Das Veeh-Harfenspiel sei gut „fürs Gehirnjogging“, sagt Hildegard Bayer. Seit drei Jahren gehört sie dem Veeh-Harfen-Ensemble Villingen-Schwenningen an, das am Freitag, 26. April, zum Konzert in das Alte Rathaus Villingen einlädt.

Alle zwei Wochen trifft sich Hildegard Bayer mit Edith Kühner und Inge Daufer zur zweistündigen Veeh-Harfen-Probe bei Gerhard Schempp, der das Ensemble vor drei Jahren ins Leben gerufen hat. Gemeinsam geben sie eine erste musikalische Kostprobe von dem zum Besten, was die Besucher des Konzerts am Freitag erwartet. Sie spielen das von Schempp für die Veeh-Harfen adaptierte Stück "Classic meets Rock" von Joep Wanders:

Video: Marcel Jud
Video: Marcel Jud

Seit mehr als zehn Jahren unterrichtet der Musiklehrer und Gitarrist Gerhard Schempp das Veeh-Harfen-Spiel an der Musikakademie Villingen-Schwenningen. „Das Ensemble besteht derzeit aus 15 Mitgliedern im Alter zwischen 60 und 65 Jahren. Unterrichtet wird aber in kleineren Gruppen von vier bis fünf Personen“, sagt Schempp. Bei Projekten, wie dem Konzert am Freitag, trifft sich das Ensemble auch zu gemeinsamen Proben.

Schablone anstatt Noten

Die Veeh-Harfe hat ihren Namen von Hermann Veeh, der das Musikinstrument Ende der 1980er-Jahre entwickelte. Veeh orientierte sich dabei an den Fähigkeiten und Bedürfnisses seines Sohnes, der mit dem Down-Syndrom geboren wurde.

So entstand ein Saitenzupfinstrument, das einfach in der Handhabung ist und auch ohne Notenkenntnisse gespielt werden kann. Für die Veeh-Harfe wurde eigens eine einfache Notenschrift entwickelt: Auf Notenschablonen sind Punkte und sie verbindende Linien eingezeichnet. Die Schablone wird zwischen die 25 Saiten und den Resonanzkörper der Harfe geklemmt. Die Punkte zeigen an, welche Saite gezupft werden muss, die Linien geben die Reihenfolge vor. Je länger der Ton, desto größer der Punkt und je kürzer der Ton, desto kleiner der Punkt.

Anstelle von Noten dienen bei der Veeh-Harfe Schablonen zur Orientierung, die hinter die Saiten geklemmt werden. Punkte und Linien zeigen an, welche Saite wann gezupft werden muss.
Anstelle von Noten dienen bei der Veeh-Harfe Schablonen zur Orientierung, die hinter die Saiten geklemmt werden. Punkte und Linien zeigen an, welche Saite wann gezupft werden muss. | Bild: Marcel Jud

„Dadurch wird der Zugang zum Erlernen eines Instruments erleichtert, etwa auch für ältere Menschen“, sagt Schempp. Allerdings biete die Veeh-Harfe musikalisch durchaus viele Möglichkeiten, betont der Musiklehrer: „Und die Mitglieder unseres Ensembles wollen auch herausgefordert werden.“ So hat Schempp etwa Solosuiten von Bach für die Veeh-Harfe aufbereitet. Eine davon wird das Veeh-Harfen-Ensemble Villingen-Schwenningen neben anderen von Schempp adaptierten Stücken beim Konzert im Alten Rathaus zum Besten geben.

„Wir hatten bereits einige Konzerte, jenes am Freitag ist aber ganz besonders“, sagt Schempp. Denn sein Ensemble trete nicht alleine auf, sondern begleite die Autorin Silvia Lenzing, die aus ihrem Buch „Eine Veeh-Harfe zum Verlieben“ vorlesen wird. Lenzing ist selbst Veeh-Harfen-Lehrerin und räumt dem Instrument in ihrem Liebesroman eine zentrale Rolle ein.

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