Zu wenig Parkplätze für Anlieger der Innenstadt, verschärfte Parkplatz-Konkurrenz im Bereich Dattenbergstraße durch viele Polizei-Studenten, aber auch Forderungen nach einer autofreien Innenstadt waren einige Themen bei der SÜDKURIER-Sommerredaktion zum Thema Parken in Villingen. Manchmal relativierten sich heimische Parkprobleme aber auch durch einen Blick von außen.

  • Michael und Beate Kuhlemann aus dem mittelbadischen Gernsbach (Kreis Rastatt) beispielsweise wohnen ein paar Tage im Villinger Parkhotel und besuchen ihre beiden Enkelkinder. Dass es in der Brigachstraße noch Parkplätze gibt für 50 Cent pro halbe Stunde, hat sie positiv überrascht. „Das ist sehr günstig“, urteilt Michael Kühlemann, in Gernsbach sei man mit 80 Cent dabei, die besseren Parkplätze seien noch teuerer. Und in der nahegelegenen Kurstadt Baden-Baden seien die Parkgebühren noch deutlich höher.
  • David Nicolic, der mit seiner Familie im Wohngebiet Goldenbühl zuhause ist, sieht die Sache weniger rosig. Er ist zwar auch der Meinung, dass die Parkgebühren in der Doppelstadt nicht zu teuer sind. Er beanstandet aber deutlich zu wenig Parkplätze um die historische Innenstadt herum. „Da gibt es einfach zu wenig Parkplätze, manchmal muss man eine Stunde suchen“, kritisiert er.
     
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  • Salvatore Scudieri wohnt mitten in der Innenstadt, in der Rosengasse. „Ich wünsche mir mehr freie Parkplätze für Anlieger“, betont er. Scudieri findet in der Rosengasse keinen Parkplatz und muss seinen Wagen täglich außerhalb der Stadtmauer abstellen. Meistens ist er in der Großherzog-Karl-Straße erfolgreich. Dort, so sagt er, findet er „zu 70 Prozent“ einen Parkplatz.
  • Josef Fuchs aus dem Haslach findet es auch übertrieben, in Villingen von einem „Parkplatz-Problem“ zu sprechen. „Viele Leute sind einfach zu faul, ein paar Meter zu laufen.“ Wenn er keinen Parkplatz irgendwo rings um die Innenstadt findet, dann geht er selbstverständlich ins Parkhaus. „Die Summen, die man dort bezahlen muss, sind wirklich zu verkraften“, meint er. Größere Probleme habe da seine Tochter, die in der Brunnenstraße wohnt. „Das ist wirklich schwierig als Anwohnerin.“ Die Parkplätze seien oft durch Leute belegt, die dort gar nicht parken dürften und wenn sie mal kurz etwas im ausladen wolle, bekäme sie gleich einen Strafzettel.
  • Josef Fuchs
    Josef Fuchs | Bild: Hans-Juergen Goetz
  • Rudolf Reim aus Villingen hat sich grundsätzliche Gedanken über das Thema gemacht. Die Stadt müsste ein geschlossenes Mobilitätskonzept erstellen, in dem alle Verkehrsträger vom Fahrrad, über das Auto bis zum Zug miteinander vernetzt werden. Sein Wunsch: Die Stadt und die Bürger sollten auch den Mut haben, neue Wege zu gehen, etwa mit verstärkter Nutzung von Car-Sharing und Fahrgemeinschaften. Die Innenstädte, findet er, sollten weitgehend autofrei werden. Nur die Anlieger sollten Parkplätze bekommen. Beim öffentlichen Nahverkehr müssten Tarifzonen und die Taktung optimiert und die Preise gesenkt wurden, um das Umsteigen vom Auto auf Bus und Bahn attraktiver zu machen. Und die Fahrradfahrer sollten eigene breite Wege bekommen und diese nicht mit Fußgängern (Fuß-/Radweg) teilen müssen. Sein Vorschlag: Auf dem Villinger Innenring sollte eine Fahrspur nur für Fahrradfahrer freigemacht werden.
  • Florian Hölzle konnte nicht persönlich bei der Sommerredaktion vorbeikommen, da er arbeiten muss. Das Thema ist ihm aber so wichtig, dass er der Redaktion eine Mail geschickt hat. Seiner Meinung nach gibt es in und um die Innenstadt genügend Parkplätze. „ Man muss halt ein bisschen dafür laufen“, so Hölzle. Das lasse sich nicht vermeiden, wenn eine Innenstadt eine Fußgängerzone habe. Was Florian Hölzle auffällt und worüber er sich sehr ärgert, ist das Parken in Spielstraßen. Als Beispiel nennt er die Fläche vor dem Riettor. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass Parken in Spielstraßen nur in gekennzeichneten Flächen erlaubt ist. Dies scheine aber vor dem Riettor niemanden zu interessieren. Die Spielstraße werde ständig als Parkplatz missbraucht. Auch sei ihm aufgefallen, dass samstags die Betreiber der Grillbude mit ihrem Bus den ganzen Tag über in der Spielstraße parken. Das sei natürlich kein gutes Beispiel und animiere andere Leute, dort ebenfalls zu parken.
  • Hans-Georg Reinsch geht wegen der Parkplatzsituation mittlerweile nur noch auf der grünen Wiese einkaufen. „Früher gab es überall rings um die Stadt ausreichend Parkflächen, aber jetzt müsste ich die Einkäufe weit schleppen und das kann ich nicht mehr“, so der Villinger. Allerdings müsste man sich nicht über die Leerstände in der Innenstadt wundern: Die Kunden würden halt wegbleiben, wenn sie keine Parkplätze finden. Eine Lösung für das Problem habe er aber auch nicht parat: „Da gibt es soviele unterschiedliche Interessen.“
  • Claudia Konegen und ihr Mann Anselm lenken den Blick auf die Parkprobleme am Heidplatz. Dort stehen viele Wohnblöcke der Gagfah, es gebe aber keine oder nicht ausreichend Stellplätze. So parken die Anwohner alles zu, sogar in gefährlichen Kurven werde das Auto abgestellt. „Dabei gebe es genügend Fläche hinter den Blocks, die man gut zum Parken nutzen könnte“, meint Claudia Konegen. Die Anwohner in diesem Bereich treibt auch die Frage um, wo künftig die vielen Studenten der Polizeifachhochschule parken sollen: 400 sollen bis Ende des Jahres in der Kirnacher-, Dattenberg- und Lorettostraße wohnen. Im Moment ist noch nicht einmal die Hälfte der Studenten da und die Parksituation sei schon chaotisch. Hier will das Ehepaar Konegen von der Stadt wissen, was hier geplant ist.
  • Claudia Konegen
    Claudia Konegen | Bild: Hans-Juergen Goetz
  • Wolfgang Mallach kritisiert, dass es zu wenig und zu kleine Behindertenparkplätze in der Doppelstadt gibt. „Keiner weist die vorgeschriebene Größe von 7,50 auf 3,50 Meter aus“, so der Rollstuhlfahrer. Auch seien die Parkplätze oft von nichtberechtigten Autofahrern zugeparkt, weil die Flächen auch zu schlecht gekennzeichnet sind. „In Frankreich sind Behindertenparkplätze blau markiert und damit sehr auffällig.“ Das Parkplatzproblem könne auch minimiert werden, wenn mehr Leute Bus fahren. „Dazu dürfte aber in Ferienzeiten nicht der Fahrplan radikal ausgedünnt werden.“ So bleibe den Leuten ja gar nichts andere übrig, als doch das Auto zu nehmen. Gerade für Rollstuhlfahrer sei die Nutzung des ÖPNV noch schwieriger, weil ja nicht jeder Bus barrierefrei sei. „Wenn ich Pech habe, sitze ich in Bad Dürrheim und komme dort nicht mehr weg“, berichtet Mallach.
    Wolfgang Mallacher
    Wolfgang Mallacher | Bild: Hans-Juergen Goetz