„Regional ist das neue Bio“: Das jedenfalls legen die Ergebnisse einer Studie des Marktforschungsunternehmens YouGov nahe. Demnach achtet fast jeder zweite Deutsche (42 Prozent) beim Kauf von Lebensmitteln auf deren regionale Herkunft. Damit gehört „Regionalität“ laut YouGov zu den Top-3-Kaufkriterien. Wichtiger sind den Konsumenten einzig Frische (52 Prozent) und Zuckergehalt (47 Prozent). Bio-Lebensmittel schaffen es mit 25 Prozent nur auf Platz zehn der Kaufkriterien.

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Doch warum lohnt es sich überhaupt, regional einzukaufen? Und welchen Preis zahlt man dafür? Der SÜDKURIER hat dort nachgefragt, wo Regionalität seit je groß geschrieben wird: auf dem Villinger Wochenmarkt. Anhand von vier ausgewählten Produkten zeigen wir auf, was hinter dem jeweiligen Preis steckt. Zum Vergleich waren wir in einem Supermarkt und einem Discounter und haben anhand von Stichproben geschaut, wie viel die jeweiligen Produkte dort kosten.

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Vier Grill-Schweinesteaks

Moritz Hug und seine Familie sind seit acht Jahren mit ihren Fleischwaren auf dem Villinger Wochenmarkt präsent. „Viele Kunden gehen zurück aufs Regionale“, stellt Hug fest. Ihm sei aufgefallen, dass auch immer mehr junge Familien jede Woche auf den Markt kämen, da ihnen die Qualität der Lebensmittel wichtig sei.

„Das Fleisch unserer Schweine ist zarter, als das von Industrieschweinen“, sagt Moritz Hug. Seine Familie ist seit acht Jahren mit einem eigenen Stand auf dem Villinger Markt vertreten. Davor verkauften sie ihr Fleisch als Direktvermarkter direkt auf ihrem Hof.
„Das Fleisch unserer Schweine ist zarter, als das von Industrieschweinen“, sagt Moritz Hug. Seine Familie ist seit acht Jahren mit einem eigenen Stand auf dem Villinger Markt vertreten. Davor verkauften sie ihr Fleisch als Direktvermarkter direkt auf ihrem Hof. | Bild: Marcel Jud
  • Der Preis auf dem Markt: Vier Grill-Schweinesteaks kosten bei Hugs knapp zehn Euro.
  • Was dahinter steckt: „Wir haben insgesamt 350 Schweine und metzgen sie auch selbst“, sagt Hug. Das Futter für die Tiere stellten sie selbst her. „Neben der Schweinezucht betreiben wir auch Landwirtschaft und bauen Kartoffeln für das Futter an“, erklärt Hug. Die Schweine lebten bei ihnen in einem Stall mit Strohboden, ohne Spalten im Boden als Durchlass für Kot und Urin der Tiere. „Wir misten den Stall jeden Tag aus.“ Sie dürften eigentlich doppelt so viele Tiere halten, als sie haben, sagt Hug: „Aber das wollen wir nicht. So haben die Tiere mehr Platz.“ Im Gegensatz zu sogenannten Industrieschweinen würden ihre Schweine auch nicht bereits im Alter von vier Monaten geschlachtet, sondern erhielten mehr Zeit zum Wachsen. „Dadurch und da wir die Tiere nicht mästen, sondern ihnen Futter aus eigenem Anbau geben, ist das Fleisch zarter und verliert weniger Wasser“, erklärt Hug.
  • Der Preis im Supermarkt: Zwei Stück marinierte Schweinerückensteaks, insgesamt 500 Gramm aus dem Kühlregal kosten 5,99 Euro.
  • Der Preis im Discounter: Im Discounter gab es nur eine Großpackung Schweinerückensteaks à 800 Gramm, die 3,99 Euro kostet.

Ein Laib Dinkelbrot

Neben Käse, Eiern und Fleischprodukten bietet der Untermühlbachhof auf dem Villinger Wochenmarkt auch selbst gebackenes Dinkelbrot an. Der Hof ist laut Albert Hahn seit 35 Jahren auf dem Wochenmarkt in der Villinger Altstadt vertreten. Der 29-Jährige gehört seit 2016 einer Gruppe von vier Familien an, die für den Verkauf ihrer Hofprodukte eine Vertriebsgemeinschaft gegründet haben. Brot verkaufen sie auf dem Markt bis jetzt nur samstags.

  • Der Preis auf dem Markt: 500 Gramm frisches Dinkelbrot kosten beim Marktstand des Untermühlbachhofs vier Euro.
  • Was dahinter steckt: „Die Herstellung des Dinkelbrotes ist mit einem hohen Aufwand und viel Handarbeit verbunden“, betont Albert Hahn. Den Dinkel für das Brot würden sie selbst auf ihrem Hof anbauen. „Nach biodynamischen Standards“, so Hahn. Auch backen würden sie das Brot selbst. „Unsere Kunden schätzen die Transparenz beim Einkauf. Im Gegensatz zum Supermarkt, wissen sie bei uns immer, woher die Produkte kommen“, sagt Albert Hahn. Nämlich aus der Region – was laut Hahn auch klimaverträglicher ist.
  • Der Preis im Supermarkt: Im ausgewählten Supermarkt gab es kein Dinkelbrot.
  • Der Preis im Discounter: 750 Gramm Dinkelbrot kosten 1,99 Euro.

Ein Kilo Spargel

Joachim Arnegger und seine Familie verkaufen seit 18 Jahren Gemüse von ihrem Hof bei Ravensburg auf dem Wochenmarkt. „Wir sind auch auf anderen Märkten präsent und fahren alle Märkte selbst an“, sagt Arnegger.

„Bei uns kann man sicher sein, dass der Spargel frisch und der ökologische Fußabdruck gering ist“, sagt Joachim Arnegger. Der Landwirt verkauft mit seiner Familie seit 18 Jahren Spargel und anderes Gemüse auf dem Villinger Wochenmarkt.
„Bei uns kann man sicher sein, dass der Spargel frisch und der ökologische Fußabdruck gering ist“, sagt Joachim Arnegger. Der Landwirt verkauft mit seiner Familie seit 18 Jahren Spargel und anderes Gemüse auf dem Villinger Wochenmarkt. | Bild: Marcel Jud
  • Der Preis auf dem Markt: 9,60 Euro pro Kilo kosten die Spargel der Klasse eins – der „dicken und schön geraden Spargel„, wie Arnegger erklärt. Die dünneren Spargel der Klasse zwei kosten 6,80 Euro pro Kilo.
  • Was dahinter steckt: 90 Prozent der Spargel, die Joachim Arnegger auf dem Wochenmarkt verkauft, stammten aus dem eigenen Anbau, wie der Landwirt betont. Anbauen würden sie den Spargel auf kleiner Fläche. „Deshalb können wir preismäßig nicht mit den Discountern mithalten.“ Dafür müssten sie viel mehr Spargel anbauen, erklärt Arnegger. „Aber bei uns kann man sicher sein, dass der Spargel frisch und der ökologische Fußabdruck gering ist.“ Denn sowohl die Transportwege als auch die Kühlzeiten seien bei ihrem Spargel kurz. „Wir gehören auch zum Verband der süddeutschen Spargel- und Erdbeerbauern, der mit dem NABU zusammenarbeitet“, sagt Arnegger. So würden sie bei ihren Spargelfeldern beispielsweise Steinhaufen als Lebensraum für Insekten und Schleiereulenkasten anlegen.
  • Der Preis im Supermarkt: Ein Kilo weißer Spargel aus Deutschland der Klasse 1 kostet 9,90 Euro. 500 Gramm eines anderen Produzenten, ebenfalls aus Deutschland, kosten 3,99 Euro.
  • Der Preis im Discounter: Grünen Spargel der Klasse 1 gibt es für 1,99 Euro à 500 Gramm (Herkunft: Italien) und für 2,49 Euro à 250 Gramm (Spanien).

Vier Forellenfilets

Irmgard Hug ist mit „Irmi‘s Feinkost und Räucherwagen“ seit neun Jahren die Anlaufstelle für Besucher des Wochenmarkts in Villingen, die jegliche Art von Fisch einkaufen wollen. „Die Nachfrage hat in letzter Zeit angezogen“, bestätigt Irmgard Hug das steigende Interesse von Kunden an regionalen Produkten.

„Unsere Forellen sind gestern noch geschwommen“, betont Irmgard Hug. Seit neun Jahren ist sie mit „Irmi‘s Feinkost und Räucherwagen“ in Villingen präsent.
„Unsere Forellen sind gestern noch geschwommen“, betont Irmgard Hug. Seit neun Jahren ist sie mit „Irmi‘s Feinkost und Räucherwagen“ in Villingen präsent. | Bild: Marcel Jud
  • Der Preis auf dem Markt: Vier Forellenfilets kosten bei Irmgard Hug zwischen vier und fünf Euro – je nach Gewicht.
  • Was dahinter steckt: „Unsere Forellen sind gestern noch geschwommen“, betont Irmgard Hug. Den Fisch bezieht Hug von der Forellenzucht Lohmühle in Alpirsbach, die eine artgerechte Haltung der Tiere mit hochwertigem Futter garantiert. Irmgard Hug und ihre Mitarbeiter filetieren und räuchern die Forellen dann vor Ort auf dem Markt: „So frisch wie bei uns sind Forellen sonst nirgends.“ Das sei den kurzen Anfahrtswegen für den Fisch geschuldet. Die Frische hat aber auch ihren Preis: „Der Fisch ist teurer, als wenn man ihn über den Großhandel bezieht, da die Zucht kleinere Mengen produziert“, erklärt Hug. Dafür erhalten Kunden bei ihr – wie auch bei den anderen Marktverkäufern – Beratung vor Ort und wissen, wo und unter welchen Bedingungen der Fisch gezüchtet wurde, der später auf ihrem Teller landet.
  • Der Preis im Supermarkt: 125 Gramm Forellenfilets aus dem Kühlregal kosten im ausgewählten Supermarkt, je nach Produzent, zwischen 1,69 und 3,79 Euro.
  • Der Preis im Discounter: 125 Gramm Forellenfilets aus Dänemark gibt es beim Discounter für 1,69 Euro.