßen Präsent und einem Scheck über 250 Euro. "Ihr seid eine Bereicherung für die Villinger Fasnet, lasst euch nicht von Mauern aufhalten und könnt deshalb auch am Schwenninger Umzug teilnehmen", sagt Roth. Danach kam das, was auch bei den rund 200 Mitgliedern und Gästen für Erstaunen sorgte. Roth ging vom Rednerpult auf die Bühne und bat erst Hedi Kirchner und dann Peter Kirchner auf das Podium.

Für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Hexenzunft Villingen wurden Ilse Krebs, Gründungsmitglied Luisa Kammerer, Margot Zimmermann und Doris Rohrbach von Ehrenzunftmeister Peter Kirchner, Zunftmeister Meik Gildner und den Ehrenzunftmeistern Günther Rohrbach und Hans-Peter Wensorra (von links), geehrt.
Für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Hexenzunft Villingen wurden Ilse Krebs, Gründungsmitglied Luisa Kammerer, Margot Zimmermann und Doris Rohrbach von Ehrenzunftmeister Peter Kirchner, Zunftmeister Meik Gildner und den Ehrenzunftmeistern Günther Rohrbach und Hans-Peter Wensorra (von links), geehrt. Bild: Roland Dürrhammer

In seiner Laudatio würdigte Roth Kirchner für sein außerordentliches Engagement in der Hexenzunft Villingen, für seine Verdienste für die Villinger Fasnet und für die Stadt Villingen-Schwenningen. Kirchner ist seit 1974 in der Hexenzunft Villingen, 1975 wurde er zweiter Zunftmeister. Von 1976 bis 1986 war er erster Zunftmeister und wurde zum Ehrenzunftmeister ernannt. Aus den Ideen und Zeichnungen von Kirchner entstanden der Hexenmeister und sein Gehilfe. Wurde die Hexenzunft anfangs nur belächelt, weil sie keine Tradition habe, überzeugte Peter Kirchner die Kritiker mit intensiven Nachforschungen vom Gegenteil. "Mister Brauchtum" wird er genannt, und sein Wirken hat mit dazu beigetragen, dass die Hexenzunft Villingen mit 1329 Mitgliedern heute zu den großen Fasnetvereinen in Villingen gehört. Für diese Verdienste erhielt Kirchner die silberne Landessehrennadel von Roth überreicht. Auch für Roth war dies ein besonders Ereignis. "Ich hoffe, dass ich jetzt nicht in die falsche Stelle steche", so Roth.

45 Jahre Mitgliedschaft

Noch durfte ein sichtlich gerührter Kirchner nicht an das Mikrofon. Auch die Schwarzwälder Narrenvereinigung mit Präsidentin Anne-Rosel Schwarz und Chronist Jörg Schade würdigte seine Verdienste und verlieh ihm den silbernen Verbandsorden. Die Ehrung durch die Hexenzunft war für Kirchner ein weiterer Höhepunkt. "Wir können Peter Kirchner keinen größeren Orden verleihen, weil er als Ehrenzunftmeister schon den größten hat. Deshalb wird er heute zum Ehren-Hexenmeister ernannt", so Gildner und überreichte eine Holztafel mit geschnitzten Schemen, die die Hexe, den Gehilfen und in der Mitte den Hexenmeister darstellen. Umrahmt wurde die Ehrung mit Bildern von Kirchner aus 45 Jahren Mitgliedschaft und dem Lied "Ich bin stolz, eine Villinger Hex' zu sein", live gesungen von Markus Hess.

Ein spürbar ergriffener Kirchner bedankte sich für die Ehrungen. "Ich bin sehr stolz darauf, diese Orden tragen zu dürfen", sagt Kirchner.

Hexen an die Fassaden

Für Gildner war es nicht einfach, wieder zur Tagesordnung zurückzukehren. Bei den Wahlen wurde Gildner als erster Zunftmeister, Marc Wittkopf als erster Säckelmeister und Isabel Kratt als erste Griffelspitzerin bestätigt. Nach den Ehrungen für zehn/25-/30-/40- und 50-jährige Mitgliedschaft informierte Tobias Kratt über Sanierungsstand der 2018 erworbenen Immobilie Turmgasse 12. "Das Erdgeschoss konnte wie geplant als Lagerfläche für das Hexenstüble umgebaut werden und die Fassade hat einen roten Anstrich bekommen, damit man genau erkennt, das Haus gehört der Hexenzunft", so Kratt. Das benachbarte Gebäude mit dem Hexenstüble hat einen grünen Anstrich. Weiter sei geplant, dass Hexen die Fassaden zieren sollen. Paten dafür seien willkommen.