Das Coronavirus greift immer stärker in den Alltag ein – auch in Villingen-Schwenningen. Die Schulen haben am Montag ihren letzten Tag bis zum Ende der Osterferien. Auch in den Betrieben dürfte sich diese Woche die Lage zuspitzen, besonders stark betroffen ist derzeit bereits die Hotellerie.

Hotels in der Doppelstadt

Von schwierig bis dramatisch gestaltet sich derzeit die Lage in vielen der VS-Hotels. „Stornierungen, Stornierungen, Stornierungen“ – damit muss sich seit Montag Hanspeter Kessler vom „Bären“ in Villingen befassen. Der Geschäftstourismus käme so gut wie zum Erliegen, weil Unternehmen keine Auswärtigen mehr in ihre Räume ließen. Doch auch viele Gäste, die zu privat die Stadt besuchen wollten, überlegen es sich nun anders. „Alle leer“, bringt es Uwe Aschke vom Holiday Inn auf den Punkt. Er betreibt mehrere Hotels auch in Stuttgart, Karlsruhe und am Bodensee. Überall dasselbe Bild: Ein Großteil der Gäste bliebe weg. Man sei nun im Krisenmodus, es gehe nun vor allem darum das Personal durchzubringen. Kurzarbeit sei im Fall der Hotels oft kein geeignetes Mittel: Ob nun acht oder 80 übernachten, das Buffet am Morgen müsste dennoch gerichtet werden. Zuerst hätten die Gruppen abgesagt, dann die Teilnehmer von Kongressen und Messen. Die Politik müsse helfen, gerade bei Zahlungen von Gewerbemieten. Viele, gerade auch von den kleineren Betrieben hätten es ansonsten schwer, über die Runden zu kommen.

Die Gastronomie

Der Umsatz geht in vielen Gastronomiebetrieben stark zurück. Das „Irish Pub“ in Villingen, wo Ingo Fietz ausschenkt, ist derzeit noch geöffnet.
Der Umsatz geht in vielen Gastronomiebetrieben stark zurück. Das „Irish Pub“ in Villingen, wo Ingo Fietz ausschenkt, ist derzeit noch geöffnet. | Bild: Hahne, Jochen

„Keine Partystimmung“ herrscht laut Michael Steiger, Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes und einer der Geschäftsführer der drei Irish Pubs in der Region in der Gastroszene. Die Umsätze gingen stark zurück. Bei den Irish Pubs laufe aber derzeit der Betrieb, auch dank der Mittagstische. Die gehörten zur Grundversorgung, und Steiger will sie so lange wie nur möglich aufrechterhalten. In den Pubs gelten die üblichen Hygiene-Maßnahmen, unter anderem die empfohlenen Abstände zwischen den Tischen würden eingehalten. Auch Steiger setzt auf politische Hilfe, die über die Stundung von Gewerbesteuerzahlungen hinausgehe, denn ansonsten befürchtet er, dass einige Betriebe, die im Zuge der Krise schließen, möglicherweise gar nicht mehr aufmachen.

Der Notbetrieb in Kindertagesstätten und Schulen

Eltern, die in Berufen arbeiten, die für die öffentliche Ordnung grundlegend sind, wie bei der Polizei, der Feuerwehr, den Rettungsdiensten, aber auch bei der Energieversorgung, können für ihre Kinder eine Notbetreuung in Anspruch nehmen. Das wurde bisher 90 Mal in Anspruch genommen (Stand, Montag, 14 Uhr), berichtet die Sprecherin der Stadt, Oxana Brunner. Die Eltern können die Kinder in ihre Kindergärten bringen. Wie es künftig gehandhabt werde, müsse sich noch zeigen. Bei bis zu fünf Kindern blieben sie nach Stand der Dinge offen, wenn es weniger würden, werden Einrichtungen zusammengefasst. Allerdings wird das dezentral geschehen, 50 Kinder in einem Kindergarten wird es nicht geben, und dies mache keinen Sinn. Auch bei den Schulen werden solche Notgruppen eingerichtet. In der Südstadtschule sei es derzeit nur ein Schüler, der dies in Anspruch nehme, bestätigt Schulleiter Elmar Dressel. Auch dann würde die Betreuung angeboten. Ansonsten wurden am vorerst letzten Schultag für einige Wochen Unterrichtsmaterialien ausgegeben. Eltern können mit einem Kennwort auch auf zusätzliche Seiten im Internet zugreifen.

Innenstadtfest abgesagt

Das mit viel Aufwand für den 4. April vorbereitete Innenstadtfest ist abgesagt, bestätigt Stadtsprecherin Oxana Brunner. Es soll möglicherweise nachgeholt werden, wenn möglicherweise im Sommer der Krisenmodus überstanden ist.

Ausschüsse und Gemeinderat

„Was nicht aufgeschoben werden kann, findet statt“, bestätigt Stadtsprecherin Brunner. Abgesagt seien bereits die Beiräte. Bei Ausschüssen und Gemeinderatssitzungen werde im Einzelfall entschieden, ob sie tagen.

Die Unternehmen

„Über kurz oder lang wird es Kurzarbeit geben“, sagt Thomas Bleile, erster Bevollmächtigter der IG Metall. Er geht davon aus, dass sich die ersten Firmen darauf vorbereiten. Den aktuellen Stand kennt auch er nicht, da inzwischen auch Gewerkschaftsvertreter nicht mehr in die Unternehmen dürften und sich die Information digital einholen müssten.

Die Schulen

Stress pur herrschte übers Wochenende bei den Leitungs-Teams der örtlichen Schulen. Mit der Einstellung des klassischen Unterrichts musste der Schulbetrieb komplett umgestellt werden. Bis zu den Osterferien in drei Wochen arbeiten Schüler und Lehrer zu Hause und kommunizieren vor allem über E-Mail. Am gestrigen Montag wurden in den meisten Schulen die Schüler noch einmal einbestellt, um sie mit Arbeitsaufträgen und Wochenplänen zu versorgen. Ab dem heutigen Dienstag ist der Unterricht in den Schulen vollständig eingestellt. Am Gymnasium am Romäusring fand bereits am Montag kein Unterricht mehr statt. Schulleiter Jochen von der Hardt berichtete, viele Eltern hätten angerufen und mitgeteilt, sie wollten ihre Kinder nicht mehr der Gefahr einer möglichen Virus-Infektion aussetzen. Nach dem auch die Deutsche Ärztekammer auf ihrer Internetseite den vom Kultusministerium für Montag angesetzten Schultag als unsinnige “Virus-Drehscheibe“ kritisiert hatte, blies die Schulleitung den Unterricht nach eingehender Abwägung gestern ab. Bereits letzte Woche wurden die Voraussetzungen für eine stabile digitale Kommunikation geschaffen. Über E-Mail und einen datensicheren Messenger-Dienst bleiben Schüler und Lehrer in engem Kontakt. Auch die Abiturieten werden auf diese Weise betreut.
Alle Schulen bieten eine Notfall-Betreuung für jene Schüler an, deren Eltern dies beantragen. Allerdings gab es dafür am Montag weder am Gymnasium am Romäusring noch an der Bickebergschule eine Anmeldung. An der Gemeinschaftsschule am Bickeberg fand gestern noch Unterricht bis 16 Uhr statt. “Wir waren dankbar für den Montag, weil wir allen Schülern ihr Arbeitsmaterial und die Elternbriefe in Papierform in die Hand geben konnten“, sagte Schulleiter Alexander Hermann. Digital sei das Unterrichtsmaterial bereits seit Freitag bereit gestanden. Doch es sei nicht selbstverständlich, dass alle Schüler zu Hause einen PC oder einen Drucker zur Verfügung haben. Nach Tagen der Anspannung äußerte sich Hermann gestern Nachmittag “ein gutes Gefühl, dass für die Schüler alles getan und alles auf gutem Wege ist“.

Musikakademie VS

Auch hier findet ab sofort bis zum 19. April kein Unterricht statt. Vorspiele und Konzerte sind bis zum Ende des Schuljahres abgesagt.

Die Vereine

Die hiesigen Musikvereine sagen ihre Proben und Auftritte ab. Wie der Musikkindergarten der Stadtharmonie, können sämtliche Angebote bis mindestens 19.4.nicht stattfinden. Bild: Silke Weidmann
Die hiesigen Musikvereine sagen ihre Proben und Auftritte ab. Wie der Musikkindergarten der Stadtharmonie, können sämtliche Angebote bis mindestens 19.4.nicht stattfinden. Bild: Silke Weidmann

Die Einladungen für die Hauptversammlung sind raus, die ersten Frühlingsaktivitäten geplant, Proben- und Trainingsbetrieb gut eingespielt. Jetzt wird alles abgesagt, das VS-Vereinsleben auf null gesetzt. „Wir alle verfolgen jetzt die Strategie Vollbremsung, um das Virus hoffentlich einzudämmen“, sagt Henry Greif von der Stadtharmonie. Wie die meisten Vereine, habe man sich an den Vorgaben des Kultusministeriums orientiert. Daher sei klar gewesen, sollte es zu Schulschließungen kommen, werden auch die Musikvereine ihre Unterrichts- und Probentätigkeiten einstellen. Auch die Stadtmusik VS hat ihre Proben bereits abgesagt und stellt ebenfalls den Unterricht ein. Öffentliche Auftritte seien durch die derzeitigen Veranstaltungsabsagen ohnehin hinfällig.

Damit ist erst einmal Schluss: Auch beim TV Villingen findet ab sofort kein Kinderturnen und kein Kurs mehr statt. Bild: TV Villingen
Damit ist erst einmal Schluss: Auch beim TV Villingen findet ab sofort kein Kinderturnen und kein Kurs mehr statt. Bild: TV Villingen

Beim TV Villingen mit rund 2500 Mitgliedern sieht es ähnlich aus. Geschäftsführer Sven Kieninger musste in den vergangenen Tagen mehrmals täglich neu bewerten, entscheiden, kommunizieren. Bislang hatte man sich, was den Trainingsbetrieb angeht, ebenfalls an den Schulen orientiert. Bei größeren Veranstaltungen, wie etwa dem am vergangenen Wochenende geplanten Doppelspieltag der Volleyball-Damen, gab es bereits vor der allgemeinen Zwangspause individuelle Entscheidungen. „Hier haben wir frühzeitig den Dialog mit den zuständigen Ämtern gesucht“, so Kieninger. Der Wettkampfbetrieb sei schon seit Wochen eingeschränkt gewesen, da einige Sportverbände bereits Turniere abgesagt hätten. Auch gab es Fälle von Sportlern oder Übungsleitern, die nach Aufenthalten in den bekannten Risikogebieten vorsichtshalber zu Hause geblieben sind. Für den Hockeyclub Villingen ist die Pause nicht ganz so dramatisch, da sie zeitlich in die Zwischensaison fällt. Das Hallentraining ende dadurch zwar deutlich früher, aber der Spielbetrieb beginne ohnehin erst Ende April oder Anfang Mai, erklärt der Vorsitzende Joachim Oberecker. Die Hallen-Endspiele im Jugendbereich waren bereits vonseiten des Verbands abgesagt worden. „Wenn die Schulen nach den Osterferien wieder öffnen, werden auch wir zu diesem Zeitpunkt das Training im Freien aufnehmen“, so Oberecker. Die Vereine sind in Villingen-Schwenningen ein besonders wichtiger Teil des öffentlichen und sozialen Lebens. Was sich vor wenigen Wochen noch niemand hätte vorstellen können, erscheint jetzt völlig klar: Auch das Vereinsleben wird bis mindestens 19. April pausieren. Über diesen Zeitpunkt hinaus ist im Moment kaum etwas absehbar.

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