Will man Christian Streich, den Trainer des SC Freibug beschreiben, so gibt es ein Wort, um das man nur schwerlich herumkommt: authentisch. So beschreiben ihn die Fachjournalisten, so beschreiben ihn die Trainerkollegen und seine Fans. Seit Mittwochabend, als er im Rahmen des vom SÜDKURIER organisierten VS-Forums auf der Bühne der Neuen Tonhalle saß und mit SÜDKURIER Chefredakteur Stefan Lutz und Sportchef Ralf Mittman über die Kommerzialisierung des Fußballs diskutierte, hat er wohl noch ein paar mehr Fans aus dem Schwarzwald dazugewonnen.

Zwischenapplaus, Lacher, zustimmendes Kopfnicken, innerhalb einer viertel Stunde hat Christian Streich 900 Gäste für sich und seine bodenständige Art eingenommen. In verwaschener Jeans und braunem Sakko über legerem Hemd sitzt er da, redet über seine Haltung zum Fußball: "Als ich Spieler war, hat es keinen interessiert, wenn man mal in die Disko gegangen ist. Das Ganze hat inzwischen eine Bedeutung erlangt, die nicht mehr angemessen ist." Er redet über Fan-Krawalle: "Pyrotechnik ist sicher kein probates Mittel, aber manchmal sind verbotene Dinge schöner, als andere." Und davon, was es für ihn heißt, Trainer zu sein: "Ich versuche, alle Energie der Mannschaft zu geben. Für viel nebenher habe ich da keine Zeit."

Streich interessiert sich für das Wesentliche. Wenn er daheim Fußball schaut, dann schaut er Fußball. Das Ganze drumherum interessiert ihn nicht. Dass Schlagersängerin Helene Fischer bei ihrem Auftritt beim Pokalfinale ausgebuht wurde, das hat er erst im Nachhinein erfahren. "Furchtbar", findet er es. Nicht wegen der Show, sondern weil ihm "diese Frau" leid tut. "Es muss doch ein ganz furchtbares Gefühl sein, auf der Bühne zu stehen und ausgepfiffen zu werden." Streich mag vieles sein – ehrgeiziger Trainer, Medienprofi, Fußballer – aber er ist immer und an erster Stelle vor allem eines: Mensch.

Wenn er die Jugendlichen in seiner Sportschule in Freiburg betreut, dann macht er auch das mit Herz und Verstand. Er pocht auf die Schulausbildung und er ist Realist: "Ich wünsche mir", sagt er zu den Jugendlichen, "dass du so weit wie möglich kommst. Aber ich träume nicht."

Warum er so auf dem Boden geblieben, so authentisch und sympathisch ist, die Antwort gibt er an dem Abend irgendwie selbst, wohl ohne es zu wissen, als er beschreibt, wie er sich und seine Spieler sieht: "Wir sind", sagt er, "doch auch irgendwie Mitbürger, die halt grad diesen Job machen." Wie ein Bäcker oder ein Metzger. Und am Ende der eineinhalbstündigen Diskussionsrunde verlassen rund 900 Gäste die Neue Tonhalle mit dem Gefühl, dass es doch auch ganz schön sein kann, wenn man einfach nur ganz normal ist.

Podcast

Das VS-Forum mit Freiburg-Trainer Christian Streich können Sie auch in unserem Podcast noch einmal nachhören:
Dateiname : VSF032 - Christian Streich beim VS-Forum
Dateigröße : 83.67 MBytes.
Datum : 06.07.2017
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Zur Person

Christian Streich ist 52 Jahre alt und wuchs in Eimeldingen als Sohn eines Metzgers auf. 1983 startete er beim FC Freiburg seine Laufbahn. 1985 wechselte er zu den Stuttgarter Kickers. 1987 ging es nach Freiburg zurück. 1989 steigt er mit dem FC Homburg in die erste Bundesliga auf. Nach dem sofortigen Wiederabstieg beendete er seine Profikarriere und spielte wieder beim Freiburger FC. 1995 kam er als Jugendtrainer zum SC Freiburg zurück. 2011 wurde er erst Co-Trainer und dann Cheftrainer der ersten Mannschaft. Streich, der als ausgebildeter Industriekaufmann das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt hat, studierte Sport, Germanistik und Geschichte auf Lehramt.