Die Euphorie nach dem tollen Fußball-Pokalspiel des FC 08 Villingen gegen Fortuna Düsseldorf am 10. August hat nicht nur einen emotionalen, sondern auch einen handfesten materiellen Nachhall: Das Stadion im Friedengrund, das nach dem neuen Hauptsponsor mittlerweile den Namen „MS-Technologie-Arena“ trägt, wurde zu einem in der Region einmaligen Schmuckstück für knapp 10 000 Zuschauer weiter entwickelt.

Kapazität verdoppelt

Das Stadion ist auf bestem Wege, nun eine dauerhafte Genehmigung für exakt bis zu 9985 Zuschauer zu bekommen. Zuletzt lag die Kapazitätsgrenze des höchstgelegenen Stadions (780 Meter ü.M.) in Deutschland bei 4999 Besucher. Wie berichtet, hat der Fußballclub FC 08 mit Unterstützung der Stadt erhebliche Anstrengungen unternommen, um für den DFB-Pokalschlager gegen Fortuna Düsseldorf die Kapazitäten zu verdoppeln. Ein Aufwand, der sich lohnte. Mit 8300 Besuchern war die „Hütte“ beim Pokal-Knaller (1:3) fast ausverkauft.

Blick auf den Gästeblock, hier mit Düsseldorfer Fans. Auch dafür mussten neue Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Bild: Roger Müller
Blick auf den Gästeblock, hier mit Düsseldorfer Fans. Auch dafür mussten neue Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Bild: Roger Müller | Bild: Roger Müller

Keine Eintagsfliege

Fußball-Feste wie diese sollen aber, geht‘s nach dem FC 08 als Nutzer der Arena, in Villingen keine Eintagsfliege bleiben. Das betont Andreas Flöß, der Beiratsvorsitzende des Traditionsclubs. Aufgrund seiner Qualifikation als Architekt hatte er es federführend in die Hand genommen, die baulichen und organisatorischen Veränderungen für das Pokalspiel zu planen, die eine Genehmigung für die Erhöhung der Besucherzahlen erst möglich machten. Da ging es etwa um den Bereich Sicherheit, der Schaffung von Zäunen für die Gästetribüne, den so genannten „Gästekäfig“, es ging um die Schaffung zusätzlicher Fluchtbereiche und Fluchttore und um ein erweitertes Ordner-, Sanitäts- und Parkplatzkonzept, um nur die wichtigsten Dinge zu nennen.

Neues Sicherheitskonzept

Diese Anstrengungen, die unabhängig von der laufenden Modernisierung der Arena gelaufen sind, sollen nun nicht in den Niederungen der Oberliga verpuffen, sondern nachhaltig wirken. Dazu muss der Club aber noch weitere Hausaufgaben machen. „Wir müssen noch ein Sicherheitskonzept gemeinsam mit der Stadt erarbeiten“, berichtet Andreas Flöß. Nötig sei ein Gesamtkonzept mit vielen Details. Der Club will dies zügig angehen: Wenn dieses Konzept unter Dach und Fach sei, so Flöß, stehe der ständigen Kapazität von bis zu 10 000 Besuchern in der MS-Technologie-Arena nichts mehr im Wege.

Die Gegentribüne der MS Technologiearena war beim Pokalspiel ebenfalls gut gefüllt.
Die Gegentribüne der MS Technologiearena war beim Pokalspiel ebenfalls gut gefüllt. | Bild: Roger Müller

Fußballfeste daheim

Doch welche neuen Möglichkeiten eröffnet sich damit den Nullachtern? „Zunächst nur wenige“, räumt Flöß ein. Denn im fünftklassigen Alltag der Oberliga ist das Stadion selten von mehr als 1000 Besuchern frequentiert. Profitieren kann der Club aber dann, wenn er in der jährlichen DFB-Pokalrunde attraktive Gegner zugelost bekommt, wie eben zuletzt Fortuna Düsseldorf. Für solche Publikumsmagneten „müssen wir künftig nicht mehr nach Freiburg fahren“, erinnert Flöß an die letztjährige erste Pokalhauptrunde, die der FC 08 gegen Schalke 04 aus Kapazitätsgründen im Dreisam-Stadion bestritt. Größere Fußballfeste können nun daheim stattfinden, der Club profitiert dann von mehr Einnahmen, und dem heimischen Publikum kann hoffentlich öfters ein Spektakel geboten werden.

Blick auf Öschberghof

Dazu beitragen könnten gegebenenfalls auch die deutschen und internationalen Spitzenclubs, die seit einigen Jahren immer wieder im Hotel „Öschberghof“ bei Donaueschingen ihre sommerlichen Saisonvorbereitungen absolvieren. Diese haben nun ein attraktives Fußballstadion in unmittelbarer Nachbarschaft. Ein Pfund, mit dem der FC 08 gerne wuchern würde. Der Club hofft, dass künftig vielleicht öfter mal ein attraktives Vorbereitungsspiel im Friedengrund abfällt. „Das würden wir natürlich sehr begrüßen und unterstützen“, betont Flöß.

Die renovierte Seitentribüne ist nun auch mit Großspiel ausgestattet.
Die renovierte Seitentribüne ist nun auch mit Großspiel ausgestattet. | Bild: Roger Müller

Tolle Möglichkeit

In diesem Sommer gastierten neben Fortuna Düsseldorf auch der 1. FC Köln, der wieder in die 1. Bundesliga aufgestiegen ist, im Öschberghof. Alexander Aisenbrey, der Geschäftsführer des Luxushotels, sieht im erweiterten Villinger Stadion zumindest „eine tolle Möglichkeit“ im Nahbereich. Versprechen kann er natürlich nichts. Entscheidend sei für die Clubs, so weiß er aus Erfahrung, ob der Zeitraum und der Gegner in den Saisonvorbereitungsplan der Clubs hinpassten oder nicht. Mehr Zuschauer kann der FC 08 auch erwarten, wenn er den Aufstieg in die Regionalliga schafft. Das Stadion „ist nun bald regionalligatauglich“, konstatiert Andreas Flöß. Das heißt: Die erste Mannschaft „könnte jetzt aufsteigen“. Da heißt es noch für die Fans, kräftig Daumen drücken. Mit einem Aufstieg in die vierthöchste Liga könnte der Club auch attraktivere Gegner und mehr Zuschauer erwarten.