Wenn das gregorianische Hodie am vierten Adventssonntag im Villinger Franziskaner angestimmt wird, dann wissen alle im ausverkauften Konzerthaus, was sie erwartet: das Weihnachtskonzert der Villinger Klosterspatzen unter Leitung von Erkentrud Seitz – und damit ein ganz besonderer Konzertgenuss, der immer wieder neu berührt und in die Tiefe geht.

Auch von weither waren die vielen Zuhörer gekommen, sogar aus Frankreich und der Schweiz, um teilzunehmen an einer Sternstunde des weihnachtlichen Chorgesangs.

Maxim Lauenstein beeindruckt immer wieder mit seinem warmen Bariton.
Maxim Lauenstein beeindruckt immer wieder mit seinem warmen Bariton. | Bild: Rüdiger Fein

Schon die ersten Klänge der Eingangsantiphon ließen alle Hektik des Vorweihnachtstrubels vergessen. Den Auftakt bildeten fünf Stücke aus Benjamin Brittens berühmter „Ceremony of Carols“. Sie wurden vom Chorensemble, am Flügel virtuos begleitet von Polina Jakovleva, mit einer solchen Virtuosität vorgetragen, dass es einem fast den Atem verschlug.

Es ist vor allem der unvergleichliche Chorklang von überirdischer Schönheit, der immer wieder neu fasziniert, warm und voll in der Tiefe, von unglaublicher Leichtigkeit und Strahlkraft bis in die höchsten Höhen. Beseelt und ausdrucksstark wurde jedes einzelne Lied interpretiert: festliche Barockmusik von Händel, innige Lieder wie „Maria durch ein Dornwald ging“ oder „Mariä Wiegenlied“ von Max Reger bis zu dem ergreifenden irischen Lied von dem Kind, das in der Weihnachtszeit seinen Efeu verkaufen muss, und der folgenden herzzerreißenden Klage von Dmitri Schostakowitsch.

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Herzerfrischend erklangen die hellen Kinderstimmen der Klosterspatzen und der Rosenschule Trossingen mit Weihnachts- und Hirtenweisen. Ein exzellentes Instrumentalensemble der Musikakademie VS und der Musikhochschule Trossingen unterstützte mit großer Spielfreude. Auch die Solistinnen und Solisten aus den Reihen des Chores mit ihren wunderbaren Stimmen setzten zusätzliche Glanzlichter.

Mit Begeisterung sind auch die jüngsten Chorkinder mit dabei.
Mit Begeisterung sind auch die jüngsten Chorkinder mit dabei. | Bild: Rüdiger Fein

Jedes Konzert der Klosterspatzen hat seine eigene Note, seine eigene Dramaturgie, ist eine fein abgestimmte Mischung aus vertrauten und neuen Akzenten. Die verschiedenen Szenarien belebten das Konzert, ohne je Unruhe zu verbreiten. Mit Souveränität und freundlicher Umsicht hielt Erkentrud Seitz alle Fäden des vielfältigen Geschehens mit den rund sechzig Akteuren in der Hand. Faszinierend wurde der Raumklang einbezogen, wenn etwa die Chorstimmen unsichtbar aus dem Chorraum wie im Unendlichen verklangen, wenn der Chor aus den Gängen zwischen den Zuhörern im Kanon einsetzte und den Chorklang im Crescendo nach vorn auf die Bühne trug oder wenn der gesamte Chor zur Petersburger Schlittenfahrt Schwung in den Konzertsaal brachte.

Welche hervorragende Leistung von Chorleiterin Erkentrud Seitz dahinter steckt, über Jahrzehnte mit stets wechselnden jungen Choristen diese Kontinuität auf höchstem Niveau nicht nur zu erreichen, sondern noch zu steigern, das lässt sich kaum ermessen und mag ihr Geheimnis bleiben.

Mit nicht enden wollendem Beifall und mehrfachen stehenden Ovationen bedankten sich die Zuhörer für das Geschenk eines grandiosen Weihnachtskonzerts.

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