Nach dem Personenbeförderungsgesetz, das der Bund zum 1. Januar 2013 verabschiedet hat, soll der öffentliche Nahverkehr bundesweit bis zum 1. Januar 2022 vollständig barrierefrei sein. Die Praxis in den Kommunen sieht allerdings oft anders auch. In Doppelstadt sind sind viele Haltestellen längst nicht barrierefrei. Ebenfalls im Schneckentempo läuft der Ausbau der Bushaltestellen mit neuen Wartehäuschen.

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300 Haltestellen

In der Gesamtstadt gibt es insgesamt 300 Bushaltestellen mit 486 Haltepositionen für die Busse. Nur 139 dieser Haltestellen haben einen Wetterschutz in Form von Buswartehäuschen. Bereits 2016 wurde das Thema im Technischen Ausschuss des Gemeinderates diskutiert. Und die Mehrheit des Gremiums war damals durchaus der Meinung, dass die Stadt für die Busnutzer mehr Wetterschutzhäuschen aufstellen sollte, um den Busverkehr atttaktiver zu machen und die Fahrgäste nicht buchstäblich im Regen stehen zu lassen.

Auch Baubürgermeister Detlev Bührer vertrat damals die Meinung, dass die Stadt beim Ausbau der Wartehäuschen die Schlagzahl erhöhen sollte. Er stellte aber klar, dass dies nicht billig wird, weil sich die Stadt verpflichtet hat, mit der Aufstellung eines neuen Wartehäuschens die dazugehörige Haltestelle barrierefrei auszubauen.

Nur 170 000 Euro

Allerdings: Die vom Technischen Ausschuss 2016 vorgeschlagene Erhöhung der finanziellen Mittel auf rund 300 000 Euro pro Jahr wurde offenbar gar nicht in die Tat umgesetzt. Denn für 2019, so berichtet die Stadtverwaltung auf SÜDKURIER-Anfrage, stehen lediglich 170 000 Euro für Bushaltestellen zur Verfügung. „Aus dem jährlichen Budget können wir gerade drei Haltestellen barrierefrei machen und mit einem neuen Wartehäuschen versehen“, teilte Oxana Brunner mit, die Pressesprecherin der Verwaltung. Dann bleiben noch 30 000 Euro für Unterhaltungsmaßnahmen übrig.

Mit drei Wartehäuschen pro Jahr kommt die Stadt allerdings nur langsam voran und wird die Barrierefreiheit der Haltestellen bis Januar 2022 nicht schaffen. Und auch die Aufstellung der neuen Häuschen zieht sich dahin. Bislang hat die Stadt in eigener Regie sechs solcher Wartehäuschen vom Typ „Xenon“ auf eigene Rechnung aufgestellt. Ein Großteil der 139 Bushäuschen in VS gehört allerdings nicht der Stadt, sondern der Firma Ströer – Deutsche Städte-Medien-GmbH. Die Werbefirma stellt der Stadt diese Wartehäuschen gratis zur Verfügung, um im Gegenzug auf dem Häuschen Werbung machen zu können. Damit lässt sich gut Geld verdienen. Ströer besitzt 85 Wartehäuschen in VS, doch erst 29 davon sind die neuen Xenon-Häuschen. Auch hier hängt die Erneuerung stark vom barrierefreien Ausbau der Haltestellen und damit von der Stadt ab.

Es liegt am Geld

Pressesprecherin Brunner betont, dass nicht jede Bushaltestelle mit einem Häuschen ausgestattet werden könne. Hinderungsgründe seien oft die Eigentumsverhältnisse oder beengte Verhältnisse im Straßenraum. Mehr Häuschen wären aber generell wünschenswert, räumt sie ein. Dass bislang nicht mehr geschehen ist,“ ist eine Budgetfrage“, erklärt Brunner. Damit liegt der Ball im Feld des Gemeinderates, der für die Bereitstellung der finanziellen Mittel zuständig ist.