Die Pläne zur Wiederbelebung des legendären MPS-Tonstudios in Villingen durch den Hauseigentümer Berthold Käfer und den Jazz-Experten Friedhelm Schulz stoßen auf Missbilligung von Matthias Brunner-Schwer, dem Sohn des Studiogründers Hans Georg Brunner-Schwer. "Eine Weiterbetreibung des Studios ohne mich wird es nicht geben", erklärte er gegenüber dem SÜDKURIER. Ein weiterer Beteiligter meldet sich zu Wort: Jazz-Musiker T.C. Pfeiler aus Salzburg, an den Brunner-Schwer einem Großteil des Studio-Inventars verkauft hat.

  • Rückblick: Wie am Dienstag berichtet ("Neustart für das MPS-Studio geplant") wollen Käfer und Schulz das Studio wieder in Betrieb nehmen und zweitens einen Förderverein ins Leben rufen, der das Studio und seine Geschichte in das kulturelle Angebot der Stadt einbetten soll. All dies soll aber ohne Matthias Brunner-Schwer, den Sohn des Studiogründers. Nach der bisherigen Zusammenarbeit von Brunner-Schwer und Friedhelm Schulz kam es zum Zerwürfnis. Schulz wie auch der Hausbesitzer Berthold Käfer halten einen Wiederbetrieb des Studios mit der Person Brunner-Schwer und dessen Geschäftsgebaren für nicht mehr möglich.
  • Streitfall Sachzubehör: Dieser wiederum betont gegenüber dem SÜDKURIER, dass Hauseigentümer Berthold Käfer keineswegs, wie reklamiert, auch der Eigentümer des Sachzubehörs im Studio sei. Gemeint ist die technische Ausstattung, die Aufnahme- und Tonmischtechnik, die Mikrofone und einen wertvollen Konzertflügel.
    Brunner-Schwer sagt, Eigentümer des Sachzubehörs seien er selbst, vor allem aber Professor T.C. Pfeiler, Jazz-Organist und international bekannter "Hammond-Guru" aus Salzburg, an den er wesentliche Inventarstücke verkauft habe. Die alten Tonaufnahmen wiederum seien im Eigentum der Erbengemeinschaft Brunner-Schwer. "Die zwei können das Studio nicht nutzen, solange wir nicht zustimmen", erklärt Brunner-Schwer. Er stellte eine langwierige juristische Auseinandersetzung in Aussicht, sollte es nicht zu einem finanziellen Ausgleich kommen.
  • Eigentumsvorbehalt: Der Salzburger Jazzmusiker Pfeiler bestätigte den Verkauf. Aus seiner Stellungnahme wird deutlich, dass Brunner-Schwer sämtliche denkmalgeschützten Geräte im Aufnahmeraum, sowie das AKG-Hallgerät im Vorraum des Studios per notariell beglaubigtem Kaufvertrag an T.C. Pfeiler und dessen Frau Ulrike Muehlbachler für 19 000 Euro verkauft hat (eine Kopie des Vertrags liegt dem SÜDKURIER vor). "Einen generellen Neustart des Studios in seiner Gesamtheit ohne uns kann es also nicht geben!", erklärte Pfeiler. Diese Geräte seien alle mit Eigentumsvorbehalt versehen worden. "Die uns damals vorgelegten Dokumente wiesen als Eigentümer der genannten, detailliert im Kaufvertrag aufgelisteten und durch Fotos leicht identifizierbaren Geräte eindeutig Herrn Matthias Brunner-Schwer aus", erklärte Pfeiler. Und weiter: "Herr Käfer verwehrt Herrn Brunner-Schwer seit geraumer Zeit den Zugang zum Studio, obwohl diesem das restliche Studioequipment gehört und auch der legendäre Bösendorfer Imperial Flügel, auf dem unzählige, legendäre Jazzaufnahmen eingespielt wurden."
  • Einmalige Geräte: Pfeiler erläutert zum Hintergrund, dass er den Studiogründer Hans Georg Brunner-Schwer schon vor 20 Jahren kennengelernt und mit diesem Jazz-Aunfahmen in MPS-Studio gemacht habe. In der Folge habe sich der Kontakt zu Hans Georg Brunner-Schwer vertieft und "er hat bezüglich Musikaufnahmen sehr viel für uns getan". Als dann dann 2015 der Sohn des Studiogründers, Matthias Brunner-Schwer, durch die immer weiter in finanzielle Schwierigkeiten geratende Firma H.G.B.S., an der er 60 Prozent Teilhaber war, Pfeiler um Hilfe gebeten hat, "hatten wir aus oben genannten Gründen keinen Grund an den Eigentumsverhältnissen zu zweifeln und natürlich zugesagt", so Pfeiler. So sei es zum Ankauf der Geräte, die das Herzstück des MPS-Studios darstellen, gekommen. Einige dieser Geräte seien Einzelstücke, "welche in dieser Form kein zweites Mal weltweit existieren".
  • Nicht inkludiert: Beim Hausverkauf des Hauses Richthofenstraße 1 durch die Erbengemeinschaft Brunner-Schwer an den Villinger Bau- und Immobilienunternehmer Berthold Käfer 2009 sei die Studioeinrichtung von Käfer keinesfalls “automatisch” mit erworben worden, erklärt Pfeiler seinen Rechtsstandpunkt. Das Studio sei nicht im Kaufvertrag "inkludiert" gewesen. Außerdem habe Käfer den Verkauf der Studiogeräte in der gesetzlichen Einspruchsfrist nicht angefochten.
  • Beitrag zum Erhalt des Studios: "Unser Ansinnen war von Anfang an und ausschließlich, unseren Beitrag zur Erhaltung des Studios zu leisten", betont der Österreicher. Eine wirtschaftlich vernünftige Wiederaufnahme des Studiobetriebes auf analoger Basis hält er für unrealistisch. Das habe ja bereits das Scheitern der bisherigen Betreiberfirma H.G.B.S. mit Friedhelm Schulz als Geschäftsführer gezeigt.
  • Konsenslösung erwünscht: "Wir haben bereits vor zwei Jahren ein Konzept für eine Umwidmung des Studios in ein Museum mit Führungen und Live-Musik vorgelegt", erklärt Pfeiler weiter. Er stellt auch eine finanzielle Beteiligung seinerseits in Aussicht, wenn Hausbesitzer Käfer die Besitzverhältnisse am Equipement anerkenne. Trotz mehrerer Gespräche mit allen Beteiligten vor Ort sei bisher kein Konsens gefunden worden. Er sei nicht an einem Rechtsstreit interessiert, sondern wünsche eine für alle Beteiligten "akzeptable Lösung". Sollte jedoch ohne Berücksichtigung seiner Interessen der Studiobetrieb wieder aufgenommen werden, "sehen wir uns gezwungen, die Inbetriebnahme der in unserem Eigentum befindlichen analogen Geräte in welcher Form auch immer per einstweiliger Verfügung untersagen zu lassen", heißt es in der Erklärung.