Für viele Villingerinnen gehört es zur Fasnet dazu, sich ein Häs selbst zu nähen. Allerdings wird es immer schwieriger, die speziellen Stoffe, Borten, Litzen, Häkchen und Spitzen, die für ein solches Unterfangen notwendig sind, hier in der Stadt zu erstehen.

Als im Dezember Rosy Ettwein das Traditionshaus Modestoffe Schlenker Benzing in Schwenningen aufgibt, weiß Elke Schucker rund vier Kilometer weiter in der Stoffgalerie in Villingen, dass sie sich zur Fasnet wohl vor Anfragen kaum retten kann.

Und sie sollte recht behalten. Die Nachfrage kam: Blumenschmuck, Stoff fürs Morbili, Borten und Spitze. Allein, Schucker hatte keine Chance, die Nachfrage auch zu bedienen. Die Zeit war einfach zu kurz, um passende Lieferanten für die zum Teil teueren Stoffen und Materialien zu finden. "Es scheitert an der Masse, die wir abnehmen müssten", sagt sie. Damit es sich für sie preislich lohnen würde, müsste sie oft in Größenordnungen von 500 Metern bestellen. "Das würde den ganzen Laden ausfüllen", sagt sie. Eine Lagermöglichkeit haben sie nicht. Im Gegenteil: seit dem Umzug in das ehemalige Blumengeschäft von Patrick Weigert in der Färberstraße haben sie sich räumlich eher noch verkleinert. Auch das ein Grund, warum sie nie so viel anbieten kann, wie sie oder die Kunden wollen würden. "Man braucht mehr Platz um auch alles präsentieren zu können", sagt sie. "Eigentlich müsste man ein Stüble machen, da kann dann jeder einmal in der Woche alles kaufen, was er braucht."

Aktuell versucht sie, die große Spitze zu bestellen und einen Lieferanten für den Stoff fürs Morbili-Häs zu finden. Was sie schon da hat sind die Besenlitzen für den Rocksaum der Morbili, die kleine Spitze für den Hut, Posamentenborte und den Stoff für das Glonki-Häs und Morbili-Hüte. Seit auch Sonja Schumacher ihren Hutladen nicht mehr hat, fertig sie noch einige wenig im Jahr, ein paar davon stehen dann bei Schucker in der Auslage.

240 Euro kostet ein Morbili-Hut. Blumenschmuck, Spitze, alles reine Handarbeit. "Ich hab schon mal nach dem Blumenschmuck geguckt", sagt Schucker. "Es ist sehr schwierig." Im Frühjahr geht sie jetzt auf die Fachmesse nach Köln, wahrscheinlich auch noch auf die in München. Dort sei die Chance größer, Material für Trachtenmode zu bekommen. Und dann könnte klappen, was sie bereits jetzt mit Überzeugung sagt: "Wir sind in der nächsten Fasnet sicher besser aufgestellt."

Eine gute Adresse für Fasnet-Accessoires aller Art ist das Geschäft Wäsche Schilling in der Oberen Straße. Benne Schaumann hat hier vom Blauhemd, Stoff für das Blümehäs, Seidenschals, Fuchsschwänze, Masch und Regenschirme alles parat, was das Narrenherz höher schlagen lässt.

Die Teilnahme der Katzenmusik beim großen Narrenumzug in Gengenbach am 21. Januar sorgt bei Karin Gambin für arbeitsreiche Stunden: Näht sie sich doch einen Gehrock und eine rund 100 Jahre alte Pelerine musste aufwändig ausgebessert werden. Lange suchte sie passende Häkchen und lange, schwarze Federn ließen sich auch nicht auftreiben. "Manches muss man einfach im Internet bestellen", berichtet die fleißige Näherin.