Es ist eines der größten Projekte in Villingen derzeit: die Sanierung der Brücke über die Schwenninger Straße. Vor gut zwei Monaten haben die Bauarbeiten begonnen, im November 2017 sollen sie abgeschlossen sein. "Wir liegen im Plan", sagt Baubürgermeister Detlev Bührer. Sowohl was die Zeit – derzeit ist die Mitte des ersten Bauabschnitts erreicht – als auch die Kosten angeht. 2,4 Millionen Euro wird die gesamte Maßnahme kosten. In zwei Bauabschnitten wird bis Januar die Fahrbahn stadtauswärts saniert. Und, sobald es 2017 mit dem Wetter geht, sagt Bührer, fangen wir mit der anderen Seite an.

  • Das Problem: Als die Brücke 1973 gebaut wurde, herrschte, so sagt es der zuständige Ingenieur Norbert Hemmerling, ein Schlankheitswahn. "Die Bauwerke wurden sehr dünnwandig gebaut." Mit Spannbeton, der, wenn er an einem Teilstück einmal rissig oder löchrig wird, die gesamte Stabilität eines Bauwerks infrage stellt. Der Grund für die sparsame Bauweise lag damals an der Energiekrise: Beton benötigt in der Herstellung viel Energie. Je weniger verwendet wurde, desto geringer ließen sich die Kosten halten.

Höchstens zehn Jahre, schätzt Hemmerling, hätte die Brücke so noch befahrbar bleiben können. Bereits vor einigen Jahren wurde eine Fahrbahn gesperrt, weil Teile des Gehwegs drohten, auf die Bahnlinie zu stürzen.

Die Stahlarmierung in der Brückenfahrbahn wird verstärkt.
Die Stahlarmierung in der Brückenfahrbahn wird verstärkt. | Bild: Jochen Hahne

Bürgermeister Bührer steigt in die Trägerkammern unter der Fahrbahndecke. Drei solcher Öffnungen sind auf der Brücke verteilt.
Bürgermeister Bührer steigt in die Trägerkammern unter der Fahrbahndecke. Drei solcher Öffnungen sind auf der Brücke verteilt. | Bild: Jochen Hahne

160 Brücken gibt es in der Doppelstadt, alle sechs Jahre findet eine Brückenprüfung statt. Drei Wochen hat die Prüfung der Brücke an der Schwenninger Straße gedauert. Durchgeführt hat sie das Ingenieurbüro von Norbert Hemmerling. Mit Magnetsensoren wurde jeder Quadratmeter der Brücke abgefahren, um die schadhaften Stellen in den Stahlverstrebungen zu finden. "Es reicht nicht, die Brücke nur optisch zu prüfen, man muss in das Bauwerk hineinschauen", sagt Hemmerling.

Die Kammern unter der Fahrbahndecke ist an der höchsten Stelle 1,98 hoch und rund 50 Quadratmeter groß. Acht solcher Hohlräume gibt es unter dem gesamten Bauwerk.
Die Kammern unter der Fahrbahndecke ist an der höchsten Stelle 1,98 hoch und rund 50 Quadratmeter groß. Acht solcher Hohlräume gibt es unter dem gesamten Bauwerk. | Bild: Jochen Hahne
  • Die Arbeiten: Im Schnitt sind zehn Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt. Täglich. Auch wenn man sie nicht immer alle sieht. "Ein Großteil der Arbeiten", sagt Hemmerling, "findet im Inneren der Brücke statt". Insgesamt acht Hohlräume gibt es unter der Brücke. Schläuche nach oben sorgen für einen Luftaustausch. Durch kleine Zugangslöcher steigen die Männer nach unten, um dort den Beton abzustrahlen und die Risse in den insgesamt sechs Querträgern mit Spritzbeton zu verfüllen. Das Wasser, das zum Abspritzen des Betons verwendet wird, wird aus den Hohlräumen unter der Brücke hochgepumpt, in einen offenen Container. Dort bleibt es, bis sich der Schlamm abgesetzt hat und wird anschließend, so gereinigt, entsorgt.
Zwischen fünf und zehn Zentimeter wurde die Betonschicht an der Fahrbahn verstärkt, erklären Ingenieur Norbert Hemmerling (links) und Bürgermeister Bührer bei der Begehung der Baustelle.
Zwischen fünf und zehn Zentimeter wurde die Betonschicht an der Fahrbahn verstärkt, erklären Ingenieur Norbert Hemmerling (links) und Bürgermeister Bührer bei der Begehung der Baustelle. | Bild: Jochen Hahne

Auf der Oberfläche wird indes die Betondecke verstärkt und neue Stahlverstrebungen eingesetzt. Zwischen fünf und zehn Zentimeter, sagt Hemmerling, wird der Brückenkörper verstärkt. Eine Gratwanderung. Denn einerseits muss die Brücke stabiler werden, andererseits darf sie auch nicht zu schwer werden. Am Ende wird sie im Höchstfall, bei einem doppelachsigen 60-Tonner, 120 Tonnen verteilt auf 1,20 Meter tragen müssen.

  • Die Begleiterscheinungen: Nach anfänglichen Geisterfahrten haben sich nun auch die Autofahrer an die Baustelle gewöhnt, wenn auch nicht ganz ohne Hilfestellung. Das Durchfahrt-Verboten Schild, das zu Beginn aufgestellt wurde, hat nur wenig Autofahrer tatsächlich von einer Durchfahrt abgehalten. Der zweite Versuch: Es wurde ein Einbahnstraße-Schild aufgestellt. Das Ergebnis: "Seither ist keiner mehr hier durchgefahren", sagt Hemmerling.

Ebenfalls im Zuge des ersten Bauabschnitts wird ein Teil der Kreuzung Schwenninger Straße/Güterbahnhofstraße erneuert. Ein Fahrradüberweg wird geplant und ein Teil bereits barrierefrei angelegt. "Das bedeutet aber nicht", sagt Bührer, "dass die Kreuzung damit saniert ist. Das wird ein anderes Großprojekt werden".